Die Schafskälte und die Schafschur
Schafschur bei den Schafen von Jochen Bacher vom Käsbühlhof
Jedes Jahr im Juni gibt es in Mitteleuropa die sogenannte „Schafskälte“, die wie z.B. die „Eisheiligen“ im Mai zu den „Lostagen“ gehört. Lostage sind Tage, an welchen schon seit sehr langer Zeit regelmäßig auftretende Wetterphänomene beobachtet wurden bzw. werden. Viele Bauernregeln drehen sich darum. Die Lostage waren besonders für die Land- und Viehwirtschaft bedeutsam.
Kalendarisch sind diese Tage nicht unbedingt vorhersagbar. Es handelt sich dabei um einen sogenannten „Wetterregelfall“, bei dem aus der Polarregion typischerweise zu dieser Zeit kältere Luft in unsere Gefilde einströmt, wenn die Strömung im Juni auf Nord oder Nordwest dreht und dadurch feuchte Kaltluft nach Mitteleuropa geführt wird.
Der Begriff „Schafskälte“ rührt daher, da traditionell häufig im Juni, vor allem hier in unserer Gegend, die Schafe geschoren werden. Und weil sie dann mehr oder weniger „nackt“ sind, sind sie natürlich kälteren Temperaturen gegenüber empfindlicher. Das erklärt logischerweise den Begriff „Schafskälte“.
Doch nicht ohne Grund findet die Schafschur bei den Schafen von Jochen Bacher im Juni statt: Das Lammen ist vorbei und der Sommer mit seinen höheren Temperaturen steht bevor. Nach einem Jahr werden die Schafe von ihrer mittlerweile dicken Schafwolle befreit, mit der sie im Sommer viel mehr schwitzen würden.
Am 2. Juni 2026 fand bei den Schafen von Jochen Bacher vom Käsbühlhof aus Wattenweiler (Weissach i.T.) die diesjährige Schafschur statt. Die beginnt am frühen Morgen und endet am Abend. Dafür sind viele Helfer nötig. In diesem Fall sind es die drei sehr engagierten, unermüdlichen und tatkräftigen Mitarbeiterinnen von Jochen Bacher Adina Häsike, Hannah Haußmann und Sarah Philipp sowie einige freiwillige Helfer.
Und natürlich braucht es dazu auch erfahrene Berufs-Schafscherer. Da Bacher mehrere hundert Schafe zum Scheren hat – eine Mutterschafherde und eine Herde von Böcken – werden sogar zwei Scherer benötigt, so dass alles an einem Tag vonstatten gehen kann.
Da die Scherer dafür sehr schnell arbeiten, ist es wichtig, dass die Schafe gleich bereitstehen. Deshalb warten sie sozusagen in einem „Laufgang“, der aus hölzernen Zäunen, sogenannten „Hurden“, besteht, auf ihren „Friseurtermin“ und die Befreiung von ihrer dicken Wolle. Die Lämmer, die noch zu kurzes Fell haben, werden dabei durch eine Seitentür in einen extra Zwischenpferch geleitet, bis ihre Mütter geschoren sind.
Die Arbeit der Scherer ist wahrlich Handwerk und eine Kunst. Die Scherer arbeiten hochprofessionell und achtsam mit einer speziellen Technik, dass die Schafe ruhig „sitzen“ bleiben und sich nicht ungünstig drehen und dass die relativ dünne Haut der Schafe unter der Wolle nicht verletzt wird. Die beiden Scherer Christian Zill und Felix Riedel sind sehr erfahren. Sie arbeiten routiniert und ruhig – trotz aller beeindruckenden Schnelligkeit und einer stetig gebückten Haltung.
Nachdem die Wolle geschoren ist, muss das Vlies – so nennt man die Wolle, die am Stück vom Schaf geschoren wird – geprüft und sortiert werden: Verunreinigungen durch zum Beispiel Schafskot werden aussortiert. Anschließend wird die Wolle in Säcke gestopft.
Wenn die ganze „Prozedur“ vorbei ist, geht es noch ans Aufräumen.
Schafschur ist für alle Beteiligten harte Arbeit voller Konzentration mit vollem Körpereinsatz.
Nach so einem Tag sind alle geschafft, aber auch froh, dass alles reibungslos und gut verlief.
Über die Schafe:
Jochen Bacher hält vor allem die alte, vom Aussterben bedrohte Schafrasse Coburger Fuchsschaf mit ihren braunen Köpfen und Beinen und den dunkelbraunen Lämmern, wenn sie noch ganz klein sind. Zum ersten Mal sind auch einige Gefleckte Bergschafe dabei, die meist schwarz-weiß geschecktes Fell haben, etwas größer sind und auch tiefere Stimmen haben.
Käsbühlhof | Jochen Bacher e.K. | Im Käsbühl 6 | 71554 Weissach im Tal
Tel: 07191 / 95 42 42 | E-Mail:
Text von Elke Büttner
Redaktion backnang.online