Nicht nur mit 22 Bahnen
Wahl begeistert im Beruflichen Schulzentrum Backnang
Als eine der erfolgreichsten Debütantinnen der deutschen Literaturwelt der vergangenen Jahre – wie auch in der Zeit vom 11. Juni nachzulesen war – wurde Caroline Wahl mit ihrem Roman 22 Bahnen bereits 2023 zum Superstar. Nun war sie auf Einladung des Fördervereins der Gewerblichen Schule Backnang e.V. und der Bibliothek im Beruflichen Schulzentrum zu einer öffentlichen Lesung zu Gast. Zu verdanken war dies nicht zuletzt Ulrich Wahl, dem Bruder der Autorin, der als Lehrer an der Gewerblichen Schule tätig ist.
In ihrer Einführung betonte Dr. Isolde Fleuchaus, Schulleiterin der Gewerblichen Schule, den hohen Stellenwert des Lesens in einer zunehmend medial geprägten Welt. Lesen sei eine grundlegende Kulturtechnik, Literatur eröffne darüber hinaus aber auch Erfahrungen im Denken und Fühlen – selbst dann, wenn die geschilderten Lebensrealitäten den eigenen fern erscheinen. Genau dies ist Caroline Wahl mit ihrem Debütroman 22 Bahnen gelungen: Sie hat viele Menschen unterschiedlicher Generationen tief berührt.
Rund 200 Gäste warteten gespannt in der ausverkauften Aula auf Caroline Wahl, die 1995 in Mainz geboren wurde und familiäre Bezüge zur Region hat. Ganz souverän und mit einem verschmitzten Lächeln begann sie von ihrem Rundgang durch die Schule und dem Arbeitsplatz ihres Bruders zu erzählen, der „etwas mit Auto” mache. Schon bald leitete sie mit einem kleinen Quiz zu ihren Büchern über und fragte das Publikum nach den darin vorkommenden Autos. In der fast 30 Grad heißen Aula war das Eis damit sofort gebrochen.
Caroline Wahl las zunächst die ersten Seiten aus 22 Bahnen, einem Roman, den die meisten im Publikum bereits kannten und der ab dem nächsten Schuljahr auch Pflichtlektüre für die Fachhochschulreife sein wird. Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern und ihrer alkoholkranken Mutter. Tilda studiert Mathematik, kümmert sich um ihre kleine Schwester Ida, jobbt nebenher und zieht regelmäßig ihre 22 Bahnen im Schwimmbad, um alles aushalten zu können. Auch Viktor schwimmt diese Bahnen - und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Die Autorin trug außerdem einen Abschnitt vor, in dem es um den Suizidversuch der Mutter geht. Diese Szene wirkte bedrückend, zeigte aber zugleich, wie die Schwestern an solchen Erfahrungen wachsen und lernen, weitere Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.
Anschließend folgte ein Ausschnitt aus dem zweiten Roman Windstärke 17, in dem die Geschichte zehn Jahre später aus der Perspektive der erwachsenen Ida weitererzählt wird.
In der Pause signierte Caroline Wahl zahlreiche Bücher. Und obwohl die Schlange kaum abriss, nahm sich die empathische Autorin Zeit für persönliche Fragen und ließ geduldig jedes Selfie zu. Ihr so nah und unkompliziert begegnen zu können, war für viele etwas Besonderes und fühlte sich fast wie ein Geschenk an.
Auch die Mutter von Caroline Wahl war unter den Gästen. Sie sagte, sie sei stolz auf ihre Tochter; ihr ist 22 Bahnen gewidmet.
Nach der etwas längeren Pause, in der freiwillige Helferinnen und Helfer ein Catering anboten, gab es zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Die erste stellte ein elfjähriger Junge, der wissen wollte, warum Tilda ausgerechnet 22 Bahnen schwimmt. Das habe mit der Mathematikerin in ihrer Figur zu tun, erklärte Caroline Wahl, und außerdem solle Tilda wieder dort ankommen, wo ihre Schlappen stehen.
Auch nach dem nächsten Buch wurde gefragt, das im August unter dem Titel 1999 Meter über dem Meer erscheinen wird, sowie danach, ob die beiden Schwestern darin erneut vorkämen. Wahl erklärte, es sei die Geschichte von Samara, Idas bester Freundin; sicher werde darin auch die eine oder andere Nachricht von Ida auftauchen, sodass die Leserinnen und Leser erfahren könnten, wie es ihr geht.
Eine weitere Frage lautete, warum in ihren Romanen immer Frauen die Protagonistinnen seien. Das sei ihr Thema, antwortete die Autorin: Geschichten starker Frauen interessierten sie besonders.
Darüber hinaus erzählte Caroline Wahl von ihrer Schreibweise. Sie kenne das Ende ihrer Bücher nie im Voraus; vieles müsse sich beim Schreiben erst entwickeln. In all ihren Figuren steckten Eigenschaften und Erfahrungen von Menschen, die sie kenne. Auch zu ihrer Haltung gegenüber der Verfilmung ihres Buches äußerte sie sich. In gewisser Weise sei sie in Entscheidungsprozesse eingebunden gewesen. Für sie sei der Film eine Interpretation ihres Stoffes und könne als gelungene Ergänzung gesehen werden.
Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstelle, antwortete Caroline Wahl: „Ich will nichts anders als erzählen. Und ein Haus am Meer.”
An ihren eigenen Deutschunterricht erinnert sich die junge Schriftstellerin gerne, auch wenn sich ihre Fantasie nicht immer in guten Noten niederschlug. Gerade diese Fantasie aber hat sie beflügelt und Bücher entstehen lassen, deren Zahl sich sicherlich noch vermehren wird. Caroline Wahl lebt ihren Traum - und die große Backnanger Fangemeinde freut sich auf alles, was noch kommen mag.
Quelle: Bibliothek Berufliches Schulzentrum Backnang
Redaktion backnang.online