backnang.online im Gespräch mit Bürgermeisterin Patrizia Rall Allmersbach i. T.
Bürgernähe | Projekte | Kommunalfinanzen
backnang.online:
Frau Rall, Sie wurden im Jahr 2021 mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt. Das war ein starkes Signal der Bürgerinnen und Bürger. Wie blicken Sie heute auf dieses Ergebnis zurück?
Patrizia Rall:
Das war natürlich ein unglaublich spannendes und tolles Ergebnis. Gleichzeitig bedeutete es für mich aber auch eine Menge Vorschusslorbeeren und ein großes Vertrauen, das mir von der Bürgerschaft entgegengebracht wurde. Das prägt meine Arbeit bis heute.
backnang.online:
Man merkt im Alltag deutlich, dass Sie sich sehr für die Menschen vor Ort einsetzen. Was ist denn Ihr persönliches Highlight bei Ihrer täglichen Arbeit?
Patrizia Rall:
Mein alltägliches Highlight ist tatsächlich der direkte, persönliche Kontakt. Wenn ich im Ort unterwegs bin und die Leute mich einfach ansprechen. Es ist wunderschön, wenn Vorschulkinder, die mal bei mir im Rathaus zu Besuch waren, im Vorbeilaufen fröhlich „Hallo Frau Rall!“ rufen. Diese Nahbarkeit und der Austausch – egal ob mit den Jüngsten im Kindergarten oder mit den Seniorinnen und Senioren beim Seniorennachmittag – das ist es, was mir am meisten Freude macht.
backnang.online:
Allmersbach im Tal hat als Arbeitgeber. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen aktuell zur Verwaltung und den kommunalen Betrieben?
Patrizia Rall:
Insgesamt bewegen wir uns immer knapp unter 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – meistens sind es so zwischen 92 und 97 Beschäftigte. Da zählen dann aber auch wirklich alle dazu – vom Rathaus über den Bauhof, die Reinigungskräfte und das Schulsekretariat bis hin zu den Kindergärten.
backnang.online:
Zum Thema Kindergärten – wie schwierig es für die Gemeinde Allmersbach Fachpersonal für Kindereinrichtungen zu finden. Wie sieht die Planung in den nächsten Jahren aus?
Patrizia Rall:
Wir planen aktuell ganz konkret einen neuen, dreigruppigen Kindergarten. Dafür wird das alte Pfarrhaus in Allmersbach im Tal saniert, umgebaut und mit einem Erweiterungsbau versehen. Was das Fachpersonal angeht, befinden wir uns erfreulicherweise in einer etwas besseren Ausgangslage als noch vor einigen Jahr. Da viele Kommunen derzeit Plätze abbauen, ist der Stellenmarkt etwas entspannter. Noch vor wenigen Monaten mussten wir Ausschreibungen teilweise mehrfach schalten und haben kaum Rückmeldungen bekommen. Inzwischen erhalten wir sogar wieder Initiativbewerbungen für den Kindergartenbereich. Das ist eine sehr positive Entwicklung.
backnang.online:
Wenn Sie auf Ihre verbleibende Amtszeit bis zur nächsten Wahl blicken: Welche großen Ziele und Projekte stehen noch auf Ihrer Agenda?
Patrizia Rall:
Neben dem Kindergarten-Neubau werden wir uns im nächsten Jahr intensiv mit der Sanierung und dem Erweiterungsbau des Feuerwehrgerätehauses beschäftigen. Ein weiteres großes Thema ist das Sanierungsgebiet in Heutensbach. Als kommunale Maßnahme packen wir dort die Sanierung des alten Rathauses an und wollen auch den Vorplatz komplett neu gestalten, wofür wir gerade Förderanträge stellen. Dazu kommen die Dauerbrenner: Der Klimaschutz – hierzu hatten wir erst im Mai den aktuellen Sachstandsbericht auf dem Tisch – und natürlich die Baulandentwicklung. Hier setzen wir sowohl auf Innenverdichtung als auch auf die Schaffung neuer Wohngebiete.
backnang.online:
Sie bieten die Bürgersprechstunde nicht nur klassisch im Rathaus, sondern auch direkt vor Ort an. Wie läuft das ab?
Patrizia Rall:
Einmal im Quartal gibt es eine feste Sprechstunde in Allmersbach und eine in Heutensbach. Die Bürgerinnen und Bürger können sich mit ihren Anliegen anmelden, damit wir uns im Vorfeld gegebenenfalls schon vorbereiten können. Die Palette der Themen ist riesig: Das reicht von baulichen Angelegenheiten über Anliegen des DRK bis hin zu ganz persönlichen Problemen oder Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zusätzlich nutze ich Events für das Format „Bürgermeisterin vor Ort“. Am 17. Mai 2026 waren wir beispielsweise mit einem Stand beim Fest am SportErlebnisPark. Das ist ein wunderbar niederschwelliges Angebot. Die Bürgerinnen und Bürger müssen keinen Termin vereinbaren. Sondern können mich einfach direkt ansprechen und ihr Anliegen loswerden wollen.
backnang.online:
Lassen Sie uns über die Finanzen sprechen – Kommunen finanzieren sich überwiegend über die Gewerbesteuer. Wie steht es um die Allmersbacher Finanzen?
Patrizia Rall:
Wir haben unseren Haushalt im Februar eingebracht und müssen ehrlich sagen: Wir haben ein relativ hohes Defizit im Haushalt. Den vom Gesetzgeber geforderten Haushaltsausgleich können wir aktuell nicht bewerkstelligen. Das ist allerdings kein reines Allmersbacher Problem, das zieht sich momentan durch ganz Baden-Württemberg und die gesamte Bundesrepublik. Meiner Überzeugung nach haben wir kein Einnahmen sondern ein massives Ausgabenproblem. Die Kosten im Tiefbau und für Bauleistungen sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Gleichzeitig werden uns vom Bund und Land immer mehr Aufgaben auferlegt, ohne dass die Finanzierung dafür gesichert ist. Der kommunale Spielraum für eigene, freiwillige Vorhaben wird dadurch immer kleiner.
backnang.online:
Der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler in Allmersbach ist die Firma Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit einem Global Player vor der eigenen Haustür?
Patrizia Rall:
Wir stehen in einem sehr engen und intensiven Austausch mit den verschiedenen Führungspersonen des Unternehmens, sei es bei alltäglichen Fragen oder bei der zukünftigen Entwicklung hier am Standort. Wir sind unglaublich dankbar, dass die Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH so heimatverbunden ist und seinen Hauptsitz nach wie vor bei uns in Allmersbach hat.
backnang.online:
Sie kümmern sich aber nicht nur um die ganz Großen, sondern haben im vergangenen Jahr auch ein neues Netzwerk ins Leben gerufen.
Patrizia Rall:
Richtig, im letzten Herbst haben wir als Kommune erstmals das „Unternehmensnetzwerk“ gestartet, zusammen mit der IHK Rems-Murr-Kreis und dem Kreiswirtschaftsförderer Dr. Timo John. Das soll eine Plattform sein, auf der sich unsere mittelständischen Betriebe, Handwerker und Einzelunternehmer untereinander vernetzen und den direkten Draht zur Verwaltung halten können. Die Resonanz war so positiv, dass wir uns auf zwei Termine pro Jahr – im Frühjahr und im Herbst – geeinigt haben. Bei der letzten Veranstaltung im Frühjahr hatten wir beispielsweise einen Impulsvortrag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI), was die Unternehmen aktuell stark beschäftigt. Wir wollen damit zeigen: Wir sind für alle Betriebe im Ort ansprechbar und unterstützen, wo wir können.
backnang.online:
Bevor Sie nach Allmersbach kamen, haben Sie Public Management in Kehl studiert und danach Ihre erste Stelle in Göppingen angetreten. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Patrizia Rall:
Ich war damals zweieinhalb Jahre als Referentin des dortigen Oberbürgermeisters Guido Till tätig. Für mich war das eine wahnsinnig intensive und spannende Zeit in einer großen Kreisstadt mit 60.000 Einwohnern. Ich habe dort unheimlich viel gelernt – vor allem dieses politische Gespür dafür, welche Themen brisant sind und wo Diskussionsbedarf besteht. Ich möchte diese Zeit nicht missen und freue mich sehr, dass der Kontakt zu meinem ehemaligen Chef und den Kolleginnen von damals bis heute hält.
backnang.online:
Wenn man von Allmersbach in Richtung Backnang blickt: Wie fühlt man sich als kleinere Gemeinde direkt neben der großen Kreisstadt?
Patrizia Rall:
Wir sind eine stolze, eigenständige Kommune. Für die Dinge des täglichen Bedarfs sind wir bestens aufgestellt. Wir haben Bäcker, Metzger, einen Supermarkt, Ärzte, Apotheke und eine Poststadion im Ort. Aber natürlich sind wir sehr dankbar für die direkte Nähe zu Backnang, wenn es um den S-Bahn-Anschluss oder den erweiterten Einzelhandel geht. Gleichzeitig funktioniert die Zusammenarbeit hier im Weissacher Tal hervorragend. Zusammen mit Weissach, Auenwald und Althütte lösen wir viele Aufgaben in gemeinsamen Zweckverbänden. Im Verbund ist man einfach stärker, als wenn jeder alles für sich allein machen will.
backnang.online:
Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass Sie nicht in Allmersbach, sondern in Rudersberg wohnen. Stimmt das?
Patrizia Rall:
Nein, das hat sich erledigt! Zu Zeiten meiner Wahlkampfs habe ich noch in Rudersberg gewohnt. Aber ich bin inzwischen seit fast zwei Jahren stolze Allmersbacherin. Ich habe hier ein tolles Umfeld vorgefunden und fühle mich pudelwohl. Es ist einfach klasse, wenn man zu Fuß ins Rathaus laufen oder mit dem Fahrrad zu Veranstaltungen im Ort fahren kann.
backnang.online:
Frau Rall, was möchten Sie den Bürgerinnen und Bürgern für die Zukunft mit auf den Weg geben?
Patrizia Rall:
Dass wir trotz aller aktuellen Krisen und Herausforderungen positiv in die Zukunft blicken. Wir neigen dazu, nur das Negative zu sehen. Ich wünsche mir, dass wir das Schöne in unserem Leben unsere tolle Region und die wunderbaren Menschen um uns herum – wieder viel bewusster wahrnehmen und wertschätzen.
backnang.online:
Frau Bürgermeisterin, vielen Dank für das sympathische Gespräch!
Patrizia Rall: Ich danke Ihnen!
Zur Webseite von Allmersbach i. T.
Redaktion backnang.online | BJ. Lattner