Kreuzbandriss
Kreuzbandriss | © AOK

Knie in Gefahr

420 Kreuzbandrisse im Rems-Murr-Kreis

Ein kurzer, schmerzhafter Moment und schon ist es passiert: Durch eine starke Überlastung im Knie reißt ein Kreuzband. Meist sind sportlich aktive Menschen von dieser schwerwiegenden Verletzung betroffen.

Im Kniegelenk verlaufen zwei quer übereinanderliegende Kreuzbänder – eines vorne und eines hinten. Sie sorgen für Stabilität und verhindern ein unkontrolliertes Vor- und Zurückgleiten des Unterschenkels. Sie begrenzen zudem die Drehbewegung und tragen damit wesentlich zur sicheren Bewegung bei. Der Riss eines Kreuzbandes äußert sich häufig durch plötzlich auftretende Schmerzen im Knie. Viele Betroffene berichten von einem hörbaren Knacken.

Nach einer aktuellen Auswertung der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr ist die Zahl der der Kreuzbandrisse in den letzten fünf Jahren gestiegen: 2024 befanden sich 420 ihrer Versicherten aus dem Rems-Murr-Kreis aufgrund der Knieverletzung offiziell in ärztlicher Behandlung. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 0,24 Prozent. 2020 waren es lediglich 366 bzw. 0,22 Prozent. Im Durchschnitt hat sich die Zahl von Jahr zu Jahr um rund vier Prozent erhöht.

Die meisten Kreuzbandrisse entfielen 2024 im Landkreis auf die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen (56 Fälle), gefolgt von den 25- bis 29- (53 Fälle) und 20- bis 24-Jährigen (41 Fälle). Dahinter kamen mit 40 dokumentierten Fällen die Versicherten im Alter zwischen 55 und 59 Jahren.

„Am häufigsten ist das vordere Kreuzband von einem Riss betroffen. Dies macht den Großteil aller Kreuzbandverletzungen aus und tritt besonders häufig bei Sportarten wie Fußball, Basketball, Ski- oder Snowboardfahren auf. Typische Ursachen sind plötzliche Richtungswechsel, abruptes Abbremsen, Drehbewegungen oder das Landen nach einem Sprung“, erklärt Petra Dierich, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

Kurz nach Eintritt der Verletzung schwillt das Kniegelenk mitunter stark an und die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Das Knie scheint beim Gehen oder Belasten nachzugeben. Auch treten oft weitere Verletzungen im Knie auf, wie Schäden am Meniskus, Knorpel oder an anderen Bändern. Eine schwere Kombinationsverletzung ist die sogenannte „Unhappy Triad“. Hier sind neben dem vorderen Kreuzband auch das Innenband und der Innenmeniskus geschädigt. „Bleibt eine solche Verletzung unbehandelt oder besteht eine dauerhafte Instabilität, kann es langfristig zu weiteren Schäden im Gelenk kommen, insbesondere zu Knorpelverschleiß und Arthrose“, erklärt die Ärztin.

Für die genaue Diagnose erfolgt zunächst ein Gespräch über den Unfallhergang und eine körperliche Untersuchung des Knies. Spezielle Tests geben Hinweise auf die Schwere der Verletzung, die Beweglichkeit und die Stabilität des Gelenks. Zur sicheren Bestätigung werden bildgebende Verfahren eingesetzt, vor allem die Magnetresonanztomographie, mit der sich die Bänder und mögliche Begleitverletzungen genau darstellen lassen.

Welche Behandlung in Frage kommt, hängt sowohl vom Alter, der körperlichen Aktivität, dem Ausmaß der Verletzung und dem Stabilitätsgefühl des Patienten ab. Während bei jungen, sportlich aktiven Menschen häufig eine Operation empfohlen wird, kann bei weniger aktiven oder älteren Patienten sowie bei Teilrissen eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese besteht vorwiegend aus Physiotherapie, gezieltem Muskelaufbau und Koordinationstraining, um die Stabilität des Kniegelenks zu verbessern.

„Wie gut die Heilung verläuft, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem vom Ausmaß der Verletzung, von möglichen Begleitverletzungen und von der Mitarbeit des Patienten bei der Rehabilitation. In vielen Fällen kann die Funktion des Knies weitgehend wiederhergestellt werden. Dennoch besteht ein erhöhtes Risiko für langfristige Folgen wie erneute Instabilität, oder die Entwicklung einer Arthrose, insbesondere wenn das Gelenk nicht ausreichend stabilisiert wird“, so Petra Dierich. 

Quelle: AOK – Die Gesundheitskasse Ludwigsburg-Rems-Murr Pressestelle

Redaktion backnang.online

Zurück zur Übersicht