Türme, Wolkenkratzer, Bäume und ein Murmelspiel
Ausstellung „Hoch“ der Künstlergruppe „EigenArt“ in der Volkshochschule Backnang
Beim Thema „Hoch“ darf der Backnanger Stadtturm nicht fehlen. Er hängt prominent im ersten Stock des Bildungshauses in einem Bereich mit einheitlichen Formaten. Hochformate dominieren diese Ausstellung – keine Wunder, das Motto der Jahresausstellung der Künstlergruppe „EigenArt“ ist schließlich „Hoch“. Diese Malgruppe entstand 2009 aus einem Volkshochschulkurs mit dem Maler János Bella. Seit 2015 betreut Dorothea Schwertzel-Thoma die Gruppe, die sich dienstagvormittags trifft. Die Gruppenmitglieder waren wieder fleißig. Immerhin ist es inzwischen die sechzehnte Ausstellung der Gruppe, wie Fachbereichsleiterin Kerstin Hopfensitz bei der Vernissage am 1. März hervorhob. Sie dankte Brigitte Brändle, Ingrid Dürr, Vera Heyer, Ulrich Klenk, Barbara Krug, Birgit Sterzel, Ingrid Thomas, Susanne Walter, Margitta Wildermuth, Ursula Wolke und Werner Wolke für die Bereitstellung der Werke und Dorothea Schwertzel-Thoma für die technische und inhaltliche Betreuung der Arbeits- und Schöpfungsprozesse.
Birgit Brändles Bilder sind nicht einfach flach. Es sind Kollagen. In „Zeit – was ist Zeit“ offenbart das Zifferblatt der Uhr eine geheime Welt. Die Zeiger sind drehbar und sechs Uhr lässt sich das Zifferblatt öffnen und es verwandelt sich in ein Buch, in dem man blättern kann. Eine andere Arbeit Brändles, „Auf die Plätze fertig los!“ wirkt wie ein beschmiertes und bekritzeltes Fundstück. Es ist ein Murmelspiel, in dem man oben Murmeln in zwei Trichter werfen kann. Die Murmeln rollen dann durch das Werk. Außerdem lassen sich Murmeln auch wie in einem Flipperautomat in eine Spirale schießen und kommen dann an überraschenden Stellen wieder raus.
Für Ingrid Dürr war klar, hoch sind gotische Kirchen. Sie ließ sich für das Bildpaar „Freud in der Zeit“ von den Kirchenfenstern der Kathedralen inspirieren. Der Text „Geh aus mein Herz“ zitiert das bekannte Kirchenlied Paul Gerhards. Ein Labyrinth aus Treppen führt hier zur Orgelempore hinauf. Auch „Friedensbaum“ nimmt ein gotisches Fenster als Grundlage, soll aber auch den Frieden bedrohende aktuelle Situationen auf dem Globus aufmerksam machen.
Auch Ulrich Klenk hat das Thema der in die Höhe strebenden Architektur der Kathedrale als Abbild des Himmels auf Erden aufgegriffen. In „Eisberg“ treiben majestätische Riesen still und gemächlich über das Meer. Klenk möchte aber auch kritisch aufzeigen, dass sie wegen des Klimawandels zum Untergang bestimmt sind.
Beim Thema „Hoch“ sind neben Türmen natürlich Wolkenkratzer naheliegend. Einen „Trump Tower – was mir Angst macht“ besonderer Art hat Birgit Sterzel geschaffen. Als Kollage hat sie Zeitungsausschnitte und Karikaturen über den amerikanischen Präsidenten zusammengeklebt, dann grau übermalt und stellenweise Überschriften wieder sichtbar gemacht. Dass der Beton dieses Turms zu bröckeln scheint, ist beabsichtigt. „Himmel und Hölle“ zeigt zwei Gesichter. Je nachdem, wie rum man das Bild aufhängt, kommt das Gesicht mit den golden züngelnden Haaren oder das Gesicht mit den Wolken um den Kopf hervor. Was wie eine stark vergrößerte Maserung eines Stücks Marmor wirkt, bezieht Birgit Sterzel auf den „Ayers Rock“
Ein ungewöhnliches Motiv aus Backnang zeigt Barbara Krug: In dramatischer Untersicht schaut man zum Murrtalviadukt hinauf, dessen Bögen den unteren Teil des Bilds ausmachen. Steil ragt ein roter Kran auf, der so hoch ist, dass ihn das obere Bildende abschneidet. Ingrid Thomas hat den Backnanger Stadtturm in einer fröhlichen Stimmung als Motiv gewählt. In „Stadt am Fluss“ zeigt sie eine Stadtsilhouette mit farbenfrohen Wolkenkratzern, die sich in einem leuchtend blauen Fluss spiegeln.
Susanne Walter wollte die Erinnerungen an schöne Wanderungen im Pfälzer Wald und im Bayerischen Wald auf die Leinwand bannen. In flächiger, farbenfroh Malweise fängt sie eine Gartenstimmung mit „Kapuzinerkresse“ ein.
Auch bei Margitta Wildermuth geht es um Reiseerinnerungen, in diesem Fall an die Wüstenlandschaft in Arizona mit großen Kakteen. In „Nachhaltig“ hat sie ein Rindenstück in das gemalte Bild einer Landschaft eingefügt.
Ursula Wolke lässt ihre gemalten Blüten in schmalen Hochformaten nach oben ranken. Werner Wolkes Spezialität sind fotorealistische Bilder. Entspannt sitzen Menschen vor dem „Bistro chez André“ irgendwo in Frankreich und lassen sich vom Garçon das Menü erklären. Weitere Bilder von ihm zeigen Straßenszenen mit südlichen Stimmungen. „Hoch auf der Leiter“ malt eine Künstlerin im Atelier. Wolke spielt aber auch gerne mit dem Surrealismus: In „Hyperrealismus“ schwimmt das gemalte Ruderboot aus dem Bild in das geflutete Atelier.
Vera Heyer bezieht sich in ihren Bildern auf Hundertwasser, Marc Chagall und Gustav Klimt. Von leuchtender Farbigkeit ist in „Die Paulownia“ der blühende Baum.
Die Ausstellungseröffnung umrahmten Raphael Erne an der Posaune und Katharina Dopfer an der Harfe, beides Lernende an der Jugendmusik- und Kunstschule Backnang, musikalisch. Die Ausstellung ist bis zum Sommer im ersten Stock des Bildungshauses zu den Öffnungszeiten der Volkshochschule zu sehen.
Redaktion backnang.online Klaus J. Loderer