Erster Spatenstich
Modernisierung des Bahnhofs Backnang soll beginnen
Die Bahn möchte in den Bahnhof Backnang investieren. Zehn Millionen Euro stehen im Raum. Hintergrund ist die Modernisierungsoffensive „Bahnhof der Zukunft“. Nun sollen die dringend benötigten Aufzüge gebaut werden, damit der Bahnhof Backnang endlich barrierefreie Zugänge zu allen Gleisen erhält. Denn bisher muss man gut zu Fuß sein, um alle Züge erreichen zu können.
Zum symbolischen ersten Spatenstich sind Vertreter der Politik aus Stadt, Kreis und Land geladen. Aber ein Spatenstich ist in dem fast völlig versiegelten Bahnhofsgelände gar nicht so einfach möglich. Also schaffen Arbeiter des Bauunternehmens Karl Köhler GmbH Sand herbei, damit ein Foto mit aktiven Politikern entstehen kann. Der an dieser Stelle nicht so ansehnliche Bahnhof wird durch eine dekorative Wand verdeckt.
Beim kleinen Festakt am 19. März betont Michael Groh, Leiter des Regionalbereichs Südwest der DB InfraGO AG und zuständig für Personenbahnhöfe den Anspruch „Mobilität für alle“. Er kündigt an: „Unsere Fahrgäste profitieren künftig von barrierefreien Zugängen, modernen Bahnsteiganlagen und einer attraktiven Ausstattung am Bahnhof Backnang.“ Die Arbeiten sollen mit dem Bau des Aufzugs zu den Gleisen 2 und 3 beginnen, 2007 soll der Ausbau des Mittelbahnsteigs folgen. Im nächsten Schritt erfolge dann der Bau des Aufzugs zu den Gleisen 4 und 5 und die Erhöhung des dortigen Bahnsteigs. Groh rechnet mit Kosten von etwa zehn Millionen Euro: „Bahn und Bund übernehmen davon etwa 5,8 Millionen Euro, das Land stellt rund 1,9 Millionen Euro bereit und die Stadt Backnang beteiligt sich mit etwa 2,3 Millionen Euro. Zudem übernimmt das Land voraussichtlich rund 500.000 Euro Wirtschaftlichkeitsausgleich für den Betrieb der Station durch die DB in den kommenden zwanzig Jahren.“ Backnang komme so in den Genuss von Mitteln in Höhe von etwa 460 Millionen Euro, mit denen im Rahmen der Bahnhofsmodernisierungsinitiativ „Bahnhof der Zukunft“ 51 Bahnhöfe in Baden-Württemberg ausgebaut werden sollen. Groh nannte auch die beteiligten: das Beratungsunternehmen Drees & Sommer und das Bauunternehmen Karl Köhler GmbH in Besigheim.
Zu den weiteren geplanten Maßnahmen am Backnanger Bahnhof gehören: Neue Sitzgelegenheiten, moderne Informationsvitrinen und weitere Ausstattungsdetails steigern künftig die Aufenthaltsqualität. Mit einer neuen Beleuchtungsanlage sorgt die Bahn für mehr Helligkeit und ein freundlicheres Ambiente. Ein neues Bahnsteigdach bietet zusätzlichen Wetterschutz, während die Personenunterführung ein frisches, zeitgemäßes Erscheinungsbild erhält. Anpassungen an den Treppenanlagen runden die Modernisierungsmaßnahmen ab. Langfristig soll auch das Empfangsgebäude saniert werden.
Kritische Töne des Oberbürgermeisters
Die Bedeutung des Backnanger Bahnhofs hebt Oberbürgermeister Maximilian Friedrich hervor, denn dieser sei nicht irgendein Bahnhof sondern ein bedeutender Schienenknotenpunkt: „Gerade für den angrenzenden ländlichen Raum hat unser Bahnhof eine wichtige Funktion als Tor zu gesamten Region Stuttgart und zu den dortigen Infrastruktureinrichtungen.“ Nicht zuletzt wegen der S-Bahn-Verbindung zum Flughafen habe das Thema Barrierefreiheit eine ganz besondere Bedeutung: „Denn wir alle wissen: Unzählige Fahrgäste mühen sich jeden Tag ab, mit schwerem Gepäck oder auch als Familie die Bahnsteige zu erreichen.“ Es folgen kritische Bemerkungen, darüber, dass der Weg zu einer Lösung sehr beschwerlich und mit vielen Vorschriften und mit manchem bürokratischen „Geht-nicht“ gespickt gewesen sei. Im Hinblick auf den derzeitigen Zustand des Eisenbahnsystems im Großraum Stuttgart wird OB Friedrich sogar noch schärfer: „Mit Blick von außen konnte man manchmal den Eindruck gewinnen, dass die Deutsche Bahn ihren eigentlichen Sinn und Zweck etwas aus den Augen verloren hat – nämlich Menschen und Güter sicher, komfortabel und pünktlich von A nach B zu befördern.“ Friedrich erwähnt auch, dass es die Stadtverwaltung ist, die oft den Ärger abbekommt, wenn etwas im Bahnhof nicht funktioniert: „Denn die Bürgerinnen und Bürger unterscheiden in der Regel nicht zwischen Bahn und Stadt – wenn Dächer undicht sind, wenn Müll auf den Bahnsteigen liegt oder wenn eben kein barrierefreier Zugang zu den Gleisen vorhanden ist – dann ist die Stadt der erste Ansprechpartner vor Ort. Und das, obwohl wir für vieles gar nicht verantwortlich sind.“
Im Hinblick auf die nun anstehenden Maßnahmen stimmt Oberbürgermeister Friedrich dann doch einen versöhnlichen Ton an. Er hebt auch hervor: „Damit der heutige Spatenstich überhaupt möglich wurde, hat die Stadt Backnang rund 7,5 Millionen Euro in den Bau der Stadtbrücke investiert, an der die Aufzüge angebunden werden.“ Er kann es sich nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass sich die Diskussion um einen barrierefreien Zugang immerhin seit dem Beginn des S-Bahnbetriebs im Jahr 1981 hinzieht.
Der Bahnhof soll einen positiven ersten Eindruck der Stadt vermitteln
Für die Zukunft wünscht sich der Oberbürgermeister: „Mit der in den kommenden Jahren anstehenden Transformation des Bahnhofs in eine mulitmodale Mobilitätsdrehscheibe soll der Bahnhof und sein Umfeld endlich die Funktionen wahrnehmen können, die in jedes Pflichtenheft eines modernen Bahnhofs gehören: Ein sicherer und angenehmer Ort zum Ankommen oder Umsteigen.“ Ganz wichtig sei, dass der Bahnhof einen ersten positiven Eindruck der Stadt vermittle: „Zu jeder Tages- und Nachtzeit und an allen Tagen im Jahr.“
Für den ersten Spatenstich stehen Spaten bereit. Michael Groh gibt das Kommando zum Sandwurf. Die angekündigte Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg Elke Zimmer erscheint stark verspätet schließlich doch noch. Für sie wird ein Spatenstichfoto wiederholt. Die Spaten mit an den Anlass erinnerndem Aufdruck dürfen die Damen und Herren übrigens mitnehmen. Anschließend räumen die Männer der Karl Köhler GmbH den Sandhaufen wieder weg.
Redaktion backnang.online