Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner
Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner

Interview mit Iris Guggenberger vom Galli Theater

Galli Theater | Backnang | Johannes Galli | Frieder Nögge | Herzblut

Wir sind heute im Galli Theater in Backnang mir gegen über sitzt Iris Guggenberger vom Galli Theater

backnang.online: 
Frau Guggenberger, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Iris Guggenberger: 
Mein Name ist Iris Guggenberger. Ich bin 1964 in Augsburg geboren. Mit sieben Jahren bin ich nach Württemberg gezogen, weil mein Vater in Giengen an der Brenz eine Musikschulleiterstelle und meine Mutter dort eine Stelle als Lehrerin an einer Grund- und Hauptschule bekamen. In Giengen habe ich meine Jugend verbracht und später dann in Heidenheim an der Brenz, am Max-Plank-Gymnasium, mein Abitur gemacht. Ich habe anschließend in verschiedenen Städten Musik studiert, aber wegen großer Probleme mit Sehnenscheidenentzündungen und Gelenken das Studium abbrechen müssen. Ende 1992 habe ich in Freiburg Johannes Galli und seine Methode des spontanen Spiels kennengelernt und dort an der Theaterschule teilgenommen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dann im März 1993 beim Galli Theater in Freiburg eingestiegen bin. Ich habe dort meine Ausbildung im organisatorischen Bereich, als Trainerin und Spielerin in der Praxis erhalten und bin seit Jahren selbständig an verschiedenen Galli Theatern und der Galli Company in Freiburg, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Erfurt, Stuttgart, tätig gewesen. Seit 2014 leite ich zusammen mit Dieter Großmann das Galli Theater in Backnang. Dass es das Galli Theater in Backnang überhaupt gibt, hat einen ganz bestimmten Grund: Als der große Clown Frieder Nögge in seinem Theater in Backnang den Freitod gewählt hatte, war das ein Schock für viele Menschen, die Frieder Nögge als zukunftsweisenden, Trost spendenden Menschen erlebt hatten. Solch eine Diskrepanz kann der Mensch kaum verarbeiten. Johannes Galli, der selbst ein begeisterter Clown war, der das Wesen des Clowns lebte, meinte damals, das könne man so nicht stehen lassen. Wenn ein Mann, der so viele Herzen erreicht hat, diesen Tod wählt, dann müsse man das auflösen. Denn das versteht ein Herz nicht. Das kann man nicht verstehen. Und deshalb haben wir 2004 in Backnang etwas gesucht und konnten dann diesen Gewölbekeller bekommen. Im Theater kann man noch einen Zeitungsausschnitt sehen, wie der Raum vorher aussah.

Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner
Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner

 

backnang.online: 
Frau Guggenberger, wie lange betreiben Sie das Galli Theater in Backnang schon?

Iris Guggenberger: 
Das Galli Theater Backnang gibt es seit Oktober 2004, und bis 2010 hatte Johannes Galli selbst hier immer wieder gespielt, insbesondere an Weihnachten und Ostern. Auch seine Partnerin, Gabriele Hofmann ist in verschiedenen Stücken aufgetreten. Beide haben mitgeholfen, dieses Galli Theater hochzuziehen. Ich selbst bin 2010 vorübergehend dazugekommen aber erst seit 2014 fest und in verantwortlicher Position hier.

backnang.online: 
Das heißt, Sie haben das Galli Theater 2014 übernommen.

Iris Guggenberger: 
Übernommen klingt etwas groß. Einfacher ausgedrückt: Mein Kollege Dieter Großmann und ich betreiben zusammen das Galli Theater. Kurz gesagt, wir organisieren uns, spielen die Stücke und sind als Trainer tätig.

backnang.online: 
Was ist das Besondere an Galli?

Iris Guggenberger: 
Das zentrale Element von Galli ist es, die Bühne als Probebühne fürs Leben zu begreifen. Dort können Themen bearbeitet werden, ohne dass man gleich die Konsequenzen dazu im Leben tragen muss. Das schafft große Freiheiten. In diesem Zusammenhang ist immer der Rollenwechsel im Fokus, sprich, sich selbst in vielen, unterschiedlichen Rollen wiederfinden zu können, und damit auch Spielräume zu schaffen.

backnang.online:  
Frau Guggenberger, das Galli Theater in Backnang befindet sich in einem denkmalgeschützten Haus. Welche Auswirkungen hat das für Ihre Arbeit?

Iris Guggenberger:
Also zum einen ist es natürlich ein sehr ansprechender, atmosphärischer Raum, den die Menschen gerne betreten und wo sie sich auch wohlfühlen. Insbesondere Kinder lieben den Keller. Weiterhin ist es im Sommer kühl. Man weiß ja, wenn man in Keller geht, also zum Beispiel Grotten besucht, haben die immer eine Raumtemperatur von etwa 9 Grad Celsius. Durchgängig, egal ob Winter, ob Sommer. Wir müssen natürlich heizen.  Unsere Stücke werden jetzt nicht speziell auf das Denkmal ausgelegt, aber wir genießen die Atmosphäre, wie schon gesagt.

backnang.online: 
Wir hatten es schon anklingen lassen, das Thema „Wer ist Galli und wie sieht die Organisation der Galli Theater aus?“. Können Sie das vielleicht noch ein bisschen ausführen, Frau Guggenberger? Das wäre in dem Zusammenhang wichtig. Und wie sieht die Organisation der Galli Theater aus?

Iris Guggenberger: 
Die Galli Theater werden alle von selbständigen Menschen geführt, und es gibt auch kein weiteres Angestelltenverhältnis. Wir müssen unseren Lebensunterhalt eigenständig durch unsere Arbeit verdienen. Über Organisation, als Trainer und als Spieler. Über diese drei Bausteine finanzieren wir uns. Die Galli Theater sind Franchise-Unternehmen. Das heißt, wir nutzen das Know-how unseres Gründers Johannes Galli und dessen Team, das die Module entwickelt und den Umgang mit den organisatorischen Gepflogenheiten kennt, und wir dürfen geschützte Begriffe wie z.B. „Die sieben Kellerkinder als Kraftquelle®“ nutzen. Dafür bezahlen wir, wie es in anderen Unternehmen auch üblich ist, Abgaben.

backnang.online: 
Franchise-Gebühr quasi.

Iris Guggenberger: 
Ja, Lizenzabgaben nennen wir das. Wir können dafür jederzeit nach Wiesbaden kommen, wo die Zentralstelle ist, und die Stücke Vorort ansehen, unsere Stücke anschauen lassen, eine Probe beantragen. Wir können dort Input bekommen, wenn wir einen schwierigen Kurs, einen Workshop oder ein Seminar leiten. Auch für ganz allgemeine oder organisatorische Fragen können wir uns dorthin wenden. Wir bekommen das Know-how, wenn wir das wollen. Und trotzdem können wir unter Berücksichtigung der Vorgaben frei entscheiden, was wir machen. 

backnang.online: 
Bitte skizzieren Sie Ihre Sparten beim Galli Theater in Backnang.

Iris Guggenberger: 
Unser Fokus liegt auf dem Märchentheater und den Kindertheaterkursen, also sprich auf den Kindern. Außerdem machen wir Erwachsenentheater, also Abendtheaterstücke. Wir haben einen regelmäßigen Spielplan plus die Workshops. Im Erwachsenenbereich machen wir, insofern wir Kapazitäten frei haben, Wochenendworkshops und Seminare. Außerdem bieten wir unsere Produkte sehr gerne im Außenverkauf an. Wir spielen in Kindergärten, in Schulen, an Kultureinrichtungen und Institutionen. Wir führen dort Projekte, Schulprojekte, Kindergartenprojekte durch und natürlich auch Projekte und Aufführungen für Erwachsene. Davon leben wir und erreichen auch viele Menschen.

backnang.online: 
Märchen sind ja eigentlich Geschichten, die meistens irgendeinen wahren Kern haben. Können Sie das Thema Märchen ein bisschen ausführen?

Iris Guggenberger: 
Märchen sind Einweihungsgeschichten für die Seele. Also nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene Lebenselixier. In den Märchen sind alle Gefühle in Form von Bildern enthalten. Ein Märchen ist folgender Maßen aufgebaut: Es beginnt immer in einem scheinbar harmonischen Zustand, und jedes Märchen weist auf eine andere Ausgangsposition hin. Nehmen wir als Beispiel Rotkäppchen. In Rotkäppchen gibt es die Mutter, die Großmutter, aber keinen Vater. Und die Heldin muss dann durch bestimmte Konfliktsituationen, Katastrophen hindurch. Beim Froschkönig ist die Ausgangsposition ganz anders. Die Prinzessin hat einen sehr starken Vater, aber keine Mutter und trifft auf einen Froschmann, dem die Mutter im Nacken sitzt. In jedem Märchen kommt es dann zur Katastrophe. Der Held, die Heldin muss durch einen Konflikt hindurch, und das Märchen zeigt ganz genau, die Schritte auf, die zur Lösung führen. Wenn Spieler und Zuschauer die Situation miterleben und mit den Helden durch die Katastrophe hindurchgehen, dann erleben auch sie die Erlösung. Das heißt, jedes Märchen endet gut und in Harmonie, jetzt aber auf einer stabileren Ebene. Somit können alle gestärkt in den Alltag zurück, und zwar egal, ob Kind oder Erwachsener.

backnang.online: 
Kommen wir zum Thema Erwachsenentheater, zum Beispiel Ehekracher. Das ist ja eine Trilogie, wenn ich das richtig weiß.

Iris Guggenberger:
Die Ehetheater-Trilogie, ja, und Ehekracher ist der erste Teil.  Alle drei Teile sind aber unabhängig voneinander, die bauen nicht unbedingt aufeinander auf. In Ehekracher sind die beiden Protagonisten zu Hause und konfrontieren sie sich mit den Themen, durch die sie endlich einmal hindurch wollen, auf eine sehr humorvolle, aber doch deftige Art und Weise, so dass der Zuschauer sich auch freilachen kann. Das Ende ist auch hier versöhnlich.

backnang.online: Freilachen ist doch auch ein schöner Begriff. Was versteht man darunter bzw. was verstehen Sie darunter?

Iris Guggenberger: 
Dass man aus vollem Herzen lachen kann, ohne Scheu, irgendwelche Tabus zu verletzen. Man kann einfach lachen und schafft dadurch in sich, in seinem Körper, in seiner Psyche Raum. Und dieser Raum kann dann neu aufgeladen und gefüllt werden. Üblicherweise halten wir sehr viele Dinge zurück und binden Energie, die uns im entscheidenden Moment nicht zur Verfügung steht. Wenn man einfach und spontan lacht, ohne groß darüber nachzudenken, ob man das darf oder nicht, dann ist das so natürlich, es ist ansteckend und das ist befreiend.

backnang.online: 
Das heißt also, im Galli Theater wird viel gelacht.

Iris Guggenberger: 
Es darf viel gelacht werden, ja. Der Mensch entscheidet ja selbst, ob er lacht oder nicht. 

backnang.online: 
Kommen wir zu den anderen Spielern, die auch im Galli Theater auftreten, mit Ihnen oder in einer anderen Konstellation. Wie viele Spieler haben Sie bei den Aufführungen oder wie viele Spieler sind im Galli Theater engagiert und wie gestaltet sich die Arbeit mit ihnen?

Iris Guggenberger: 
Nun, ich hatte ja schon gesagt, dass wir alle selbstständig sind. Das heißt, engagiert kann man so nicht sagen. Wir sind in Backnang sehr klein. Momentan sieht es so aus: Wir sind das Kern-Duo, Herr Großmann und ich. Wir halten das Theater hier, spielen draußen und machen alles selbst. Renate Großmann, die ihren Standort in Tübingen innehat, unterstützt uns im Spielplan und im Kinderkursbereich. Ich spiele mit ihr zusammen das Theaterstück „Männerschlussverkauf“ und ab Oktober 2026 auch das Nachfolgestück „Männerfalle“. Auch hier haben wir es mit einer Theatertrilogie zu tun, doch das nur am Rande. Wir haben noch einen Spieler, der punktuell in Kindertheaterstücken und in „EheUrlaub“ spielt. Außerdem haben wir noch einen ehrenamtlichen Techniker, Andreas Weber, der für uns ein Glücksgriff ist und uns sehr zur Seite steht. Natürlich nehmen wir auch weitere Unterstützung gerne an.

backnang.online: 
Gut. Jetzt ist öfters der Name Großmann gefallen. Wer ist Dieter Großmann bzw. was macht Dieter Großmann im Kern-Duo des Theaters? Ist er nur Spieler oder macht er Organisation? Wer ist Dieter Großmann?

Iris Guggenberger: 
Ich hatte ja schon gesagt, dass wir zusammen das Theater leiten. Er kümmert sich um die Finanzen. Er hat das Know-how, was die Räumlichkeiten betrifft, denn er war früher Zimmermann. Er setzt sich mit den Räumlichkeiten auseinander, und hier gibt es einiges, mit dem man sich auseinandersetzen muss, wie Heizung, Feuchtigkeit, Requisiten. Unter anderem, wenn zum Beispiel das Schild mal wieder abgefahren wurde und Versicherungsfragen zu klären sind, so in der Richtung. Und Dieter Großmann ist ein begnadeter Spieler, das muss man wirklich sagen. Er macht bei den Kinderkursen mit, die Kinder lieben ihn. Und er bildet auch, was unglaublich wichtig ist, den Background. Dieter Großmann hat in den Anfängen unter anderem die Bühne gebaut, als das Theater eröffnet wurde.

backnang.online: 
Ja, also Herr Großmann ist ein Allrounder.

Iris Guggenberger: 
Ja, das kann man so sagen. 

backnang.online: 
Kommen wir jetzt zum Bühnenbild. Und jetzt kommt natürlich auch wieder der Dieter Großmann ins Spiel. Bitte stellen Sie Ihr Bühnenbildkonzept vor.

Iris Guggenberger: 
Wir arbeiten so einfach wie möglich, so vielfältig wie nötig und so fantasievoll, wie wir es uns leisten können. Also mit einfachsten Mitteln, denn der Fokus sollte sein, dass der Spieler die Rolle aus sich heraus transportiert, und nicht, dass der Zuschauer bewundernd an den technischen Raffinessen hängen bleiben muss.

backnang.online:. 
Frau Guggenberger, Theaterkurse für Kinder und Erwachsene. Was lernen Ihre Kursteilnehmer bei diesen Kursen und was sind die Inhalte Ihrer Kurse?

Iris Guggenberger: 
Fangen wir mal mit den Kindern an, denn das ist wirklich unglaublich. Kinder, die schüchtern sind, lernen, in den Kursen aufzumachen und sich zu präsentieren. Und es fließen manchmal Tränen der Erwachsenen, wenn sie sehen, welches Potenzial in ihren Kindern steckt, dass ihre Kinder sprechen und sich ohne Scheu präsentieren. Kinder, die total hippelig sind und nicht stillsitzen können, werden durch die Theaterarbeit, wie wir die Kinder in den Märchen führen, kanalisiert. Sie lernen, ihre Energie in einer Rolle zu gestalten, denn jedes Kind findet ja seine Rolle in dem Theaterstück. Und dadurch lassen sie sich von der Rolle steuern und finden dann zu einer gewissen Ruhe, die aber nicht erzwungen ist, sondern die aus sich heraus entsteht und dadurch begeisternd ist. Das heißt, diese Theaterarbeit schafft zwischenmenschlich einen Ausgleich. Die Kinder lernen also, sich selbst zu präsentieren - solistisch oder im Chor, und sie lernen, in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, sei es als älteres Kind, sei es als jüngeres Kind. Und zwar nicht nur auf der Bühne, sondern im Kurs selbst. Und man könnte auch Ähnliches von den Erwachsenen sagen, wenn sie sich öffnen. Das ist natürlich die Voraussetzung, dass man sich öffnet, aber das ist in den Kursen eben möglich. Wir sehen es ja tagtäglich in unseren Kursen, dass die Kinder sofort Vertrauen fassen, und auch bei den Erwachsenen geschieht das. Man fasst sofort Vertrauen und zeigt sich so, wie man ist.

backnang.online: 
Wie gestaltet sich ein Theaterkurs für Kinder bei Ihnen? Wie ist der Ablauf? Also, wie lange dauert ein Kurs, was passiert in den einzelnen Tagen und was ist der Schluss eines Kurses?

Iris Guggenberger: 
Nehmen wir also den Kurs, wie er jetzt hier speziell in den kommenden Sommerferien stattfindet. Wir haben in den Sommerferien sechs einzelne Kurswochen für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Und ein Kurstag hat drei Stunden, jeweils von 9 bis 12 Uhr. Am ersten Tag ist es so, dass man erst einmal eine Begrüßung macht, man muss sich kennenlernen, Namen und so weiter. Dann braucht man ein bisschen Bewegung, Spiele sind wichtig, und dann gibt es immer vor der Vesperpause, das ist wie ein Ritual, wir nennen das „Schlafkönig“, Entspannungsphase. Dann gibt's Vesperpause, und am ersten Tag wird dann das Märchen gemeinsam ausgesucht, was wir in dieser Woche zusammen entwickeln, inszenieren und ausarbeiten.

backnang.online: 
Und was ist der Schluss des Kurses?

Iris Guggenberger: 
Zunächst sind die weiteren Tage so aufgebaut, dass man immer ein bisschen Bewegungsprogramm hat und dann am Stück selbst arbeitet. Wichtig sind die Lieder. Wir nehmen immer Märchen, bei denen wir auch von Johannes Galli und seinem Komponisten Michael Summ komponierte Lieder zur Verfügung haben, denn die erleichtern das Spiel und die Kinder lernen über das Singen der Lieder sprachlich sehr viel und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Das ist uns ein sehr großes Anliegen. So spielen wir uns dann durch die Woche, und am letzten Tag, um 12 Uhr ist dann die Aufführung, wo die Kinder genau das vorspielen, was sie bzw. was wir zusammen entwickelt haben. Und bei uns ist es so: Die Kinder müssen nichts zu Hause auswendig lernen, sondern das, was sie über die Zeit in den Körper aufgenommen haben und wissen, das sagen sie, und das ist sehr viel. Wo die Kinder gar nicht mehr weiterwissen, das sage ich dann laut ein, so dass es jeder hört. Es ist ein natürliches Miteinander, wo es nicht um Leistungsdruck geht.

Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner
Iris Guggenberger spiel das Märchen der Froschkönig | © BJ. Lattner

 

backnang.online: 
Kann man das auch eins zu eins auf Erwachsene adaptieren?

Iris Guggenberger: 
Kann man auch, ja.

backnang.online: 
Wie gestaltet sich so ein Erwachsenenkurs bei Ihnen?

Iris Guggenberger: 
Hier ist es ein bisschen anders, weil wir neben dem Thema Märchen auch andere Themen behandeln, wie z.B. „Die sieben Kellerkinder“, ein Typenmodell, das sehr spannend ist, gerade für Psychologen, Lehrer, Sozialarbeiter oder ganz privat zur persönlichen Weiterentwicklung. Man kann es also überall sehr gut anwenden, und es ist sehr beliebt. Weiter gibt es den Bereich der Körpersprache und Kommunikation, ein sehr wichtiges Gebiet. Und schließlich kommt noch der Clown dazu als ein Themenbereich. Für den Businessbereich und Führungskräfte ist das Thema der Präsentation noch ein gesonderter Punkt. Zu allen Themen gibt es Lehrmaterial im Galli Verlag, womit man das in der Praxis Geübte weiter vertiefen kann.

backnang.online: 
Kommen wir jetzt zu den Zielgruppen, die Sie ansprechen wollen.

Iris Guggenberger: 
Das liegt ja nun auf der Hand: Kinder und Erwachsene für unser Kindertheater. Und im Abendtheaterbereich wollen wir natürlich die Erwachsenen ansprechen. Die Gruppe der Jugendlichen erreichen wir leider nicht so einfach. Das steht noch aus.

backnang.online: 
Nun fällt mir das Stichwort Inklusion ein, also die Zusammenarbeit in Kursen mit Behinderten.

Iris Guggenberger: 
Ja, das haben wir auch schon gemacht. Mit der Lebenshilfe haben wir ja viel zusammengearbeitet, vor allem Frau Großmann, als sie hier in Backnang war. Das war auch immer ein großes Highlight. Wir machen einiges in Schulen, bei denen auch Sonderschulen angeschlossen sind, mit Kindern mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Wir spielen unsere Theaterstücke und wir machen Theaterprojekte, je nach Wunsch. Obwohl unser Theater nicht behindertengerecht ist (siehe Denkmal), kommen doch auch Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zu uns ins Theater. Wir hatten auch hier schon Rollstuhl-Trageaktionen die Treppe herunter. Wir mögen diese Menschen sehr, denn sie sind meist pur und unverstellt in ihren Reaktionen.

backnang.online: 
Frau Guggenberger, ich bitte Sie noch um Ihr Schlusswort.

Iris Guggenberger: 
Die Arbeit, die wir hier im Galli Theater machen, geht nur mit Herzblut. Und unser Anliegen ist es, dass wir alle immer mehr mit dem Herzen sehen. 

backnang.online: 
Das war ein berührendes Schlusswort. Frau Guckenberger, ich bedanke mich für das Gespräch mit Ihnen heute Vormittag und wünsche Ihnen und dem Theater für die Zukunft alles Gute. Vielen herzlichen Dank.

Informationen zum Galli Theater in Backnang

Redaktion backnang.online | BJ. Lattner