Architektur in Backnang
1930er-Jahre in Backnang – Teil 3
Nach den Erweiterungen der Lederwerke durch neue Baukörper, die dem Komplex immer mehr das Aussehen eines Baus im Sinne der avantgardistischen Moderne gaben, war es das 1929 – 1930 errichtete Haus Breuninger in der Schöntaler Straße, bei dem der Architekt Karl Kress erstmals in Backnang einen aus Kuben zusammengesetzten Flachdachbau plante. Zwar haben die Fenster noch stehende Formate, doch fasst die horizontale Gliederung der Fassaden diese zu Fensterbändern zusammen. Mit dem 1932 fertiggestellten und nach Plänen des Stuttgarter Architekten Hans Paul Schmohl errichteten Bürgerheim erhielt Backnang einen weithin sichtbaren Bau der Moderne.
Ein weiteres, das Stadtbild stark veränderndes Gebäude der Moderne wurde der 1937 errichtete Neubau der 1935 abgebrannten Lederfabrik Louis Schweizer, entworfen vom Stuttgarter Architekt Georg Stahl als Komposition unterschiedlich hoher Flachdachbauten mit der Betonung der Ecke am Beginn der Sulzbacher Straße durch einem Turm. Ein bemerkenswerter Stahlbetonbau war das von Paul Bonatz entworfenen Murrtalviadukt im Rahmen des Baus der Umgehungsstraße (1938). Im Industriebau wurden also auch im Dritten Reich Bauten der Moderne errichtet. Allerdings gehörte die Mehrzahl der Bauten dieser Zeit in Backnang zu einer traditionellen Richtung mit Walm- und Satteldächern, Natursteinmauerwerk, vor allem aus dem örtlichen Muschelkalk, und Sprossenfenstern. Ein markantes Beispiel ist die als große Sport- und Festhalle ausgeführte und 1938 eröffnete Stadthalle. Deren aufstrebender junger Architekt Otto Nussbaum begann sich mit Bauten wie der evangelischen Kirche in Steinbach und dem Filmtheater einen Namen zu machen.
Die im Dritten Reich angedachten städtebaulichen Maßnahmen im Stadtzentrum mit öffentlichen Gebäuden von Stadt, Kreis und NSDAP blieben in der Ideenphase stecken. 1938 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben für eine Anlage mit Bauten für Jugenderziehung, Sport und Spiel mit Gewerbe- und Oberschule, HJ-Heim, Hallenbad und Kampfbahn, bei dem die Stuttgarter Architekten Kurt Marohn und Rolf Gutbier den ersten Preis erhielten. Diese Architekten prägten nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau von Heilbronn bzw. Stuttgart mit. Durch den Zweiten Weltkrieg kam das Projekt nicht zur Ausführung. Der Entwurf Hans Paul Schmohls wurde mit einem Ankauf bedacht. Ausgeführt wurde der von diesem Architekten entworfene Kindergarten der Robert-Kaess-Siedlung (1937). Auch der Kindergarten Benzwasen entstand in dieser Zeit. Steinbach erhielt 1935 – 1936 mit dem Schulhaus und der evangelischen Kirche eine neue zentrale Gebäudegruppe.
Den Gedanken der Gartenstadt folgte die Planung für das Gebiet um die heutige Röntgenstraße. In der als Nebenerwerbssiedlung konzipierten Sachsenweilersiedlung errichtete die Baugenossenschaft 1936 – 1938 mehr als sechzig Wohnhäuser. Für Arbeiter der Lederwerke entstand 1937 die Robert-Kaess-Siedlung mit kleinen Satteldachhäusern. Ein herrschaftliches Einfamilienhaus ließ sich Karl Hilkene 1933 – 1934 auf der Schöntaler Höhe nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Walther Hoss (ab 1947 Generalbaudirektor von Stuttgart) errichten. In markanter Lage entstanden ebenfalls 1933 – 1934 auf dem Koppenberg zwei Fabrikantenvillen für Richard und Fritz Schweizer (Architekt: Georg Stahl).
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Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer