Friedhofskapelle
Auferstehung Christi, Fenster in der Friedhofskapelle auf dem Stadtfriedhof | © BJ. Lattner

Die heilige Woche

semana santa

So wird die Woche von Palmsonntag bis Ostern in der katholischen Kirche genannt, in Spanien: semana santa. Sie lädt ein, die letzten Tage Jesu mit zu gehen, sich hinein zu versetzen in das Leben Jesu und dabei nicht nur an das Leiden des Herrn zu denken, sondern auch an alles Leid, auch an Schuld auf der Welt. Die Passionsgeschichte ist der älteste Teil der Evangelien. Das war den ersten Christen wohl ganz besonders wichtig.

Liturgie ist Spiel, sagt der Wissenschaftler Pius Parsch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Liturgie will ein „Mitmachen”, ein „Hineinfühlen”.

Diese Woche beginnt mit dem Palmsonntag, dem Einzug Jesu nach Jerusalem, mit Erwartung, aber auch mit Enttäuschung: auf einem Esel, Grüne Zweige von den Bäumen. In der katholischen Liturgie werden deshalb grüne Zweige gesegnet, die südlichen Länder nehmen hierfür extra Ölzweige. Nach dem Evangelium zieht die Gemeinde in die Kirche ein. Dann schlägt plötzlich der Gottesdienst um, man hört die Leidensgeschichte , dieses Jahr nach Matthäus. Der Palmsonntag „kippt” quasi schon in die ganze Woche hinein, und vollzieht so die Plötzlichkeit von damals nach.

Am Gründonnerstag feiern wir das Abendmahl Jesu, und wieder kippt der Gottesdienst, die Orgel schweigt, es gibt keine Glocken mehr. Für die Franzosen „fliegen sie jetzt nach Rom”. Als Antwort auf das Evangelium wird Freiwillen die Füße gewaschen, die Deutung des Abendmahles nach dem Johannesevangelium. Dann gibt es am Ende keinen Segen, sondern die Ölbergszene wird gelesen. Dann folgen Gebetsstunden,zuerst ein Gebet der Jugend um 20:30 Uhr gegen 22:00 Uhr ein Taizegebet: Bleibet hier und wachet mit mir ...

Dann folgt der Karfreitag, der Todestag Jesu. Morgens begehen die Katholiken in der Christkönigskirche einen Familienkreuzweg. Nachmittags um 15.00 Uhr wird die Todesstunde Jesu gefeiert mit der Leidensgeschichte nach dem Johannesevangelium. Dann Folgt die Kreuzverehrung und der Gottesdienst endet wieder offen, ohne Lied, ohne Musik, ohne Segen. Abends bietet die katholische Kirche noch die Karmette an, das mitternächtliche Stundengebet der Mönche. Und dies hat zwei Besonderheiten: Zum einen wird die Lesung gesungen, die Klagelieder Jeremias, der erste Text, den die Urgemeinde nahm um mit dem Tod Jesu zurecht zu kommen. Dabei wir bei jedem Vers eine Kerze gelöscht. Aber eine Kerze bleibt übrig, quasi der Hoffnungsfunken, der später symbolisch die Osterkerze entzündet. Der zweite Text ist der Psalm 22, die älteste Deutung des Todes Jesu, die sich sogar zitiert in den Evangelien findet. Der Psalm schlägt im zweiten Drittel plötzlich um von einem in Agonie liegenden Kranken in ein Hoffnungsgebet, bei dem sogar künftige Generationen Gott für seine Taten loben.

Am Karsamstag ist zunächst Tag der Grabesruhe. Da sollen keine Gottesdienste stattfinden. Erst in der Nacht beginnt das Osterfest. Es beginnt am Osterfeuer, archaisches Symbol für Gott, man denke auch an den brennenden Dornbusch des Mose. Dort wird die Osterkerze entzündet und als einziges Licht in die dunkle Kirche getragen. Daran wird den gläubigen eine kleine Kerze entzündet, die an ihre Taufkerze erinnert. Dann folgen wichtige Lesungen des Alten Testaments, der Heilsgeschichte: die Schöpfung und die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens, schließlich der ein Stück aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. Dann folgt das Osterevangelium.- Eine Botschaft, die man im Grunde nicht fassen kann, dass das Leben Sünde, Tod, Leiden besiegt, in der Ostererfahrung etwa, dass das was Jesus verkündet und gelebt hat, trägt, dass die Liebe stärker ist, die größte Macht. Danach folgt die Tauffeier, oder Segnung des Taufwassers. Als letztes die Eucharistie. Licht, Wort, Wasser, Brot und Wein verkünden das Leben, die Osterbotschaft Jesu.

Am Sonntag gibt es einen Festgottesdienst, am Abend eine Vesper, das gesungene Osterabendlob der Kirche, bzw der Mönche und Nonnen.

Als letztes folgt der Ostermontag, mit dem Emausevangelium. Es gibt wieder den ökumenischen Emausgang von der der Kirche Waldrems in die Dorfkirche in Allmersbach im Tal , mit den wunderschönen Raphael Seitz Fenstern, die genau Emaus darstellen. Abends feiern wir in der katholischen Kirche noch eine Eucharistie: Denn es will Abend werden.

Quelle: Katholische Kirchengemeinde Backnang | Pfarrer Wolfgang Beck 

Redaktion backnang.online

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