Grafik Museum-Scheuerle
Grafik Museum-Scheuerle | © Jürgen Hammer

Schätze bäuerlichen Lebens

Museum-Scheuerle Waldrems

Als vor 35 Jahren das alte Haus von Hermann und Emma Knörzer abgerissen wurde, stand Schwiegersohn Martin Schüle vor einem Problem: „Wohin mit dem ganzen Sach?“ Aber zu Knörzer´s landwirtschaftlichem Anwesen gehörte auch eine Scheuer und so wurde in diese erst mal alles eingelagert. 
 
Nach und nach entwickelte sich die Idee, in der 1920 erbauten und 12 m hohen Scheuer ein Museum einzurichten. Als Glücksfall erwies sich hier die Eigenschaft, dass ein richtiger Schwabe nichts wegwirft. Hermann Knörzer und Martin Schüle waren da keine Ausnahme. Also machte sich Martin Schüle mit zeitweiser Unterstützung von Schwiegersohn Jürgen Hammer daran, das Gebäude zu renovieren und darin ein Museum einzurichten. Sogar die alten Holzstiegen aus dem Abbruchhaus wurden in der Scheuer wiederverwendet. Im September 1997 konnten sich die Besucher bei einem Museumsfest vom Ergebnis überzeugen.
 
Schon in den ersten Monaten nach der Eröffnung vergrößerte sich die Sammlung beträchtlich. Viele Besucher waren bereit, Stücke aus ihrem privaten Besitz an das Museum abzugeben, oftmals mit der Aussage „zuhause hab ich keinen Platz aber wegschmeißen konnt’ ich’s auch nicht“. Darunter waren Familienerbstücke, Sonderanfertigungen aller Art und Unikate. Um die Spuren jahrzehntelanger Nutzung nicht zu verwischen wurden viele Ausstellungsstücke nicht restauriert sondern nur gereinigt. Alle Teile sind Eigentum vom Museum-Scheuerle
 
Leider verstarb Martin Schüle schon viel zu früh im Jahr 2002. Sein Schwiegersohn Jürgen Hammer, der auch Interesse an dem „alten Zeug“ hatte, übernahm die Führungen und erweiterte die Sammlung. Die Ausstellungsfläche beträgt seitdem ca. 280 qm und erstreckt sich über 3 Etagen.
 
Im früheren Königreich Württemberg galt die Realteilung, bei der der Besitz unter den Nachkommen aufgeteilt wurde. Das führte dazu, dass viele Landwirte von ihrem Besitz nicht leben konnten, und gezwungen waren zusätzlich nebenher ein Handwerk auszuüben. So sammelte sich im Museum-Scheuerle einiges an Gerätschaften der damaligen Weber, Schneider, Schuhmacher, Schreiner und Zimmerleute an. Teile davon wurden zeitweise bei Vorführungen genutzt, wie der Webstuhl und die Schuhmacherwerkstatt.
 
Eine Führung durchs Museum braucht Zeit. Vor allem bei älteren Besuchern unterscheiden sich die Interessen deutlich. Die Frauen stehen im „Schlafzimmerle“ oder in der Küche. Für die Frauen muß auch unbedingt der Koffer der Hebamme Rosine Feyl geöffnet werden, welche damals Museumsgründer Martin Schüle zum Start ins Leben verholfen hat. Die Männer unterhalten sind eher über den Kramer-Schlepper Baujahr 1957, die funktionsfähige Mosterei, die Schreiner – oder die Schuhmacherwerkstatt. Bei vielen Besuchern kommen Erinnerungen aus der „guten alten Zeit“ hoch, die dann manchmal doch nicht so gut war.
 
Es kommen auch Schulklassen, um sich das anzuschauen was sie bisher nur vom Hörensagen kennen. Hier werden die Schwerpunkte auf 2 – 3 Themen gesetzt, da das Interesse erfahrungsgemäß nach einer halben Stunde nachlässt.
 
Während der Führungen gab es immer wieder Fragen zur Waldremser Geschichte, zur Gemarkung und den Flurnamen sowie zum Verlauf der Gemarkungsgrenzen. Jürgen Hammer hat bei älteren Waldremsern, im Stadtarchiv, in Büchern und im Internet Informationen gesammelt und daraus eine „Waldremser Chronik“ erstellt. Seit der Museumsgründung gab es im ehemaligen Kuhstall auch das Museum-Stüble. Hier konnte man sich nach einer „anstrengenden“ Führung wieder mit Getränken, selbstgebackenem Kuchen oder einem Vesper stärken.
 
Kontakt:
Familie Hammer 
Remsstraße 19, 71522 Backnang-Waldrems
Tel.: 0 71 91  84 78 9
 
Öffnungszeiten:
Nach Vereinbarung, auch vormittags
 
Quelle: Museum-Scheuerle Waldrems

Redaktion backnang.online

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