Industrie 4.0 Showroom mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet Produktionsanlage
Industrie 4.0 Produktionsanlage Gewerbliche Schule Backnang | © BJ. Lattner

Künstliche Intelligenz Teil 2

Gedanken und Erfahrungen einer Lehrkraft zur Künstlichen Intelligenz (KI)

Hinweis: Wenn im Folgenden von Künstlicher Intelligenz (KI) gesprochen wird, ist nicht eine bestimmte Künstliche Intelligenz (KI) gemeint, sondern ganz allgemein die Künstliche Intelligenz (KI). Ich möchte in diesem Artikel nicht als Experte, sondern als neutraler Beobachter ohne Wertung einige meiner Gedanken und Erkenntnisse im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) darstellen. Es handelt sich hierbei nur um meine Meinung und nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich bin Lehrkraft an der Gewerblichen Schule Backnang, an der das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in den letzten Monaten stark an Präsenz und Wichtigkeit zugenommen hat. Beispielsweise haben wir jüngst unseren Industrie 4.0 Showroom mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet.

Industrie 4.0 Produktionsanlage Gewerbliche Schule Backnang | © BJ. Lattner

 

Künstliche Intelligenz (KI) ist nichts Neues, sondern existiert bereits seit vielen Jahren, zum Beispiel unter dem Begriff Big Data. Bereits vor Jahrzehnten entwickelten Forscher Algorithmen, die in der Lage waren aus gigantischen Datenmengen bestimmte Informationen herauszufiltern. Beispielsweise konnten Unternehmen aus den von uns Verbrauchern bereitgestellten Einkaufsdaten (durch Payback, Gewinnspiele, Apps…) das Konsumverhalten bestimmter Konsumenten herauslesen. Was zunächst nicht sonderlich kritisch erscheint, kann bei genauerer Betrachtung dazu führen, dass dem einzelnen Verbraucher nur noch „gewinnmaximale“ Produkte mit hohem Kaufpotenzial in der personalisierten Werbung angeboten werden. Dadurch kann sich die Sicht der Konsumenten einschränken. Neue und günstigere Produkte verschwinden dann ganz aus deren Blickfeld. 

Seit Nov. 2022 ist durch die Einführung von ChatGPT der Firma OpenAI Künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde und aus unserem Lebensumfeld kaum noch wegzudenken. 

Wissenschaftler schreiben der Künstlichen Intelligenz (KI) eine Generaltechnologie zu, wie sie einst die Einführung des elektrischen Stroms darstellte. Ohne Elektrizität ist das Leben in Industrienationen heute nicht mehr denkbar. Dasselbe wird auch für die Künstliche Intelligenz (KI) vorausgesagt.

Bereits heute findet sich die Künstliche Intelligenz (KI) in sehr vielen Bereichen unseres Lebens wieder. Smartphones, Chatbots, Steuerungsanlagen, Haushaltsgeräten usw. Ein Beispiel stellt die Vernetzung einer Küchenmaschine mit dem Kühlschrank, dem Vorratsschrank und eines Fitnesstrackers mit Hilfe von KI-Assistenten dar. Die Küchenmaschine kann uns damit Rezepte vorschlagen, die aus vorhandenen (oder demnächst ablaufenden) Zutaten bestehen, unsere Vorlieben treffen und unserem gewünschten Fitnessgrad entsprechen. Es können Allergien und Unverträglichkeiten der gesamten Familie berücksichtigt, für eine gesunde schmackhafte Ernährung gesorgt und deutlich weniger Nahrungsmittel vernichtet werden. Die Firma Vorwerk scheint bereits konkrete Pläne in dieser Richtung zu verfolgen. 

In welchen Bereichen spielt die Künstliche Intelligenz (KI) bereits eine Rolle?
Mit Künstlicher Intelligenz (KI) können in wenigen Sekunden Texte, Bilder, Videos, Podcasts, Songs, Gedichte, Spiele, Reden, Präsentationen usw. erstellt werden. Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer nutzen hierbei immer häufiger die Künstliche Intelligenz (KI), da sie dadurch viel Zeit sparen können. Komplette Texte werden in Sprache oder gesprochene Worte in Texte oder Bilder übersetzt. Texte werden in Fremdsprachen übersetzt.Aber auch gesprochene Worte können künftig mittels KI-Simultandolmetscher direkt übersetzt werden. Erste Entwicklungen gibt es bereits. Müssen wir also in Zukunft noch Fremdsprachen lernen? Wie so oft ist die Antwort nicht einfach. In internationalen Geschäftsverhandlungen und im Auslandsurlaub scheint es relativ problemlos zu sein nicht über Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen. Allerdings muss man sich dann gänzlich auf die KI verlassen und darauf vertrauen, dass das, was ich sagen will, auch korrekt in die andere Sprache übersetzt wird. Problematisch wird es dann, wenn bestimmte Wörter Doppel- oder Mehrfachbedeutungen haben. Wie zum Beispiel der „Bogen“. Hierbei kann die Waffe, der Geigenbogen oder der Papierbogen gemeint sein. Können wir uns wirklich darauf verlassen, dass die Künstliche Intelligenz (KI) die richtige Bedeutung übersetzt? In der Schule ist es aus meiner Sicht unabdingbar, dass Schülerinnen und Schüler auch weiterhin Fremdsprachen und andere Dinge lernen, da das Lernen zu Verknüpfungen unserer Synapsen im Gehirn führt. Ohne diese bleiben wir dumm und können viele Themen gar nicht mehr verstehen und einordnen. Ganz zu schweigen von der reflektierenden Bewertung der KI-Antworten auf unsere Fragen. Der Nutzer der Künstlichen Intelligenz (KI) muss bei jedem Ergebnis seiner KI-Anforderung kritisch hinterfragen, ob das Ergebnis wirklich zur gestellten Aufgabe passt. Gleiches machen wir ganz automatisch, wenn wir den Taschenrechner eine komplizierte Berechnung ausführen lassen. Auch hier überschlagen wir das Ergebnis und prüfen, ob die Größenordnung einigermaßen passen kann.

Neben der Schule gibt es auch in vielen anderen Bereichen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für die Künstliche Intelligenz (KI). Zum Beispiel in der Medizin. Die Künstliche Intelligenz (KI) kann inzwischen präziser Tumore auf Röntgenbildern erkennen als viele Fachärzte. Was daran liegt, dass die KI auf Pixelebene bestimmte Ansammlungen von Unregelmäßigkeiten viel genauer erkennen kann als ein Mensch, der nur das Bild der Pixel sieht und über seine Augen diese Unregelmäßigkeiten erkennen und zuordnen muss. Es wäre allerdings töricht bei einer von der Künstlichen Intelligenz (KI) erkannten Gefahr sofort zur Therapie zu gehen. Wichtig ist hierbei, dass trotzdem ein Spezialist diese Infos bekommt und den Patienten entsprechend beraten kann.


Quelle: Lehrer der Gewerblichen Schule Backnang

Redaktion backnang.online

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