Modernisierung des Bahnhofs Backnang
Treppe zu den Bahnsteigen | © BJ. Lattner

Die Aufzüge könnten schon da sein

Kommentar von Klaus J. Loderer zur angekündigten Modernisierung des Bahnhofs Backnang

Es ist selten, dass ein Stadtoberhaupt bei einem Festakt kritische Töne anklingen lässt. Oberbürgermeister Maximilian Friedrich hat das beim symbolischen ersten Spatenstich für die Modernisierung des Backnanger Bahnhofs getan. Dabei war er sehr verhalten, eigentlich zu verhalten, wenn man die realen Zustände am Backnanger betrachtet.

Denn dass nun großartig zwei Aufzüge zu Bahnsteigen angekündigt werden, ist vor dem Hintergrund, dass diese beiden Aufzüge längst vorhanden sein könnten, doch irgendwie eine Farce. Die Stadtverwaltung hatte der Bahn angeboten, dass sie die beiden Aufzüge vom neuen Steg, der sogenannten Stadtbrücke, vorfinanzieren würden. Die Bahn hat abgelehnt. So wurde der Steg gebaut mit einem Aufzug bei der Stadthalle und einem Aufzug an der Oberen Bahnhofstraße – aber eben ohne die Aufzüge zu den Bahnsteigen.

Ob sich die verspätete Staatssekretärin aus dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg kritisch geäußert hätte, ist nicht bekannt, da ihr Grußwort wegen ihrer starken Verspätung ausfiel. In der Pressemitteilung der Bahn sind von ihr nur lobende Worte erwähnt.

Dass an einem Bahnknotenpunkt wie Backnang ein Bahnsteig überhaupt nicht barrierefrei erreichbar ist und ein anderer nur manchmal, wenn der Aufzug hoch und jener im Parkhaus runter funktioniert, zeigt eigentlich nur, dass sich die Bahn überhaupt nicht für Nutzer dieses Bahnhofs interessiert.

Dass in Backnang seit Jahren die Bahnsteighöhe und die Fußbodenhöhe der S-Bahnen nicht zusammenpasst, was älteren Menschen große Probleme bereitet, ist nur ein Problem. Wer es einmal erlebt, dass die S-Bahn außerplanmäßig an Gleis 2 oder Gleis 3 ankommt, kann sich dann überlegen, wie er von der S-Bahn abspringt. Der Fahrer des Zugs fühlt sich üblicherweise nicht zuständig, den Reisenden rauszuhelfen. Es ist für ältere Menschen schlichtweg völlig unmöglich, den Zug zu verlassen.

Der erste Spatenstich bedeutet übrigens nicht, dass nun sofort mit dem Bau begonnen wird. Das war ja nur ein symbolischer Spatenstich an einem eigens zu diesem Zweck aufgeschütteten Sandhaufen. Bis dann endlich der Bahnsteig der Gleise 4 und 5 auf die Höhe der S-Bahn angepasst ist, wird noch einige Zeit vergehen. Im Augenblick ist das nur eines der vielen Probleme der ÖPNV-Nutzer. Viel ärgerlicher sind gerade die stark verlängerten Fahrzeiten mit Teilstrecken in Bussen, weil es auf beiden Linien mal wieder keine direkte S-Bahn nach Stuttgart gibt. Insofern werden sowieso gerade nur eingefleischte Bahnfans sich das tägliche Abenteuer einer Bahnfahrt antun.

Klaus J. Loderer

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