Gedenkfeier für Sophie Scholl und Friedrich von Schiller
Gedenkfeier für Sophie Scholl und Friedrich von Schiller | © BJ. Lattner

Gedenkfeier für Sophie Scholl und Friedrich von Schiller

Stefan Setzer: „Das Sophie-Scholl-Denkmal erinnert daran, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist“

Der 9. Mai ist der Todestag des Dichters Friedrich von Schiller. 1759 wurde er in Marbach am Neckar geboren, 1805 starb er in Weimar. Der 9. Mai ist auch der Geburtstag Sophie Scholls. Sie wurde 1921 in Forchtenberg geboren. 1943 wurde sie in München hingerichtet. Auf dem Backnanger Schillerplatz stehen die Denkmäler für beide nebeneinander. Im Zentrum steht die Büste des Dichters, in einer der Spitzen des dreieckigen Platzes das „Leucht-Zeichen“ für Sophie Scholl. Letzteres bot am 9. Mai 2026 den Rahmen einer Gedenkfeier für den Dichter und die Freiheitskämpferin.

Bei der von Nicolas Häusler mit Gesang eingeleiteten Feier begrüßte Ernst Hövelborn für den Arbeitskreis Erinnern und Gedenken im Heimat- und Kunstverein die Gäste. Ein Grußwort sprach der Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger, die geistlichen Worte kamen vom evangelischen Dekan Rainer Köpf.

Backnangs Erster Bürgermeister Stefan Setzer
Backnangs Erster Bürgermeister Stefan Setzer | © BJ. Lattner

 

Backnangs Erster Bürgermeister Stefan Setzer hob die Gemeinsamkeiten zwischen Schiller und Scholl hervor, beides Verfechter von Freiheit, Würde und Aufklärung: „Schillers Gedanken über die Freiheit des Menschen und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft verbinden sich auf bemerkenswerte Weise mit dem Vermächtnis Sophie Scholls.“ Setzer hob hervor: „Dass wir heute an diesem Ort zusammenkommen, ist weit mehr als ein bloßes Erinnern an zeitgeschichtlich herausragende Persönlichkeiten. Es ist ein bewusstes Zeichen für Freiheit, Verantwortung und Menschlichkeit – Werte, die uns als Gesellschaft tragen und die immer wieder neu verteidigt werden müssen.“ Setzer würdige Sophie Scholl als eine Persönlichkeit, die für moralischen Mut stehe: 

Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger
Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger | © BJ. Lattner

 

„Gemeinsam mit den Mitgliedern der „Weißen Rose“ widersetzte sie sich einem verbrecherischen Regime – nicht mit Gewalt, sondern mit Worten, Haltung und Gewissen. Sie war jung, sie wusste um die Gefahr, und dennoch schwieg sie nicht. Gerade darin liegt die Größe ihres Handelns. Ihre eindringlichen Worte: „Einer muss ja doch mal schließlich damit anfangen“ haben bis heute nichts von ihrer Kraft verloren. Sie erinnern uns daran, dass Demokratie nicht allein von Institutionen lebt, sondern vom Mut der Menschen, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu zeigen.“

Setzer ging in seiner Rede auch auf die Gestaltung des Denkmals für Sophie Scholl ein: „Von besonderer Bedeutung ist dabei auch dieser Ort selbst. Das Sophie-Scholl-Denkmal am Schillerplatz wurde bewusst als „Leuchtzeichen“ gestaltet. Es schafft mitten in unserer Stadt einen Ort des Erinnerns und der Begegnung. Die Gestaltung greift Motive der „Weißen Rose“ auf, ohne dabei plakativ oder oberflächlich zu sein. Die offenen Formen und Sitzgelegenheiten laden die Menschen in ihrem Alltag dazu ein, innezuhalten und sich mit den Fragen von Freiheit, Verantwortung und Menschlichkeit auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht die Stele, die bewusst als Zeichen des Gedenkens und der Hoffnung verstanden werden kann. Dort findet sich auch ein Satz Sophie Scholls, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat: „Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben.“ Dieser Gedanke verbindet Entschlossenheit mit Menschlichkeit – und beschreibt damit eindrucksvoll die Haltung Sophie Scholls.“

Dass es in Backnang ein solches Denkmal gibt, hat nach Setzer auch einen biographischen Bezug: „Sophie Scholl war durch Verwandte und persönliche Beziehungen mit unserer Stadt verbunden. Hier lebten ihr Onkel Fritz Müller sowie ihre enge Freundin Lisa Remppis. Dadurch erhält das Erinnern hier vor Ort eine persönliche Nähe und eine besondere Bedeutung!“

Dekan Rainer Köpf
Dekan Rainer Köpf | © BJ. Lattner

 

Für die Initiierung und Aufstellung des Denkmals dankte der Erste Bürgermeister dem Arbeitskreis Erinnern und Gestalten im Heimat- und Kunstverein Backnang. Es ist für Setzer der „Ausdruck einer funktionierenden Zivilgesellschaft in unserer Stadt, die nicht darauf wartet das „Andere“ – gemeint ist oft pauschal „der Staat“ oder „die Stadt“ – das Notwendige tut, sondern die selbst initiativ wird.“
Stefan Setzer ging auch auf die Gegenwart ein: „Gerade in einer Zeit, in der demokratische Grundwerte wieder unter Druck geraten, in der gesellschaftliche Debatten oftmals hart und unversöhnlich geführt und extremistische Positionen wieder sichtbarer und lauter werden, braucht es Orte des Erinnerns wie diesen. Orte, die uns mahnen, aber auch ermutigen und in die Stadt leuchten. Das Sophie-Scholl-Denkmal ist ein solches Leuchtzeichen. Es erinnert uns daran, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist. Dass Demokratie Aufmerksamkeit, Mitwirkung und auch persönlichen Mut verlangt. Dabei geht es nicht nur um den Blick zurück. Die Frage lautet nicht allein: „Was ist damals geschehen?“ Sondern auch: „Was bedeutet das für uns heute und morgen?“ Sophie Scholl und die Weiße Rose haben gezeigt, dass Menschlichkeit selbst in dunkelsten Zeiten möglich bleibt. Dass Gewissen stärker sein kann als Angst. 

Und dass einzelne Stimmen etwas bewegen können.“

Redaktion backnang.online Klaus J. Loderer

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