backnang.online im Gespräch mit den Vorständen
Ralf Kleinpeter und Michael Balzer des Backnanger Seniorentreffs 60 plus e. V.
backnang.online:
Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ralf Kleinpeter:
Ich bin Erster Vorsitzender des Vereins „Backnanger Seniorentreff 60 plus e. V.“ Am Beginn meiner Arbeit für den Verein habe ich Einzelveranstaltungen, z. B. Fachreferate von Ärzten und Zahnärzten, organisiert und so bin ich langsam in den Verein hineingewachsen. Jetzt leite ich den Verein seit über zehn Jahren als Erster Vorsitzender.
Michael Balzer:
Ich bin Stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Backnanger Seniorentreff 60 plus e. V.“. 2001 kam ich als Erster Bürgermeister der Stadt Backnang aufgrund meines Amtes in den Vorstand. Seitdem begleitet mich das Thema des Älterwerdens in ehrenamtlicher Arbeit für den Verein und das Backnanger Seniorenbüro in unterschiedlichen Facetten.
backnang.online:
Wann wurde der Verein gegründet und wie hat er sich entwickelt?
Ralf Kleinpeter:
Der „Verein Altenhilfe“ wurde 1965 gegründet und 2012 in „Backnanger Seniorentreff 60 plus e. V.“ umbenannt. 2015 feierten wir das 50-jährige Jubiläum im Bürgerhaus.
Michael Balzer:
Die Motivation den Verein zu gründen war in der Anfangsphase vor allem, die Ernährungssituation älterer Menschen zu verbessern, so dass „Essen auf Rädern” entstand. Der Verein besaß ein eigenes Auto sowie engagierte Mitarbeiter/innen, die Essen ausfuhren. Über die Jahrzehnte verschob sich allerdings die Bedarfssituation der Kunden, so dass der Dienst in den 2000-er Jahren aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste.
Ralf Kleinpeter:
Ersetzt wurde das „Essen auf Rädern” durch die ehrenamtlich Demenzbetreuung. Bis in die 2010er Jahre hinein war das ein wichtiges Standbein des Vereins. Es handelte sich hierbei um eine fachlich geleitete und niederschwellige Betreuung von Menschen mit Demenz. Die Gruppe umfasste zeitweise 20 bis 25 Personen, die mit den Klienten Spiele machten oder spazieren gingen. Nach Einführung des Pflegegelds entstanden mehr und mehr professionelle Dienste unterschiedlicher Träger. Für uns wurde es dadurch immer schwerer, Ehrenamtliche zu finden und diese auszubilden.
Michael Balzer:
Unter dem Einfluss von Corona brachen leider Angebote wie kommunikatives Gedächtnistraining oder Kreativer Tanz weg. Die Mitglieder mussten sich isolieren und kehrten danach kaum mehr zurück. Dieses gesamtgesellschaftliche Dilemma hat uns arg strapaziert und hält im Grunde bis heute an.
backnang.online:
Wie sieht das heutige Profil des „Backnanger Seniorentreffs 60 plus e. V.“ aus?
Ralf Kleinpeter:
Heute steht der Treff-Charakter im Vordergrund. Der Ablauf der Treffen gestaltet sich wie folgt: Austausch, Kaffeetrinken, Bingo spielen, Gesang und oftmals werden diese Treffen durch eine Kindergartengruppe mit eigenen Programmen bereichert. Leider können größere Veranstaltungen wie ein Sommerfest im Biegel mit 100 Menschen oder Weihnachtsfeiern mangels aktiver Mitglieder kaum noch durchgeführt werden.
Michael Balzer:
Natürlich holen wir mit privaten Fahrzeugen auch gerne mobilitätseingeschränkte Mitglieder von zu Hause ab und bringen sie anschließend zurück in ihr Wohnumfeld. Uns ist wichtig, auch Menschen mit hochgradiger MS oder mit Lähmungen nach einem Schlaganfall einzubeziehen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen.
backnang.online:
Wie finanziert sich der Verein und wie wird er unterstützt?
Ralf Kleinpeter:
Der Verein trägt sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge sowie durch private Spenden. In den 2000-er Jahren konnte die ehemalige Stadträtin und verdienstvolle Vorsitzende Christa Breuninger in akribischer Arbeit viele tausend Euro an Spenden generieren, was sich allerdings heute als erheblich schwieriger darstellt. Wir erhalten keine finanzielle Unterstützung öffentlicher Art. Der Verein erhält lediglich bei Bedarf die ideellen Vergünstigungen der Stadtverwaltung Backnang, die alle anderen sozialen Vereinen auch erhalten.
backnang.online:
Wie kann man Mitglied im Verein werden und wie gestaltet sich die Mitgliedergewinnung?
Michael Balzer:
Ein Antrag genügt. Natürliche Personen und juristische Personen können gleichermaßen Mitglied werden. Willkommen ist jede/r „60 plus oder 60 minus“, der guten Willens ist, aktiv am Verein mitzuarbeiten, die bestehenden rund zehn Mitarbeiter/innen zu entlasten und frische Impulse auszustrahlen. Selbstredend sind uns passive Mitglieder ebenfalls herzlich willkommen, die wir stets als Bereicherung erleben.
Ralf Kleinpeter:
Die Mitgliedergewinnung erfolgt über öffentlichkeitswirksame Angebote, wie z. B. das monatliche gemeinsame Frühstück (i.d.R. jeden ersten Donnerstag im Monat) und den „Rätselmeister“ (jeden dritten Montag im Monat). Es wird versucht, gezielt Menschen ab dem Renteneintrittsalter anzusprechen, um Mitglied im Verein zu werden. Aktuell wird auch eine neue Kooperation mit der Stadtverwaltung und den südlichen Stadtteilen geprüft.
backnang.online:
Was war der absolute Höhepunkt in Ihrer Vereinsarbeit?
Michael Balzer:
Das war sicherlich unser 50-jähriges Vereinsjubiläum 2015. Die Jubiläums-Feier fand im vollen Bürgersaal des Bürgerhauses Backnang statt. Sie hatte dem Verein eine riesige Aufmerksamkeit gebracht. Aber es sind eben auch die kleinen Gespräche mit den Mitgliedern am Rande, die sich manchmal als große Hilfe entpuppen und Highlight-Charakter haben. So haben unsere Angebote der Geburtstagsfeiern, des „Rätselmeisters“ und des reichhaltigen Frühstücks nicht nur konsumtiven und unterhaltenden Charakter, sondern wollen auch menschliche Wärme ausstrahlen.
Ralf Kleinpeter:
Ich stimme Herrn Balzer zu, dass wir mit den vorgenannten Veranstaltungen auf einem guten Weg sind. Nach dem Corona-bedingten Einbruch gilt es nunmehr, durch neue Kooperationen, Angebote und Aktivitäten den Verein attraktiv für neue Mitglieder und Freunde machen. Dieser Herausforderung werden wir unsere volle Hingabe verleihen.
backnang.online:
Vielen Dank für das spannende Gespräch. backnang.online wünscht Ihnen viele neue und aktive Mitglieder.
Link zum Backnanger Seniorentreff 60 plus e. V.
Redaktion backnang.online | BJ. Lattner