Reste der originalen Bemalung freigelegt
Ein Besuch der Restaurierungsarbeiten in der Aussegnungshalle Teil 1
Dass der Innenraum der Aussegnungshalle im Backnanger Stadtfriedhof einmal farbenfroh war, ist eine überraschende Erkenntnis. Schon vor ein paar Jahren veränderte sich das über Jahrzehnte vorherrschende nüchterne Erscheinungsbild hin zu einer farbigen Gestaltung mit einem leuchtenden Gelb in der oberen Hälfte und einem Grauton im unteren Bereich. In den Seitenschiffen hebt sich seither das Grau der Decke und der Pfeiler von einer rosa gefassten Wand ab, in denen die Fensterlaibungen gelb hervorstechen. Doch mehr und mehr stellt sich heraus, dass es sich um eine bemerkenswerte Innenraumgestaltung der Mitte der 1920er-Jahre handelt mit Motiven aus Art Déco und Expressionismus.
Restaurator Andreas Brückner weist auf ein kleines Stück blauer Farbe am Rand der Decke hin: „Das war die Originalfarbe der Balken.“ Sie erhielten dann aber doch einen dezenteren grauen Farbton. „Auch die Muster an den Unterzügen hatten ursprünglich kräftigere Farbtöne,“ ergänzt er. Das Blau an der Decke korrespondierte mit der blau gefassten horizontalen Teilung des Raums. Allerdings war auch dieses Blau einmal kräftiger. Ein kräftiger Blauton in Richtung eines Kobalttons findet sich an einer großen freigelegten Stelle links der Orgel. Hier sieht man einen gemalten Pfeiler, der mit einem Muster mit auf der Spitze stehenden Quadraten versehen ist. Fast erinnert es an ein Fliesenmuster mit blauen Fugen. Farblich kontrastieren hier stark Ocker- und Blautöne. Man kann Blüten erahnen, die mit elegantem Schwung gemalt sind. Das Muster endet oben in einem Spitzbogen, der mit Goldfarbe betont ist. An der rechten Seite konnten keine Farbreste gefunden werden. „Da es sich aber um eine symmetrische Gestaltung gehandelt haben dürfte, könnte man das Muster auf der rechten Seite ergänzen,“ meint Andreas Brückner.
Redaktion backang.online | Klaus J. Loderer