28. Classic Ope(r)n-Air auf dem Marktplatz Backnang | © BJ. Lattner
28. Classic Ope(r)n-Air auf dem Marktplatz Backnang | © BJ. Lattner

28. Classic Ope(r)n-Air

Oper und Musical mit Rainer Roos auf dem Backnanger Marktplatz

Das Classic Ope(r)n-Air auf dem Backnanger Marktplatz ist eine feste Größe im Backnanger Festkalender. Wie jedes Jahr fand es am 20. Juni wieder eine Woche vor dem Backnanger Straßenfest statt. Das hat den Vorteil, dass das Konzert die Bühne nutzen kann. Eine feste Größe des Konzerts ist auch Rainer Roos, der musikalische Leiter des Konzerts. Das Classic Ope(r)n-Air-Orchester besteht wieder aus Musikern des Staatsorchesters Stuttgart, der Stuttgarter Philharmoniker und freien Künstlern. Auch, dass das vom Backnanger Bürgerhaus organisierte Konzert auf dem Backnanger Marktplatz ausverkauft ist, gehört zu den festen Größen. Die Karten waren auch in diesem Jahr schnell vergriffen. Die Gesangssolisten waren in diesem Jahr Xenia von Randow, Sharon Isabelle Rupa, Thorsten Büttner und Matias Tosi. Das Konzert wurde großzügig gefördert von der Volksbank Backnang, Aspa-Immobilien und dem Autohaus Mulfinger.

Rainer Roos| © BJ. Lattner
Rainer Roos| © BJ. Lattner

 

Schillernde Opern
Das 28. Classic Ope(r)n-Air hat Rainer Roos mit dem Motto „Schillernde Opern“ überschrieben. Rainer Roos erläuterte dem Publikum in seiner Moderation das Wortspiel und das Wort „Schillernd“ und den Bezug zu Backnang. Es ging natürlich um Friedrich Schiller. „Warum bin ich nicht früher auf die Idee gekommen?“ So fragte Roos und erinnerte daran, dass man es Backnang gerne hätte, wenn der Dichter in Backnang geboren worden wäre. Immerhin habe er hier Verwandtschaft gehabt. Er witzelte dann darüber, dass man 1905 in Backnang eine von Eugen Adolff gestiftete Büste im Viehmarkt aufgestellt habe. Er zitierte dazu ein Spottgedicht aus der Zeit. Der Schillerplatz war damals noch nicht als Park gestaltet.

Thorsten Büttner | © BJ. Lattner
Thorsten Büttner | © BJ. Lattner

 

Den musikalischen Auftakt, in dem es nicht nur um auf Werken Schillers basierende Opern ging, machte die Ouvertüre von Verdis uraufgeführten Oper „Giovanna d’Arco“ über Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans. Das 1845 uraufgeführte Werk ist Verdis siebte Oper. Die seinen unmittelbar davor entstandenen Opern basierten auf Werken von Victor Hugo (Ernani) und Lord Byron (I due Foscari). Schon bald befasste sich Verdi wieder mit Werken Schillers. 1847 folgte die Oper „I masnadieri“ nach „Die Räuber“ und 1849 „Luise Miller“ nach „Kabale und Liebe“. Schillers „Dom Karlos“ verarbeitete Verdi als „Don Carlos“. Die Oper wurde 1867 in Paris fünfaktig mit Ballett uraufgeführt. Später entstanden eine italienische vieraktige und eine italienische fünfaktige Fassung. „Don Carlos“ bildete das Zentrum des ersten Teils des Konzerts. Gleich drei Stücke erklangen. Der in Backnang geborene Thorsten Büttner stellte den spanischen Thronfolger Carlos in einer sentimentalen Arie vor, in der er mit seinem hellen Tenor brillieren konnte. Berühmt ist das Treffen Carlos’ mit dem Marquis Posa, das natürlich den Anlass eines Duetts bildet. Mit kraftvollen Stimmen gestalteten Thorsten Büttner und der Bariton Matias Tosi das berühmte Duett um Freundschaft und Freiheit. Es erfolgte ein großer Sprung in den letzten Akt der Oper, wenn sich der Marquis Posa für Don Carlos und die Sache der Freiheit Flanders opfert. Das war wieder eine große Szene für Tosi.

Als Marguerite stellte sich die Sopranistin Xenia von Randow vor. Auf Goethes „Faust“ basiert die 1859 in Paris uraufgeführte Oper von Charles Gounod, in Deutschland früher „Margarethe“ genannt. Xenia von Randow vermittelte uns die Ballade vom „König von Thule“ traurig und wechselte dann in der „Juwelenarie“ in eine ganz andere Stimmung.

Wieder zu Schiller kehrte das Programm am Schluss des ersten Konzertteils. Matias Tosi stimmte in der „Ode an die Freude“ nicht nur „Freude“ an, sondern forderte die Wiederholung vom Publikum. Vorsorglich war im Programm der weitere Text abgedruckt. Rainer Roos dirigierte das Orchester, Tosi das Publikum.

Auch im zweiten Teil ging es mit Schiller weiter. Rossini machte aus „Wilhelm Tell“ die Grand Opéra „Guillaume Tell“, 1829 in Paris uraufgeführt. Das berühmteste Stück ist die Ouvertüre, ein Meisterwerk der sinfonischen Musik, das in romantischer Manier eine ganze Geschichte erzählt und abwechslungsreich verschiedene Stimmungen malt, nach einem Gewitter kommt dann als weitere Invasion ein Ritterheer. Dieses wild reitende Heer bildet das furiose Finale, das von einem effektvollen Trompetensignal eingeleitet, der einzige Teil dieser Ouvertüre ist, den das Backnanger Publikum zu hören bekam.

Rainer Roos, Xenia von Randow, Shaon Isabella Rupa, Thorsten Büttner und Matias Tosi | © BJ. Lattner
Rainer Roos, Xenia von Randow, Shaon Isabella Rupa, Thorsten Büttner und Matias Tosi | © BJ. Lattner

 

Musical und Film
Das Rossini-Stück bildete auch das Signal zum Themen- und Epochenwechsel. Von Schiller ging es nun zu Musical und Film, eingeleitet von Mezzosopran Sharon Isabelle Rupa mit dem Song „A Piece of Sky” aus dem durch den Film mit Barbra Streisand bekannten Musical „Yentl“. Rhythmisch ging es weiter mit „Uno Tango“, mit dem Bariton Matias Tosi seine argentinische Heimat vorstellte, begleitet von Rainer Roos am Akkordeon.

Es ging weiter mit Sharon Isabelle Rupa und Xenia von Randow und „When you Believe“ aus dem Film „Der Prinz von Ägypten“ (The Prince of Egypt), gefolgt von Rupas Solovortrag von „Speechless“ aus „Aladdin“. Thorsten Büttner interpretierte mit Xenia von Randow das Lied „Quando sento che mi ami” und später mit Sharon Isabelle Rupa Gerardina Trovatos Song „Vivere“.

Der Musicalklassiker „Carousel“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein, basierend auf dem Theaterstück „Liliom“ von Ferenc Molnár, bildete den Abschluss des Konzerts, gesungen von Xenia von Randow, Shaon Isabella Rupa, Thorsten Büttner und Matias Tosi. Die weibliche Hauptfigur bekommt „You’ll never walk alone“ mit auf den Weg.

Mit zwei Zugaben bedankte sich das Ensemble für den Beifall. Nach „Bella Ciao“ gab es wie immer „O sole mio“.

Links zu den Sponsoren:
Autohaus Walter Mulfinger GmbH 
Volksbank Backnang eG
ASPA Bauträger GmbH

Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer

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