Von Peeling und Perlenketten
Mädchenaktionstag im Jugendhaus Treffpunkt 44
Lebendig ist es am 8. Mai im Treffpunk 44. Kurz vor 13 Uhr ist auf der Erbstetter Straße einiges los. Viele Eltern liefern Mädchen ab, die zum „Mädchenaktionstag“ ins Jugendhaus kommen. Das bietet ein großes Programm mit allerhand Attraktionen. Gerade wird ein größeres Objekt einem Lieferwagen entladen und in den vorderen Raum getragen. Es handelt sich um eine Station, an der man hölzerne Schlüsselanhänger gestalten kann. Wurde früher das Holz mit einem Brennstab traktiert macht das heute ein Laser. Im hinteren Saal sind die Tische umlagert mit Mädchen, die zum Beispiel Ketten aus bunten Perlen basteln. An einem anderen Tisch entstehen Motivsticker. Viele Angebote haben etwas mit Verschönerung zu tun. Einige Mädchen benötigen noch ein Geschenk zum anstehenden Muttertag. Auch dafür gibt es einen Workshop. Peeling für Mutters Hände ist das Zauberwort. Dafür rühren die Mädchen in einer Schale die Peelingmasse an. Mit hübschem Papier und farbigen Bändern zum Verpacken entsteht so das Mitbringsel. An jedem Tisch berät eine „Fachfrau“, was zu tun ist.
Regine Wüllenweber, Sozial- und Kulturdezernentin der Stadtverwaltung Backnang, schaut an diesem Freitagnachmittag auch vorbei und ist sehr angetan vom regen Treiben im Haus. Sie erzählt, was es mit der Veranstaltung auf sich hat: „Der Mädchenaktionstag richtet sich speziell an Mädchen ab der dritten Klasse. Dieser Tag ist die Auftaktveranstaltung zu einer Reihe von mehreren Veranstaltungsreihen. Es geht darum, dass Jugendarbeit wirkt. Durchgeführt wird der Mädchenaktionstag in Zusammenarbeit mehrerer Akteure, die in dem Bereich der Jugendarbeit aktiv sind: Das ist die offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt, da ist die mobile Jugendarbeit beim Verein Kinder- und Jugendhilfe, es ist der Jugendmigrationsdienst da, es sind aber auch Vertreter der Schulsozialarbeit da. Es soll heute einfach ein Tag sein, an dem die Mädels ihre Selbstwirksamkeit erleben können, Spaß haben und Freunde treffen. Der Mädchenaktionstag soll aber auch eben ein Zeichen sein, wie wichtig es ist, offene Angebote auch in der Zukunft zu haben.
Oliver Schayna vom Jugendreferat und Mitarbeiter im Treffpunkt 44 ergänzt: „Der Mädchenaktionstag ist ja auch schon ein Riesenerfolg gewesen. Die letzten Jahre nach Corona ist die Teilnahme etwas abgeflacht – da hatten wir mal einen Mädchenaktionstag, da waren glaube ich nur 30 Mädchen hier. Für die war es natürlich toll, vom Aufwand her war es für uns dann zu wenig. Aber letztes und vorletztes Jahr war der Mädchenaktionstag ein Riesenerfolg. Letztes Jahr hatten wir knapp 200 Mädels im Haus und das Haus ist aus allen Nähten geplatzt. Alle hatten Spaß und es war ein richtig toller, erfolgreicher Tag für uns.“
Zum Angebot gehört auch eines gegen den Hunger. Deshalb grillt Sina Jamshidi im Außenbereich Würstchen. Oliver Schayna kommentiert das: „Wir haben heute Würstchen auf dem Grill und wir haben haufenweise Waffeln. Wir haben gestern schon in großen Mengen Waffelteig vorbereitet. Ich glaube, jeder kann auch zwei oder drei Waffeln essen und wird satt nach Hause gehen.“ Der Waffelduft zieht schon aromatisch durch das Haus.
Ein schönes Muttertagsgeschenk
Ronja Weller von der mobilen Jugendarbeit erläutert das Programmangebot: „Wir haben natürlich viele Aktionen. Es wird viel gebastelt. Man kann heute auch noch etwas finden, wenn man noch kein Muttertagsgeschenk hat, und sozusagen ein Wellness-Angebot gestalten. Viel Sachen sind zum Basteln, aber es geht tatsächlich auch darum, dass die Mädchen Gemeinschaft erleben und auch mal reinzuschnuppern in die Angebote des Jugendhauses und wiederzukommen, wenn sie eh schon angebunden sind in den Bereichen.
Oliver Schayna ergänzt: „Das erhoffen wir uns auch. Im Treffpunkt 44 findet immer freitags ein offenes Angebot nur für Mädchen statt, der Mädchentreff. Der ist immer von 13 bis 15 Uhr und da werden wir in den nächsten Wochen sicher sehen, dass einige der Mädchen, die erstmals zum Mädchenaktionstag ins Haus gekommen sind, wiederkommen.“
Ines Oesterle, die als Koordinatorin der Schulsozialarbeit tätig ist, hebt die Bedeutung dieses Bereichs hervor, denn einige Schulsozialarbeiterinnen sind in das Programm eingebunden: „Die Schulsozialarbeiterinnen unterstützen den Mädchenaktionstag nicht nur beim Ablauf, sie haben auch ihre Schülerinnen mitgebracht. Der Haar-Stand wird zum Beispiel von Schülerinnen der Mörike-Gemeinschaftsschule gemacht. Sie hatten am Vormittag noch eine Deutschprüfung und machen jetzt den Stand.“ Ines Österle wünscht sich, dass das Jugendhaus gut wahrgenommen wird als toller Ort auch für Mädchen. Denn Jugendhäuser werden traditionell eher von Jungen besucht.
Angebote für Mädchen
Regine Wüllenweber erläutert: „In der komplett offenen Kinder- und Jugendarbeit ist es tatsächlich so, dass man immer wieder auch spezielle Angebote für Mädchen macht, eben auch, damit diese sich trauen, in die offene Kinder- und Jugendarbeit zu gehen. Aber es gibt auch immer wieder spezielle Angebote für Jungs, bei denen man vielleicht auch mal über Gefühle sprechen kann. Aber traditionell muss man in der offenen Kinder- und Jugendarbeit schon spezielle Angebote, einen geschützten Raum schaffen, damit eben auch Mädchen den ersten Schritt wagen und dann vielleicht auch mal das ein oder andere Mal in den offenen Bereich gehen. Auch im offenen Bereich gibt es im Jugendhaus verschiedene Räume, dass man auch sich zurückziehen kann und sich verschiedene Gruppen zusammentun können.
Oliver Schayna ist es ein großes Anliegen, dass auch mit Aktionen die offene Kinder- und Jugendarbeit und die Sozialarbeit an den Schulen ergänzt wird: „Da kann man dann auch mit Problemen zu uns kommen und Unterstützung finden. Wenn eine Frage auftaucht oder Hilfe benötigt wird bei einer Bewerbung. Im Jugendhaus kann man dann Ansprechpartner finden, die einem dann helfen, wenn das Elternhaus überfordert ist.“
Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer