Interview mit Dilara Betz vom Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation e. V. (DeSK)
Aufgaben | Mitglieder | Raumfahrt | Zukunft der Satellitenkommunikation
backnang.online:
Frau Betz, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Dilara Betz:
Sehr gerne. Mein Name ist Dilara Betz und ich bin die Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation, kurz DeSK. Ich bin mittlerweile seit fast 15 Jahren im Verein tätig und damals für diese Aufgabe auch ganz bewusst nach Backnang gezogen. Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, Ihnen heute von unseren aktuellen Aktivitäten und unserer Vereinsarbeit zu berichten.
backnang.online:
Wie lange leiten Sie die Geschäfte des DeSK bereits?
Dilara Betz:
Ich habe die Geschäftsführung Anfang 2017 übernommen. Zuvor war ich bereits als Projektmanagerin für das Netzwerk aktiv.
backnang.online:
Befand sich der Sitz des Vereins von Anfang an in Backnang?
Dilara Betz:
Ja, das DeSK wurde im Jahr 2008 hier in Backnang gegründet und hat seinen Standort seither nicht verändert.
backnang.online:
Wie lässt sich das Deutsche Zentrum für Satelliten-Kommunikation am Besten beschreiben?
Dilara Betz:
Das DeSK ist ein Kompetenznetzwerk, dessen Mitglieder sich aus Großkonzernen, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Universitäten, Instituten und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammensetzen. Mittlerweile zählen wir über 50 Mitglieder. Gegründet wurden wir ursprünglich von 13 Mitgliedern. Die Besonderheit unserer Entwicklung liegt darin, dass wir als rein regionales Netzwerk gestartet und über die Jahre zu einer bundesweit agierenden Plattform herangewachsen sind. Unser Ziel ist es, die verschiedenen Akteure der Branche zusammenzubringen, ihnen ein gemeinsames Forum zu bieten, Synergien zu stiften, Kooperationen zu fördern und gezielt Projektpartner zusammenzuführen.
backnang.online:
Wann genau wurde das DeSK gegründet und wer waren die Gründungsmitglieder?
Dilara Betz:
Die Gründung erfolgte am 8. Dezember 2008. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem die Stadt Backnang, der Rems-Murr-Kreis, das Raumfahrtunternehmen Tesat-Spacecom sowie die Universität Stuttgart.
backnang.online:
Neben Unternehmen und Instituten – sind auch Privatpersonen im Netzwerk aktiv? Und wie hoch sind die Mitgliedsbeiträge?
Dilara Betz:
Ja, wir haben auch Privatpersonen in unseren Reihen. Dabei handelt es sich meist um Branchenexperten im Ruhestand, die früher selbst in der Satellitenkommunikation oder Raumfahrt tätig waren. Sie möchten das Thema weiterhin engagiert begleiten und unterstützen uns mit ihrem enormen Erfahrungsschatz. Der Jahresbeitrag für Privatmitglieder liegt bei 200 Euro. Für unsere institutionellen Mitglieder ist der Beitrag gestaffelt und richtet sich nach der Mitarbeiterzahl des jeweiligen Unternehmens. Er beginnt für Universitäten bei 500 Euro und reicht bis zu einem Höchstsatz von 5.000 Euro für Großunternehmen.
backnang.online:
Wie finanziert sich das Netzwerk? Reichen die Mitgliedsbeiträge dafür aus?
Dilara Betz:
Die Mitgliedsbeiträge bilden zwar eine solide Basis, würden aber allein nicht ausreichen, um die gesamten Betriebskosten und die Infrastruktur des Netzwerks zu decken. Daher stützen wir uns auf weitere Säulen. Eine ganz wesentliche Säule ist unsere jährliche Kooperationsvereinbarung mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Darüber finanzieren wir vor allem unsere regionalen Aktivitäten, wie beispielsweise die Veranstaltungsreihe „DeSK Impulse“. Zusätzlich akquirieren wir eigenständig Projekte. Hierbei beteiligen wir uns als Konsortialpartner an größeren Vorhaben oder bewerben uns auf Unteraufträge und Dienstleistungen innerhalb unserer Branche. Gefördert werden diese Projekte meist über das nationale Raumfahrtprogramm der Deutschen Raumfahrtagentur.
backnang.online:
Akquirieren Sie diese Projekte im Auftrag Ihrer Mitglieder?
Dilara Betz:
Primär akquirieren wir diese Projekte für uns selbst, um die Arbeit unserer Geschäftsstelle finanziell abzusichern. Selbstverständlich passen diese Projekte thematisch exakt zu unserem Kernbereich. Das hat den Vorteil, dass wir die gewonnenen Erkenntnisse und neuen Kontakte direkt in das Netzwerk zurückspielen und dort den fachlichen Dialog anregen können. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Mitglieder aktiv, indem wir sie gezielt auf neue Ausschreibungen und Förderprogramme hinweisen und bei Bedarf die passenden Partner für ein Konsortium zusammenbringen. Eine Akquise für Nicht-Mitglieder führen wir jedoch nicht durch.
backnang.online:
Wie steht es um die Bekanntheit des DeSK in der Region und in der breiten Öffentlichkeit?
Dilara Betz:
In der nationalen und internationalen Fachwelt haben wir uns über die Jahre einen gewissen Namen erarbeitet und stehen im engen Austausch mit anderen Verbänden und Clustern. In Backnang selbst sind wir durch unsere gezielten Veranstaltungsformate, unsere Nachwuchsarbeit und nicht zuletzt durch unseren Showroom sehr präsent. Man muss jedoch realistisch bleiben: Einem Passanten in der Stuttgarter Innenstadt wird das DeSK vermutlich kein Begriff sein. Unser Fokus liegt primär auf der Fachöffentlichkeit.
backnang.online:
Welche Rolle spielt die Stadt Backnang für den Verein?
Dilara Betz:
Backnang ist für uns der einzig logische Standort. Hier befindet sich ein etabliertes Raumfahrtzentrum – auch wenn dies in der Öffentlichkeit manchmal noch zu wenig wahrgenommen wird. Die Satellitenkommunikation ist hier historisch tief verwurzelt, nicht zuletzt durch unseren engen Partner TESAT. Es gab in der Vergangenheit zwar Diskussionen über andere Standorte, aber wir bekennen uns ganz klar und langfristig zu Backnang.
backnang.online:
Welche festen Veranstaltungsformate bietet das DeSK an?
Dilara Betz:
Lokal in Backnang veranstalten wir einmal im Jahr die „DeSK Impulse“ im Backnanger Bürgerhaus. Dies ist eine kostenfreie Vortragsreihe mit renommierten Referenten zu spannenden Raumfahrthemen, die sich ganz bewusst an die breite Öffentlichkeit und an Schulklassen richtet. Ein weiteres wichtiges Format ist unser „Wochenendsymposium“ im Haus Steinheim, das wir in diesem Jahr bereits zum 16. Mal ausrichten. Hierbei geht es ganz gezielt um Nachwuchs- und Fachkräfteförderung. Wir laden Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe ein, um ihnen die Karrierechancen, Berufsbilder und Studienwege in unserer Branche aufzuzeigen. Überregional veranstalten wir alle zwei Jahre einen Zukunftsworkshop in Stuttgart. Unsere jährliche Mitgliederversammlung halten wir ganz bewusst rotierend bei verschiedenen Mitgliedern in ganz Deutschland ab – im nächsten Jahr beispielsweise in Bremen –, um der bundesweiten Ausrichtung unseres Netzwerks gerecht zu werden.
backnang.online:
Sind Sie auch im Ausland aktiv?
Dilara Betz:
Ja, aktuell sind wir erstmals an einem großen, durch das EU-Programm Erasmus finanzierten Projekt mit insgesamt 28 europäischen Partnern beteiligt. Dabei geht es um die Entwicklung von Weiterbildungsangeboten für bereits im Beruf stehende Fachkräfte der Raumfahrtbranche. Wir wurden gezielt als Partner ausgewählt, um den Bereich der Satellitenkommunikation in dieses Bildungsprogramm einzubringen, der neben der Erdbeobachtung und Navigation bisher zu kurz kam.
backnang.online:
Was erwartet die Besucher in Ihrem Showroom?
Dilara Betz:
Wir präsentieren dort ein breites Spektrum an Themen: von der Erdbeobachtung über Wettersatelliten bis hin zu klassischen Kommunikationssystemen. Besonders stolz sind wir auf die Modelle aktueller Raumfahrtmissionen, die wir im Rahmen von Schülerprojekten haben anfertigen lassen. Das verbindet unsere Nachwuchsarbeit direkt mit der Praxis. Zudem zeigen wir Exponate aus universitären Forschungsprojekten. Durch interaktive Module, anschauliche Exponate und Videoclips möchten wir komplexe Weltraumtechnologie für Laien verständlich und erlebbar machen.
backnang.online:
Wie kann man den Showroom besichtigen?
Dilara Betz:
Es gibt zwei Wege. Zum einen bieten wir regelmäßig offene Führungen für Einzelpersonen an, die wir über unsere Website und die regionalen Medien ankündigen. Diese finden ab einer Gruppengröße von etwa acht Personen statt. Zum anderen können sich Gruppen – wie beispielsweise Vereine oder Facharbeitskreise – ab einer Größe von acht Personen für individuelle Sonderführungen an uns wenden.
backnang.online:
Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Raumfahrtbranche ein?
Dilara Betz:
Die Raumfahrt erlebt derzeit einen massiven Aufschwung. Themen wie Cybersecurity, strategische Unabhängigkeit und der Schutz kritischer Infrastrukturen im All stehen heute ganz oben auf der politischen Agenda. Die Satellitenkommunikation wird zwar nicht im Alleingang die Stellenverluste anderer Industriezweige, wie etwa der Automobilbranche, kompensieren können, aber sie gewinnt massiv an Relevanz. Wir müssen technologische Schlüsselkompetenzen in Deutschland und Europa halten und eigene Gegenmodelle zu den dominanten Akteuren aus den USA entwickeln. Auch Nationen wie China und Indien bauen ihre Kapazitäten rasant aus – das wird in den kommenden Jahren unsere größte Herausforderung sein.
backnang.online:
Welche technologischen Innovationen werden die Satellitenkommunikation prägen?
Dilara Betz:
Ein ganz entscheidendes Feld ist die optische Kommunikation mittels Lasertechnologie. Hier verfügt der Standort Backnang über weltweite Spitzentechnologie. Ein zweiter großer Schwerpunkt ist die Erhöhung der Resilienz von Satelliten. Wir müssen die Systeme im All technisch so robust gestalten, dass sie gegen Sabotage und Störangriffe von außen – wie Jamming oder Spoofing – geschützt sind. Der Schutz kritischer Infrastruktur im Weltraum wird eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein.
backnang.online:
Frau Betz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Bitte formulieren Sie uns zum Abschluss Ihr persönliches Schlusswort.
Dilara Betz:
Ich freue mich sehr darüber, dass wir in zwei Jahren das 20-jährige Bestehen unseres Vereins feiern können. Wir haben es geschafft, die maßgeblichen Akteure unserer Industrie in einem lebendigen Netzwerk zu vereinen. Mit unserem Showroom und unserer Nachwuchsarbeit leisten wir einen nachhaltigen Beitrag für die Region. Mein Wunsch für die Zukunft ist es, dass diese positive Dynamik anhält, unsere Branche stabil bleibt und wir auch in zehn Jahren noch hier in Backnang zusammenkommen, um über die nächsten großen Meilensteine zu sprechen.
Informationen zum Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation e. V. (DeSK)
Redaktion backnang.online | BJ. Lattner