Hilfe für Menschen in psychischen Krisen – ein Erfolgsmodell mit landesweiter Strahlkraft
Zehn Jahre Krisen-, Klärungs- und Vermittlungsdienst (KKV) im Rems-Murr-Kreis
Der Krisen-, Klärungs- und Vermittlungsdienst (KKV) des Gesundheitsamtes im Rems-Murr-Kreis feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Was 2016 als dreijähriges Pilotprojekt begann, hat sich zu einem unverzichtbaren Baustein der psychiatrischen Versorgung im Landkreis entwickelt – und dient mittlerweile als Vorbild für weitere Krisendienste in Baden-Württemberg. Dieses Jubiläum wurde nun am Rande des Sozialausschusses des Kreistags begangen.
Landrat Dr. Richard Sigel dankte den Mitarbeitenden des Gesundheitsamts und der freien Träger für ihren wertvollen Einsatz: „Der KKV gibt ganz konkrete Hilfestellung und begleitet Menschen in absoluten Ausnahmesituationen. Immer wieder werde ich vor Ort in den Kommunen darauf lobend angesprochen, denn: Diese Hilfe wird gebraucht und kommt an. Deshalb haben wir diese Freiwilligkeitsleistung auch angesichts der Haushaltskonsolidierung nicht auf den Prüfstand gestellt. Besonders freut mich, dass wir mit unserem Erfolgsmodell landesweit ein Vorreiter sind.“
Hilfe für Menschen in psychischen Krisen
Der KKV ist ein vom Rems-Murr-Kreis getragener Krisendienst, der in enger Kooperation mit dem Kreisdiakonieverband Rems-Murr und der Caritas Ludwigsburg -Waiblingen-Enz angeboten wird. Er wendet sich an psychisch erkrankte Menschen, die sich in einer akuten Krisensituation befinden und nicht in der Lage sind, sich selbstständig Hilfe zu organisieren. Die Fachkräfte des KKV nehmen aktiv Kontakt zu den Betroffenen auf, klären die Situation vor Ort und vermitteln passgenaue Unterstützungsangebote, soweit dies gewollt ist.
Wie alles begann
Den Anstoß gaben die Städte und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises. Über Jahre hinweg waren die Kommunalverwaltungen von besorgten Nachbarn, Vermietern und Angehörigen kontaktiert worden – etwa wegen psychisch auffälligen Verhaltens, Verwahrlosungstendenzen, nächtlichen Lärms oder einer befürchteten Eigen- oder Fremdgefährdung. Den Kommunen fehlte jedoch die fachliche Expertise im psychiatrischen und sozialpädagogischen Bereich, um angemessen reagieren zu können.
2012/13 wurde ein Runder Tisch im Rahmen der Psychiatrieplanung eingerichtet, aus dem schließlich das Konzept des KKV hervorging – der erste Dienst dieser Art in Baden-Württemberg. Nach der Beschlussfassung im Sozialausschuss im Mai 2015 nahm der KKV am 1. August 2016 seine Arbeit auf. Der Dienst etablierte sich rasch als verlässlicher Kooperationspartner der Kommunen und wurde bereits 2018 dauerhaft verankert.
Wachsende Nachfrage und landesweite Beachtung
Die Anfragezahlen stiegen kontinuierlich an: Im Jahr 2024 erreichte der KKV mit 312 Anfragen einen Höchststand, 2025 waren es 298. Längst wenden sich nicht mehr nur Ordnungsämter und Polizei an den Dienst, sondern auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, besorgte Nachbarn und weitere Bezugspersonen.
Die erfolgreiche Arbeit des KKV zog 2020 die Aufmerksamkeit des Sozialministeriums Baden-Württemberg auf sich. Der damalige Sozialminister informierte sich 2021 bei einem persönlichen Besuch im Rems-Murr-Kreis über das Konzept und war sehr davon überzeugt. Mittlerweile gibt es vergleichbare Krisendienste in anderen Landkreisen.
Herausforderungen bleiben
Trotz des Erfolgs steht der KKV vor wachsenden Herausforderungen: Die Zahl psychisch erkrankter Personen steigt, gleichzeitig erschweren der Fachkräftemangel, fehlende Wohn- und Betreuungsplätze, unzureichende Angebote für über 65-Jährige sowie langwierige Antragsverfahren die Weitervermittlung der Betroffenen. In der Folge muss der KKV die Menschen häufig länger begleiten als konzeptionell vorgesehen.
Kontaktmöglichkeiten zum KKV
Montag – Freitag 8:30 Uhr – 12:00 Uhr | Montag – Donnerstag 13:30 Uhr – 15:30 Uhr
Zentrale Rufnummer: 07151 501 1608 | Mobil 0176 10 880 770
E- Mail:
Quelle: Landratsamts Rems-Murr-Kreis
Redaktion backnang.online