Prexl (Vorstandsvorsitzender Diakonie Stetten), Landrat Dr. Richard Sigel und Stefanie Böhm (Leiterin des Dezernats für Soziales, Jugend und Bildung des Rems-Murr-Kreises) nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung im Landratsamt in Waiblingen
Prexl (Vorstandsvorsitzender Diakonie Stetten), Landrat Dr. Richard Sigel und Stefanie Böhm (Leiterin des Dezernats für Soziales, Jugend und Bildung des Rems-Murr-Kreises) nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung im Landratsamt in Waiblingen | © Steffen Wilhelm, Diakonie Stetten

Digitalisierung, entlastet Rems-Murr-Kreis und Diakonie Stetten 

Absichtserklärung für weniger Bürokratie in der Eingliederungshilfe 

Der Rems-Murr-Kreis und die Diakonie Stetten haben am Freitag 6. Februar 2026 eine Absichtserklärung („Letter of Intent” (LOI)) unterzeichnet. Ziel ist es, zentrale Verwaltungsprozesse in der Eingliederungshilfe gemeinsam zu vereinfachen, zu standardisieren und zu digitalisieren.

Damit setzen beide Partner ein klares Zeichen für einen Perspektivwechsel in der aktuellen Debatte um mögliche Einsparpotenziale im Sozialbereich. Anstatt bei den direkten Unterstützungsleistungen anzusetzen, soll der Fokus möglicher Einsparungen auf die aufwändigen Verfahrensabläufe und Prozesse bei der Beantragung, Dokumentation und Abrechnung von Hilfen gerichtet werden. Eine Vereinfachung und Beschleunigung dieser Verwaltungsprozesse soll auf beiden Seiten für Entlastung sorgen, sodass die Zeit und Energie der Mitarbeitenden, sowohl beim Landratsamt als auch bei der Diakonie Stetten, wieder dort ankommt, wo sie hingehören: bei den Menschen.

 „Wir haben in unserem Jugendamt seit 2017 intensiv an unseren Abläufen und Prozessen gearbeitet. Zudem setzen wir konsequent auf Digitalisierung und moderne Arbeitsplatzkonzepte. Der Erfolg ist messbar. Wir lagen 2017 bei den Ausgaben in der Jugendhilfe noch deutlich über dem Landesdurchschnitt, inzwischen geben wir weniger aus als der Durchschnitt der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg. Übersetzt steckt dahinter ein Einsparpotential im Millionenbereich, das nach unserer Überzeugung auch dieser Neuausrichtung geschuldet ist “, so Landrat Dr. Richard Sigel.

„Auch unser Amt für Soziales und Teilhabe hat sich längst auf diesen Weg gemacht und möchte die Digitalisierung in der Eingliederungshilfe weiter konsequent voranbringen. Dort sehen wir große Potentiale. Im Alleingang wird dies allerdings nicht gelingen, deshalb sind wir froh, mit der Diakonie Stetten einen Partner aus der Praxis zu haben, der in die gleiche Richtung denkt. Zudem setzen wir darauf, dass die Digitalisierungsanstrengungen auf Landes- und Bundesebene schneller werden, damit unsere ehrgeizigen Ziele auch erreichbar sind, betont Sozialdezernentin Stefanie Böhm. „Auch weitere Träger im Landkreis werden mit einbezogen.“

Im Rahmen des geplanten Pilotprojekts sollen insbesondere diejenigen Abläufe untersucht werden, die aktuell noch häufig von Papierausdrucken und aufwändiger manueller Bearbeitung auf beiden Seiten geprägt sind. Dazu zählen beispielsweise Leistungsbescheide, Teilhabeberichte, sowie die Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung.

„Jede Stunde, die nicht in unnötiger Dokumentation und Abstimmungsschleifen gebunden ist, kommt direkt den Menschen zugute”, ergänzt Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten. Unsere Fachkräfte brauchen Zeit für Begleitung, Assistenz und Beziehung – genau dafür schafft dieses Projekt Raum.“

Hintergrund: Die Eingliederungshilfe steht in Baden-Württemberg unter erheblichem finanziellem Druck. Gleichzeitig sind Teilhabeleistungen rechtsverbindliche Leistungen, die Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Die Digitalisierung und Standardisierung der Verwaltungsprozesse sind daher ein zentraler Ansatz, um Kosten zu dämpfen, ohne ausschließlich an Leistungskürzungen zu denken. 

Quelle: Landratsamt Rems-Murr-Kreis

Redaktion backnang.online

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