Schülerinnen und Lehrer des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums in Stuttgart BJ. Lattner
Schülerinnen und Lehrer des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums in Stuttgart | © BJ. Lattner

Arbeitskreis „Gedenken und Erinnern“ erinnert an Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und die Auschwitzprozesse

Gedenkveranstaltung zum Tag von Auschwitz in der Friedhofkapelle in Backnang

Der 27. Januar erinnert als Tag von Auschwitz daran, dass am 27. Januar 1945 sowjetische Truppen das Vernichtungslager befreiten. Der Arbeitskreis „Gedenken und Erinnern“ im Heimat- und Kunstverein Backnang erinnert daran jedes Jahr mit wechselnder Themenstellung.
Bei der Gedenkveranstaltung am 31. Januar 2026 in der Friedhofkapelle im Backnanger Stadtfriedhof Fritz Bauer im Zentrum, der in seinen zwölf Jahren als hessischer Generalstaatsanwalt die Auschwitzprozesse aufrollte. Seine Rolle erarbeitete die Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums in Stuttgart aus Anlass seines 120. Geburtstags. Der in Stuttgart 1903 geborene Fritz Bauer besuchte dieses Gymnasium ebenso wie Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Ob sich die beiden allerdings kannten, konnte die Arbeitsgemeinschaft Geschichte nicht klären. 

Die von den Lehrern Katharina Dargan, Regina Winkleund Johannes Steymans betreuten Schülerinnen des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums gestalteten die Gedenkveranstaltung als Collage aus Musik- und Textbeiträgen.Sie stellten die Biografie des Juristen Fritz Bauer vor, gingen auf die Verhaftung durch die Gestapo 1933, die Flucht nach Dänemark 1936, seine Zeit im Exil und die Rückkehr nach Deutschland 1949 ein. „Wir haben versucht, den Gedanken Fritz Bauers nachzuspüren,“ war die Grundmotivation der Schülerinnen. Sie gingen auch auf die großen Widerstände in Politik und Justiz ein, als Bauer versuchte, die NS-Zeit juristisch aufzuarbeiten. Immer wieder habe es die Forderung nach einem Schlussstrich unter diese Zeit gegeben, so die Schülerinnen. Die Auschitzprozesse hätten auch nicht eine wirklich große Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden, zitierten sie eine Prozessbeobachterin. Aber sie stellten auch hervor: „Erinnerung ist mehr als ein Blick zurück. Sie ist ein Verfahren wider das Vergessen.“ 

Mit Texten von Primo Levi entstand ein Eindruck von der Ankunft im Lager Auschwitz und von seiner Befreiung. Naomih Hadzic gab der Gedenkveranstaltung mit ihren Liedbeiträgen eine stimmungsvolle Note. Elina Singer spielte ein Stück aus Johann Sebastian Bachs Cello-Suite Nr. 2. Texte sprachen Annabella Chen, Zoé Hatzelmann, Taja Kayalar, Yuna Lee, Eva Luibrand und Violetta Singer.

Ernst Hövelborn dankte im Namen des Heimat- und Kunstvereins Backnang Oberstudiendirektor Mario Zecher für die Gestaltung der Gedenkveranstaltung durch Schülerinnen des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums: „Auf diese Weise weht ein Geist der Jugend heute in diese Veranstaltung hinein und widerlegt zugleich die These, dass die Jugend kein Interesse an der Geschichte und besonders der NS-Zeit habe.“ Er überreichte Schulleiter Zecher ein von seinem Sohn Clemens Hövelborn gezeichnetes Porträt Fritz Bauers für das Schulgebäude.

Stadtarchivar Dr. Bernhard Trefz erinnerte daran, dass ein wirkliches Interesse am Holocaust erst mit der gleichnamigen amerikanischen Fernsehserie aufkam. In Backnang erfolgte eine erste Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erst in den 1990er-Jahren. Verdrängt worden sei hier viele Jahrzehnte, dass die in Backnang geborene Martha Feigenheimer zusammen mit ihrem Ehemann Cäsar Bruchsaler von ihrem Wohnort Stuttgart ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Solche Dinge dürfen nicht in Vergessenheit geraten: „Deshalb ist es unsere Aufgabe, Verbrechen des Nationalsozialismus immer wieder zu benennen und uns öffentlich und deutlich gegen jede Form von Diskriminierung, Gewalt und Hass zu stellen. Aus diesem Grund sind Veranstaltungen wie die heutige von großer Bedeutung.“ Damit betonte der Backnanger Stadtarchivar in seinem Grußwort im Namen der Stadt Backnang die Bedeutung des Gedenkens.

Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer

Zurück zur Übersicht