100 Jahre Aussegnungshalle im Backnanger Stadtfriedhof
Festakt mit Buchvorstellung am 22. November 2025
Am 29. November 1925 wurde die Aussegnungshalle auf dem Backnanger Stadtfriedhof ihrer Bestimmung übergeben. Eine Woche vor dem exakten hundertjährigen Jubiläum wurde das Jubiläum am 22. November im Rahmen eines Festakts gefeiert, stimmungsvoll eröffnet vom Blechbläserensemble der Jugendmusik- und Kunstschule Backnang unter der Leitung von Armin Hann. Die historische Orgel spielte Waldemar Merk.
Oberbürgermeister Maximilian Friedrich eröffnete den Festakt mit Gedanken zum Backnanger Stadtfriedhof als Ort des Abschieds und des Gedenkens. Gleichzeitig werde hier die Geschichte Backnangs auf besondere Art spürbar. Insofern vereinige der Ort Vergangenheit und Gegenwart und ist ein Teil der gemeinsamen Identität der Bewohner Backnangs.
Drei Vertreter der Kirchen legten ihre persönlichen Erfahrungen mit der Aussegnungshalle dar. Klaus Herberts als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Backnang ging auf den Abschied in der Aussegnungshalle ein. Die an der Fassade angebrachte Inschrift „Treu bis in den Tod“ setzte der evangelische Dekan Rainer Köpf in Bezug zur Offenbarung des Johannes. Wie er die Aussegnungshalle schätzen gelernt hat, erzählte der katholische Pfarrer Wolfgang Beck.
Den Bedeutungswandel des Gebäudes, das zusammen mit dem Ehrenhof mit den Namenstafeln mit der damals als Helden betrachteten Backnanger Gefallenen des Ersten Weltkriegs als Erinnerungshalle für Gedächtnisveranstaltungen konzipiert war – und eben nicht nur als Aussegnungshalle für Beisetzungen, verdeutlichte Stadtarchivar Dr. Bernhard Trefz in seinem Vortrag. Die Art des Gedenkens sei nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Errichtung des Mahnmals eine völlig andere geworden. Trefz erläuterte die Vorgeschichte der Aussegnungshalle, den Diskussionen um den Standort für ein Kriegerdenkmal und die komplizierte Ausführung, die sich durch die Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre mit der dadurch bedingten Vernichtung des Stiftungskapitals in die Länge zog.
Die Architektur des Gebäudes mit ihren Anklängen an frühchristliche Kirchenbauten und die inzwischen teilweise wieder sichtbare originale Ausmalung des Raums interpretierte der Architekturhistoriker Klaus J. Loderer. Von ihm stammen die Texte des am Schluss der Veranstaltung von Bernhard J. Lattner vorgestellten neuen Bildbands „Der Backnanger Stadtfriedhof“, in dem neben der Aussegnungshalle auch die Friedhofkapelle gewürdigt wird. Außerdem geht der Band auf die mehr als 150 Jahre lange Geschichte des Friedhofs und der Vorgängerfriedhöfe ein. Die Fotografien des Lichtbildners Bernhard J. Lattner dokumentieren den Friedhof, seine Gebäude und ebenso einiger herausragende Grabmäler.
Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer