Waldbegehung mit Förster Paul Bek – „Vom Heute-Wald“ zum Zukunftswald
Der Kahlschlag lebt im Plattenwald weiter fort
Was erlebt man, wenn man sich von einem Revierförster bei einer Veranstaltung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald am 24. April 2026 im Backnanger Plattenwald den sogenannten Waldumbau erklären lässt? Unter dem Motto „Vom Heute-Wald“ zum Zukunftswald sollte aufgezeigt werden, wie eine nachhaltige Waldbewirtschaftung aussehen soll. Jedoch, was gut gemeint ist, ist nicht immer gut gemacht! Die Zauberformel zur Rettung des Waldes besteht laut Revierförster Paul Bek vor allem in der Pflanzung klimaresilienter Bäume, die den einst dort großen Nadelwaldbestand ersetzen sollen.
Doch die Nadelbäume sind in ihrer weit überwiegenden Mehrzahl schon längst gefällt worden, so dass sich nun der bestehende Mischwald eigentlich selbst entwickeln könnte. In Zeiten des Klimawandels stellt
der Mischwald jedoch nun vor allem als Wirtschaftswald die erste Wahl des sogenannten Waldumbaus mit allen seinen problematischen Folgen dar.
Doch mit welchen Mitteln und Methoden geschieht dies nun aktuell? Wurde bei der letzten „Waldbegehung“ am 5. Dezember 2025 noch ein symbolträchtiges und sehr sympathisch daherkommendes „Rückepferd“ vorgestellt, mit dessen Hilfe demonstriert wurde, wie Baumstämme in althergebrachter Weise aus dem Wald herausgezogen werden können, so ziehen sich nun mittlerweile kilometerlange Schneisen von „Rückegassen“ durch den Plattenwald.
Keine Spur mehr von dem naturverträglichen Rückepferd, stattdessen leisten riesige Holzerntemaschinen, die sogenannten Harvester, unter dem Slogan „Stetige Pflege des Waldes“ hier ganze Arbeit und hinterlassen Schneisen der Zerstörung.
Die überaus teure Anschaffung eines Harvesters muss sich eben lohnen! Hier kann auch ein infantil anmutendes „Waldfenster“ keinen versöhnlichen Eindruck mehr hinterlassen, zeigt es doch auf, wie mit unseren gemeinwohlorientierten öffentlichen Gütern und natürlichen Lebensgrundlagen gerade in den prekären Zeiten des Klimawandels umgegangen wird. Ebenso verhält es sich mit angeblich biologisch abbaubaren Wuchshüllen bei der Neupflanzung von gerodeten Waldflächen.
Es ist nun sehr erhellend, die Stimmen von Biologen oder Agrarwissenschaftlers zu solcherart Waldumbaumaßnahmen zu hören und diesen die Praxis von Forstwirten im Backnanger Plattenwald gegenüberzustellen, die in der Regel dem Bewirtschaftungszwang durch Holzverkauf unterliegen. „Die Wälder werden durch Forstwege zerschnitten, Maschinen verdichten die Böden und das zerstört den Wasserkreislauf der Wälder. Wir brauchen aber Waldböden, die das Wasser speichern und den Bäumen zur Verfügung stellen können,“ sagt Prof. Karl Auerswald von der Technischen Universität München (TUM). Stattdessen werden die Böden durch die Anlage von Drainagen entlang von Waldwegen entwässert.
Wird die Praxis der Naturzerstörung im Plattenwald jedoch in diesem Tempo weitergeführt, so wird sich leider auch hier bewahrheiten, dass aufgrund von Klimaschäden wie Trockenheit, Schädlingsbefall - aber auch vor allem durch forstwirtschaftliche Eingriffe wie großflächige Rodungen, der weiteren Bodenversiegelung- und verdichtung - sich der Plattenwald immer schneller von einer CO2-Senke zu einer Netto-CO2 Quelle entwickelt. Damit gibt er mehr Kohlenstoff ab, als er aufnehmen kann. Resultat ist ein sich immer schneller drehender Teufelskreis, der einmal in Gang gesetzt, schließlich in einen irreversiblen Verlust an Biodiversität mündet. Dem entgegenzuarbeiten wäre die eigentliche Pflichtaufgabe der Forstbehörden zum Schutz des Plattenwaldes. Die künstliche Anlage von kleinen Tümpeln als Ausgleichsmaßnahmen für die gravierenden Planungsfehler im Gewann der Pfaffenrinne können hier allenfalls als hilflose Versuche zur Korrektur jahrelanger Versäumnisse bezeichnet werden.
Redaktion backnang.online Andreas Brunold