Backnang Friedhofskapelle Innenraum mit Altar auf dem Backnanger Stadtfriedhof Bernhard J. Lattner
Friedhofskapelle Innenraum mit Altar | © BJ. Lattner

Fritz Bauer und die Auschwitzprozesse

Gedenkveranstaltung des Heimat- und Kunstvereins in der Friedhofskapelle in Backnang

Der Arbeitskreis „Gedenken und Erinnern“ im Heimat- und Kunstverein Backnang erinnert am Samstag 31. Januar 2026 um 15 Uhr in der Friedhofkapelle im Backnanger Stadtfriedhof (Friedhofstraße 40) an die Befreiung von Auschwitz vor 81 Jahren am 27. Januar 1945 mit der Themenstellung „Fritz Bauer und die Auschwitzprozesse.“

Der Auschwitztag, den der Arbeitskreis „Erinnern und Gedenken“ nun seit 2016 mit Unterbrechung in den Corona-Jahre 2021 und 2022 veranstaltet, dient dazu, die Zeit zwischen 1933 und 1945 nach einer Deprivation in der Nachkriegszeit wieder mit ins Leben und damit in die Gesell-schaft hineinzunehmen.

Die Ambivalenz zwischen Auschwitz und Backnang heute ist sehr groß und nicht leicht zu ertragen, daher ist nur ein Erinnern und Gedenken mit Schmerzen oder nach Adorno mit „Asche im Haar“ möglich, als der nie zu heilende Riss in der deutschen Identität.

Diese Problematik mit dem Holocaust an der Spitze hat Fritz Bauer als Generalstaatsanwalt in Braunschweig und später in Hessen ins Bewusstsein der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft mit ihrer Schlussstrichmentalität besonders durch die Auschwitzprozesse von 1963 – 1981 nachhaltig gerückt. In dem Remer-Prozess 1952 erfolgte die Rehabilitation der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944, die von einer Mehrheit der Deutschen bis dahin noch weitgehend als Verräter angesehen wurden. Die nicht zu widersprechende Begründung von Bauer in seinem Plädoyer als Generalstaatsanwalt und der Verurteilung von Remer, der die Attentäter als vom 20. Juli als Verräter diffamierte, lag in dem Satz: „Ein Unrechtsstaat wie das Dritte Reich ist überhaupt nicht hochverratsfähig“. Mit diesem Urteil setzte sich u.a. in der Gesellschaft die Über-zeugung durch, dass der NS-Staat kein Rechtsstaat, sondern vielmehr ein Unrechtsstaat war.

Fritz Bauer wurde 1903 in Stuttgart geboren. Er wuchs in einem großbürgerlichen, liberalen jüdischen Elternhaus auf und besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart. Er studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg, München und Tübingen und wurde nach Abschluss des Studiums als promovierter Jurist jüngster Amtsrichter in der Weimarer Republik. Mit der Macht-übernahme der Nationalsozialisten wurde er als Mitglied der SPD und als Jude in den KZs Heuberg und Oberer Kuhberg für acht Monate inhaftiert. Nach der Haftentlassung verlor er sein Richter-amt und wurde aus dem Staatsdienst entlassen. Als Folge davon emigrierte er nach Dänemark und nach der Besetzung des Landes durch die Deutschen floh er in das neutrale Schweden, wo er mit Willy Brandt die Zeitschrift „Sozialistische Tribüne“ herausgab. Im Jahr 1949 kehrte er nach Deutschland zurück und in seiner Position als Generalstaatsanwalt in Hessen führte er Ermittlungen gegen Beschuldigte der „Berliner Euthanasie-Zentrale“, war an der Aufspürung von Eichmann beteiligt, erreichte im Remer-Prozess eine Neubewertung des Attentats am 20. Juli 1944 und weckte mit den Auschwitzprozessen das Bewusstsein für den Holocaust und die damit verbundenen NS-Verbrechen.

Dieser Aufgabe hat sich die Geschichte-AG des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums gestellt, wobei eine besondere Verpflichtung darin besteht, an den ehemaligen Schüler des Eberhard- Ludwigs-Gymnasiums, zu denen auch die drei Brüder Stauffenberg gehörten, nicht nur an ihn und sein

Leben zu erinnern, sondern ihn als denjenigen zu würdigen, der die Deutsche Geschichte in Hin-blick auf den Holocaust, die Euthanasie und die Kriegsverbrechen des NS-Staates, besonders in den Auschwitzprozessen im Sinne eines demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaates aufarbeitete und damit auch bis heute ein Vorbild für zivilcouragiertes Handeln ist.

Hervorzuheben bei dieser Veranstaltung ist, dass die Geschichte-AG des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums das gesamte Programm mit Liedern, Gedichten, musikalischer Begleitung und Texten zu Fritz Bauer und den Auschwitzprozessen mit ihren Lehrer*innen gestaltet und erarbeitet hat. Das ist sicher ein Beispiel dafür, dass auch in der jungen Generation die Erinnerung und die Verbrechen der NS-Zeit verantwortlich und mit Engagement und nicht nur als bloße Erinnerungsroutine aufrecht gehalten wird.

Der Leitgedanke der Geschichte-AG des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart ist dabei der Satz von Fritz Bauer:

Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden!” 
 
Quelle: www.huk-verein.de

Redaktion backnang.online

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