Interview mit Dr. Jens Steinat Abgeordneter der CDU für den Wahlkreis Backnang
Politik | Kommunen | Gesundheit | Zukunft | Teil 2
Fortsetzung des Interview vom 7. August 2026
backnang.online:
Wie lange sind Sie schon Mitglied in der CDU? Bitte stellen Sie uns Ihre politische Heimat kurz vor.
Dr. Jens Steinat:
Ich bin seit 2021 Mitglied bei der CDU.
backnang.online:
Das ist ja noch gar nicht so lange.
Dr. Jens Steinat:
Die CDU war immer meine politische Heimat. Ich war als Schüler mal bis zum Abitur bei den Jungen Liberalen, war da auch kurzzeitig Pressesprecher der Jungen Liberalen. Habe mich dann aber nach dem Studium bzw. nach der Schule dazu entschlossen, keiner Partei anzugehören. Ich bin liberal aufgewachsen, war immer mit dem Herzen ein Liberaler und auch ein CDUler, und die größte Schnittmenge habe ich heutzutage definitiv mit der CDU.
backnang.online:
Kommen wir zum Wahlkreis Backnang. Wann wurden Sie von Ihrer Partei für den Wahlkreis Backnang nominiert?
Dr. Jens Steinat:
Das war am 28. März 2025.
backnang.online:
Für die Wahl des Landtags von Baden-Württemberg am 8. März 2026.
Dr. Jens Steinat:
Genau, für die Wahl am 8. März 2026.
backnang.online:
Bitte schildern Sie Ihre Ziele und Vorstellungen, die Sie für die Bürgerinnen und Bürger für den Wahlkreis Backnang und/oder für das Land durchsetzen wollen.
Dr. Jens Steinat:
Also ich sehe mich als direkt gewählter Abgeordneter unseres Wahlkreises, dementsprechend sehe mich da auch überparteilich in vielen Dingen, weil das auch meinem Naturell und meiner Expertise als Arzt entspricht. Ich halte nichts von Ideologie, egal in welche Richtung es geht, sondern mir ist wichtig, dass man im demokratischen Miteinander lösungsorientiert für die Bürgerinnen und Bürger da ist. Und da sind verschiedene Punkte wichtig, die unterm Strich meine Beweggründe waren, in die Politik zu gehen. Das Erste, was mir wichtig ist, dass ich auch als Kreisrat um die Nöte und Probleme der Kommunen und des Landkreises weiß. Ich bin der Auffassung, dass die Keimzelle der Demokratie und die Keimzelle des gesellschaftlichen Zusammenhalts die Kommunen und die Landkreise sind. Und die sind heutzutage schwer belastet durch die Bundes- und Landesgesetzgebung. Mir ist es wichtig, die Realität vor Ort in die Landespolitik zu tragen und deutlich zu machen, vor welchen Herausforderungen wir im Wahlkreis, im ländlichen Raum und im gesamten Rems-Murr-Kreis stehen. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Lebenswirklichkeit in der höheren Politik, also auf Landes- und Bundesebene, auch wirklich erfasst wird. Da sehe ich mich als direkt gewählter Abgeordneter in der Verantwortung für alle in meinem Wahlkreis, und möchte dafür auch eintreten. Ich bin seit kurzem auch pflegepolitischer und seniorenpolitischer Sprecher meiner Fraktion, bin sowie der stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher. Als Hausarzt habe ich seit vielen Jahren zahlreiche Berührungspunkte mit der Pflege. Ich engagiere mich im Stfitungsrat der Pflegeheime Backnang und Wildberg, kurz gesagt: ich kenne die Herausforderungen mit denen das Pflegewesen konfrontiert ist. Mir ist es wichtig, dass wir neue Wege gehen. Wir haben riesige demografische Probleme, riesige finanzielle Probleme, aber wir haben vieles in der Schublade. Zum Beispiel das Thema „Stambulant“. Das ist ein Thema, um das ich mich gerade kümmere. Da geht es um die Pflege, die sozusagen ein Hybrid zwischen stationärer und ambulanter Pflege ist, wo Wohngruppen mit Menschen, die geringe Pflegegrade haben als in der stationären Pflege, selbstbestimmter zusammenleben können, aber eine direkte Anbindung an die ambulante Pflege haben. Da gibt es schon seit vielen Jahren Modellprojekte in Baden-Württemberg und es ist mir ein wichtiges Thema, dass man das jetzt endlich in die Regelversorgung überführt und auch Bürgerinnen und Bürger im ganzen Land an dieser wirklich sehr guten, qualitativ hochwertigen Versorgungsstruktur teilhaben lässt. Das halte ich für wichtig auch im höheren Alter. Es gibt im Prinzip verschiedene Themenbereiche, die für mich wichtig sind: Bürokratieabbau, Pflege, Gesundheitssystem, aber natürlich auch die Versorgung im ländlichen Raum, insbesondere auch natürlich die Arbeitsplatzsicherheit.
backnang.online:
Sie traten die diesjährige Wahl an, ohne dass Sie auf der Landesliste waren.
Dr. Jens Steinat:
Ja.
backnang.online:
Was wäre passiert, wenn Sie nicht von den Bürgerinnen und Bürgern direkt gewählt worden wären?
Dr. Jens Steinat:
Dann hätte ich viel Zeit gehabt. Ich habe tatsächlich meine Struktur in der Praxis so ausgebaut, dass die Ärzte und Ärztinnen mich entlasten. Sie hätte ich auch nicht entlassen. Wenn ich nicht nicht gewählt worden wäre, hätte ich tatsächlich viel Zeit gehabt. Ich hätte es bedauert, aber hätte natürlich genauso weitergemacht wie zuvor auch. Vermutlich wäre ich den Jakobsweg gelaufen, hätte auf einen Marathon in Berlin trainiert und hätte ein paar Dinge gemacht, die ich jetzt aufs spätere, höhere Lebensalter verschiebe.
backnang.online:
Herr Steinat, worauf begründet sich Ihre Popularität im Wahlkreis Backnang?
Dr. Jens Steinat:
Ich bin hier aufgewachsen und tief verwurzelt. Meine Familie lebt schon über mehrere Generationen hier im Backnanger Raum. Meine Eltern waren hier als Lehrer tätig, mein Großvater ebenso, das sorgt natürlich dafür, dass viele meinen Nachnahmen schon aus der Schule kennen. Dann bin ich natürlich auch als Hausarzt und Pandemiebeauftragter während der Coronapandemie einigen bekannt geworden.
backnang.online:
Von wem wurden Sie beim Wahlkampf ideell und finanziell unterstützt?
Dr. Jens Steinat:
Sie bekommen im Wahlkampf von der Partei keine Finanzmittel. Sie erhalten natürlich, und da bin ich auch extrem dankbar, Hilfe personeller Art und Weise – also von der Jungen Union und von der Senioren-Union. Von vielen Gremien in der Partei, die sich auf unterschiedlichste Weise aktiv einbringen, zum Beispiel beim Haustürwahlkampf.
backnang.online:
Also das ist die ideelle Unterstützung.
Dr. Jens Steinat:
Ja, die dann beispielsweise auch Wahlplakate aufhängen und mich mit Rat und Tat unterstützen. Finanzmittel erhalten Sie nicht von der CDU. Man bekommt Unterstützung durch Apps, PC-Programme, Kontaktvermittlung, Beratung, solche Dinge. Finanziell habe ich einige Spenden von CDU-Mitgliedern bekommen und von einigen wenigen Firmen im Wahlkreis.
backnang.online:
Und den Rest?
Dr. Jens Steinat:
Den Rest habe ich selbst bezahlt.
backnang.online:
Es geht jetzt um das passive Wahlrecht, das liegt zwischenzeitlich bei 18 Jahren. Ich bitte Sie um Ihre Meinung dazu. Ist nach Ihrer Meinung auch eine Ausbildung in welcher Form auch immer eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Mandat im Landtag?
Dr. Jens Steinat:
Also grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass jeder, der sich politisch engagiert, zuvor eine Ausbildung oder ein Studium gemacht hat und im Idealfall auch in dem Bereich gearbeitet hat, weil ich es wichtig finde, die Lebensrealität und die Lebenswirklichkeit auch zu erfahren. Und das sehe ich jetzt in meiner Landtagsfraktion. Bei 56 Abgeordneten ist es wirklich so, dass wir eine extrem breite berufliche Expertise haben. Unser jüngster Kollege ist 23 Jahre alt. Wir haben alle Ausschüsse mit Kolleginnen und Kollegen besetzt, die aus den jeweiligen Expertisengebieten beruflich kommen. Ich behaupte, dass wir da eine der einzigen Parteien sind, die das abbilden können und dementsprechend so eine breit gefächerte berufliche Expertise haben.
backnang.online:
Kommen wir jetzt zu Ihrer Arbeit im Landtag. Sind Sie mit dem Ergebnis des Koalitionsvertrags zufrieden? Beide Koalitionspartner haben jeweils 56 Sitze.
Dr. Jens Steinat:
Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich war selbst Teil der Koalitionsverhandlungen in der Arbeitsgruppe Gesundheit, Pflege, Arbeit und Soziales und habe dort im fünfköpfigen Verhandlungsteam mit wechselnden Beratern, die wir noch zur Seite hatten, eine Woche lang gut und sehr lösungsorientiert mit den Kolleginnen und Kollegen der Grünen verhandelt. Und wir haben insgesamt konstruktive Gespräche gehabt.Wir haben, denke ich, für beide Parteien, ein gutes Koalitionspapier Gerade in den Bereichen Gesundheit und Soziales, haben wir trotz unterschiedlicher Schwerpunkte, größtenteils gemeinsame Zielvorstellungen. Der Weg dorthin ist häufig unterschiedlich, und daran arbeiten wir. Und das ist auch gut so, dass man den besten Weg für unser Land findet. Aber insgesamt muss ich sagen, bin ich zufrieden, auch mit der Zusammenarbeit.
backnang.online:
In welchen Ausschüssen arbeiten Sie mit?
Dr. Jens Steinat:
Also ständiges und ordentliches Mitglied bin ich natürlich in meinem Fachgebiet, in dem Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Dementsprechend bin ich auch der seniorenpolitische Sprecher und der pflegepolitische Sprecher meiner Fraktion. Dann bin ich stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Kultus, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Landesentwicklung und Wohnen, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Europa und Internationales.
backnang.online:
Da sind Sie ja doch gut beschäftigt.
Dr. Jens Steinat:
Ja, wobei stellvertretendes Mitglied bedeutet, dass man da über die Themen Bescheid wissen sollte. Wenn einer krank wird oder ausfällt, und wenn die Termine, die wichtig sind, auf Landesebene besucht werden müssen, muss dann der Stellvertreter ran. Wenn all das personell von den ständigen Mitgliedern abgedeckt werden kann, haben Sie da jetzt terminlich nicht so viele Berührungspunkte und vertreten dann eben die Kolleginnen und Kollegen, wenn es da mal zu Engpässen kommt. Man sollte über die Themengebiete dann auch Bescheid wissen.
backnang.online:
Bitte schildern Sie Ihren Tagesablauf. Sind Sie Vollzeitabgeordneter oder wie gestaltet sich Ihr Mandat? Können Sie Ihren Beruf noch ausüben? Wie waren Ihre Vorstellungen von der Arbeit im Landtag, wie sieht die
Realität jetzt aus?
Dr. Jens Steinat:
Ich überlege mir meine Entscheidungen grundsätzlich immer sehr genau im Leben. Vor der Wahl habe ich mir überlegt wie ich meine Arbeit organisieren möchte und genauso arbeite ich jetzt. Ich bin von Dienstag bis Donnerstag in Stuttgart. Wir haben dienstags Fraktionssitzung, donnerstags und mittwochs entweder Plenum und/oder die Ausschüsse, Montag und Freitag bin ich im Wahlkreis.
backnang.online:
Können Sie auch, wenn es die Wahlkreistermine erlauben, als Arzt arbeiten?
Dr. Jens Steinat:
Im Prinzip ist es so, dass die Termine, die ich habe, mit meinem Büro vereinbart werden, und die Termine natürlich alle wahrnehme. Wenn ich dazwischen noch Zeit habe, dann arbeite ich als Arzt. Das mache ich häufig montags und freitags zwei, drei Stunden in der Sprechstunde. Wenn ich im Wahlkreis unterwegs bin, nehme ich meinen Hausbesuch auf der Heimfahrt oder auf der Hinfahrt wahr. Ich mache Verwaltung am Wochenende oder abends, bin aber so gut wie auf allen Veranstaltungen im Wahlkreis anwesend. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst und werde das auch die nächsten Jahre genauso tun, aber es funktioniert genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Man darf nicht den Anspruch haben, dass man damit mit 50 Stunden in der Woche zurecht kommt. Also das sind 70, vielleicht manchmal auch 80 Stunden in der Woche. Ich habe den großen Vorteil, dass ich eine gewisse Flexibilität habe. Meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag, die auch Ärzte sind, arbeiten an der Uniklinik. Die haben natürlich keine Flexibilität wie ich. Ich bin selbstständig, ich kann mir meine Arbeitszeit einteilen.
backnang.online:
Kommen wir zur Kommunalpolitik. Bitte schildern Sie aus Ihrer Sicht die Bedeutung der Kommunalpolitik.
Dr. Jens Steinat:
Also die Kommunalpolitik hat einen ganz, ganz wichtigen Stellenwert, weil die Kommunen und die Landkreise die tatsächliche Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger hauptsächlich umsetzen, bestimmen und auch finanzieren müssen. Deswegen bin ich dankbar, im Kreistag zu sein und Kreisrat sein zu dürfen. Ich möchte mich auch 2029 wieder zur Wahl stellen, weil es mir wichtig ist, genau die kommunalen Belange mit in die Landespolitik zu nehmen, deswegen ist das eigentlich ein ganz, ganz wichtiger Punkt, um gute Landespolitik zu machen.
backnang.online:
Also sprich, die Voraussetzung für eine gute Landespolitik ist die Kommunalpolitik.
Dr. Jens Steinat:
Ja.
backnang.online:
Kommunen finanzieren sich in erster Linie durch die Gewerbesteuer-Einnahmen und die Grundsteuer. Ist diese Finanzierung so noch zeitgemäß?
Dr. Jens Steinat:
Die Kommunen haben bei ihren Einnahmen relativ wenig Gestaltungsspielraum, wie Sie es gerade schon genannt haben. und Die Landkreise und Kommunen sind darauf angewiesen, dass das Konnexitätsprinzips von Bund und Land eingehalten wird. Wenn ihnen neue Aufgaben übertragen werden, die in den Kommunen umgesetzt werden müssen, diese aber zusätzliche Kosten verursachen, sollten ihnen die finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Das große Problem ist, dass das nicht umgesetzt wird. Deswegen müssen wir genau an dem Punkt ansetzen und das auch im Land umsetzen und vom Bund einfordern. Die Kommunen haben schlichtweg das Problem, dass sie bei begrenzten Ressourcen und Finanzmitteln keinen großen Gestaltungsspielraum haben, außer zu sparen.
backnang.online:
Bei meinem Interview mit der Bürgermeisterin Patrizia Rall aus Allmersbach im Tal stellte ich die Frage nach der Gemeindefinanzierung. Sie gab mir folgende Antwort: „Meiner Überzeugung nach haben wir kein Einnahmenproblem, sondern ein massives Ausgabenproblem.“ Herr Dr. Steinat, ich bitte Sie um Ihren Kommentar zu dieser Aussage und Ihren Lösungsansatz.
Dr. Jens Steinat:
Das stimmt. Das Ausgabenproblem resultiert aufgrund der Bundes- und Landesgesetzgebung, und wir haben natürlich hohe Sozialausgaben, die vor allem durch Bundesgesetze dementsprechend umgesetzt werden müssen, Folgendes ist mir wichtig: Wir müssen unseren Sozialstaat erhalten, aber wir müssen ihn effektiver gestalten und das Geld auch genau dorthin kommen lassen, wo es hin muss. Und da sehe ich noch einen hohen Gestaltungsspielraum. Bei manchen Umsetzungen sind die Verwaltungskosten bei 50 Prozent, die sinnvollerweise bei den Betroffenen ankommen sollten, als in der Verwaltung. Da haben wir Lösungsansätze, dass man auch Sozialleistungen pauschaliert und nicht nur individualisiert ausbezahlt oder berechnet. Allein das würde schon große Verwaltungskosten einsparen. Also von daher teile ich grundsätzlich diese Aussage.
backnang.online:
Sind Subventionen Ihrer Meinung nach richtig oder falsch?
Dr. Jens Steinat:
Subventionen sind, wenn sie zielgesteuert eingesetzt werden, richtig. Ich habe aber das Gefühl, dass wir insgesamt viel zu viele Subventionen haben und zum Teil auch über verschiedene Ebenen und zum Teil auch als Parallelstrukturen. Ich wäre da schon sehr dafür, die Subventionen dementsprechend zu überprüfen, zusammenzufassen, einfacher zu gestalten und insgesamt die pure Menge zu reduzieren.
backnang.online:
Sind Subventionen der Tod des Wettbewerbs?
Dr. Jens Steinat:
Nein, das würde ich so nicht sagen. Subventionen müssen zielgerichtet eingesetzt werden und die Notwendigkeit muss stetig kontrolliert werden, es darf kein Selbstläufer werden. Und man muss man Schieflagen in verschiedenen Wirtschaftszweigen dementsprechend verhindern, auch im Hinblick auf die Arbeitsplatzsicherheit. Und das, denke ich, ist wichtig, aber das muss konsequent und strukturiert umgesetzt werden, da gibt es Verbesserungsbedarf.
backnang.online:
Die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist insbesondere bei der Automobilindustrie – und damit meine ich auch die Zulieferbetriebe in den Schlagzeilen. Ich bitte Sie um Ihre Meinung dazu und möchte gerne wissen, wie Sie die Zukunft sehen.
Dr. Jens Steinat:
Also zum einen sprechen Sie da gerade von einem der wichtigsten Wirtschaftszweige bei uns in Baden-Württemberg, und es sollte auch ein wichtiger Wirtschaftszweig in unserem Land bleiben. Ich glaube, das Problem war, dass sich zum einen die Politik nicht darauf verständigen konnte, wie genau die Zukunftsperspektive aussieht, und die Unternehmen keine absolute Planungssicherheit hatten. Aber auch die Unternehmen selbst haben auf gewisse Veränderungen nicht adäquat reagiert. Also ich denke, da haben beide Seiten nicht optimal alles richtig gemacht. Und zukünftig werden wir in der Automobilindustrie und bei den Zulieferern einen Strukturwandel haben, aber wir müssen schauen, dass der verträglich gestaltet wird und dass wir, wie wir es auch im Koalitionspapier zusammen vereinbart haben, auch die wachsenden und zukunftsträchtigen Industriezweige wie Luft- und Raumfahrttechnik, Robotik, KI, Gesundheitswirtschaft, Wissenschaft, auch wirklich fördern, unterstützen und Strukturen ausbilden, dass auch hochqualifizierte Arbeitskräfte, zum Beispiel Ingenieure, aus der Automobilindustrie in anderen Wirtschaftszweigen ihren Platz finden und wir diese Wirtschaftstransformation, wie wir es in Baden-Württemberg
schon mal gemacht haben – vom Landwirtschaftsstaat zum Industriestaat – auch wirklich gemeinsam umsetzen können. Nichtsdestotrotz muss die Automobilindustrie auch in unserem Land einen wichtigen Stellenwert
behalten.
backnang.online:
Kommen wir noch zu dem Thema Arbeitsplätze. Wenn Arbeitsplätze wegfallen, das heißt Einkommen wegfallen, wirkt sich das ja nicht nur direkt auf die Betriebe aus oder auf die Menschen, die dort arbeiten, sondern das geht weiter vom Metzger, zum Bäcker bis zum Konsum schlechthin.
Dr. Jens Steinat:
Sie beschreiben genau das Problem, was wir haben, das wir auch in der Politik deutlich sehen. Es betrifft nicht nur eine Sparte, sondern es betrifft unser ganzes Land. Deswegen hat es auch höchste Priorität, erstens den Arbeitsplatzabbau zu stoppen, die Wirtschaft zu verbessern, das muss erste Priorität haben. Nicht nur, dass Betriebe und Berufszweige und Wirtschaftszweige darunter leiden, sondern wir haben auch weniger Sozialversicherungsbeiträge, dadurch haben wir höhere Sozialausgaben. Das heißt, wir haben noch mehr Probleme, als wir jetzt sowieso schon haben. Ein guter Sozialstaat ist nur auf der Basis einer guten, tragfähigen und zukunftsausgerichteten Wirtschaft möglich. Und deswegen haben wir als CDU die Priorität drauf ausgerichtet. Das ist ein schwieriges Unterfangen, wir stellen uns dem aber und wir haben da die dementsprechenden Lösungsansätze, die wir auch vorantreiben. Dazu gehört auch Entbürokratisierung zur Kostensenkung und zur Effizienzsteigerung der Struktur. Also das ist auf jeden Fall, was priorisiert umgesetzt werden muss, weil es ganz, ganz viele Dinge im Folgenden betrifft, wie Sie es genannt haben.
backnang.online:
Kommen wir jetzt zu den sozialen Netzwerken. Bitte schildern Sie Ihre Erfahrung zu den sozialen Netzwerken und was ist Ihre Beobachtung dazu.
Dr. Jens Steinat:
Also ich bin 1977 geboren. Ich bin noch mit einem Schnurtelefon, einem gelben oder grünen Telefon mit Wählscheibe aufgewachsen. Und den ersten PC hat mein Vater 1996 kurz vor meinem Abitur gekauft, das weiß ich noch. Damals gab es nur einen Computerladen in Heilbronn, der damals die Pentium-PCs 120 verkauft hat. Meinen ersten PC habe ich in der 11. Klasse am Wirtschaftsgymnasium bekommen. Ich habe am EDV-Unterricht teilgenommen. Das war mein erster Kontakt als 16-Jähriger mit dem PC. mein erstes Handy, das war noch ein Riesenprügel von Nokia, ein Riesending mit utopisch hohen Gesprächskosten, dieses hatte ich tatsächlich als Zivildienstleistender. Ich habe in zwei Jahren ich fünfmal mit dem telefoniert, weil es mir zu teuer war. Damit möchte ich sagen, ich bin die Generation, die noch mit der analogen Welt aufgewachsen ist, und ich habe es ehrlich gesagt als schön und gut empfunden. Ich habe selber drei Kinder und musste mich natürlich über die letzten Jahre sehr viel mit den sozialen Medien auseinandersetzen. Ich finde, das Gute daran ist, dass man schnell, wenn man es richtig benutzt, in Kontakt bleiben kann und auch natürlich große Distanzen überbrücken kann und dass das alles viel einfacher macht. Aber heutzutage finde ich die Unterscheidung zwischen wahren Begebenheiten und falschen Begebenheiten sehr, sehr schwierig. Meine Kinder sind da fast besser als ich, dass die Videos gleich als falsch erkennen, die bringen mir das schon bei, an was man das erkennen kann – also meine Kinder sind da relativ fit darin. Ich finde es aber schwierig als Eltern, den Kindern einen richtigen Umgang mit den sicherlich heute nicht mehr wegzudenkenden sozialen Medien beizubringen. Da macht man als Eltern auch seine Fehler und das ist nicht ganz einfach. Ich bin ein großer Befürworter davon, dass wir in der Schule Medien und Kommunikationsumgang besprechen und lehren und auch mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch gehen, übrigens auch was Gesundheit angeht, Gesundheitsbewusstsein, Gesundheitsvorsorge, genau solche Dinge.Wenn Sie jetzt auf die Frage hinauswollen, ob ab einem gewissen Alter soziale Medien zu verbieten: Ich finde es schwierig, man muss es differenziert betrachten, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich jetzt spontan sagen, dass man ein Verbot bis zu einem gewissen Alter in Betracht ziehen könnte.
backnang.online:
Welches Alter meinten Sie?
Dr. Jens Steinat:
Also ich würde 13 oder 14 Jahre nehmen. Welches Alter dabei angemessen wäre, sollten aber Fachleute auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse beurteilen. Eine gewisse Regulierung ist hier nicht falsch.
backnang.online:
Wie nutzen Sie sozialen Medien oder Netzwerke?
Dr. Jens Steinat:
Sie werden lachen, bis vor zwei Jahren habe ich nur WhatsApp benutzt.
backnang.online:
Das ist ja kein soziales Netzwerk.
Dr. Jens Steinat:
Eben. Seit zwei Jahren nutze ich Instagram und Facebook, und das war's dann.
backnang.online:
Kommen wir noch zum Thema Transparenz der Verwaltungen, Bürokratieabbau in allen staatlichen Organisationen und soziale Gerechtigkeit.
Dr. Jens Steinat:
Also: Bürokratieabbau muss Priorität haben, das müssen wir auch durch das Effizienzgesetz, das wir in Baden-Württemberg haben, auf den Weg bringen. Uns ist das bewusst und es tut sich da auch etwas. Es steht ganz oben auf der Liste. Ich habe auch in der Fraktion ein deutliches Statement dazu abgegeben. Die Verwaltungen müssen transparenter werden, sie müssen effektiver werden, sie müssen sich als Partner und als Leistungserbringer für Bürgerinnen und Bürger ansehen und sollten sich nicht in Regulierung und Kontrollwut ergießen. Also eher ein partnerschaftliches Vorgehen, den Staat als Partner und Partnerin wahrnehmen. Und soziale Gerechtigkeit muss immer in unserem Land gewahrt werden, das ist Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Grundvoraussetzung für den Wohlstand, den wir haben. Ohne das hätten wir diesen Wohlstand nicht und deswegen ist soziale Gerechtigkeit immer zu wahren und auch politisch mit einzubeziehen.
backnang.online:
Herr Dr. Jens Steinat: Wie sehen Sie die Zukunft von Baden-Württemberg?
Dr. Jens Steinat:
Ich sehe die Zukunft von Baden-Württemberg positiv, und zwar aufgrund dessen, weil wir gesellschaftlich ein sehr leistungsfähiges Land sind, wir haben viele Menschen, die sich über die Gebühr engagieren, die wissen, um was es geht. Wir haben in der Politik ein gutes Miteinander mit den Grünen, wir haben auch ein gutes Miteinander mit den Kommunen und den Landkreisen, und ich glaube, dass wir tatsächlich die Probleme erkannt haben und gemeinschaftlich auch vorwärtsdenken und vorwärtsgehen. Es wird nicht einfach, wir haben strukturelle Probleme. Ich bin aber der Auffassung, dass wir das können und dass wir gemeinschaftlich positiv nach vorne schauen können. Und auch das ist mir wichtig: Es wird auch vieles in der jetzigen Situation zu negativ bewertet. Wir sind immer noch in einer Struktur, in der wir, wenn ich jetzt heimfahre und einen einen schweren Unfall habe, der Rettungsdienst in zehn Minuten da ist, wenn der Notarzt keine Zeit hat, kommt der Hubschrauber. Das kriege ich alles bezahlt. Wenn ich übermorgen eine Krebsdiagnose erhalte, bekomme ich Therapeutika, die im Monat zum Teil 100.000 Euro kosten, und auch das alles wird bezahlt. In anderen Ländern gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung, die kriegen nichts und die müssen dann gegebenenfalls an solchen Erkrankungen versterben. Und das ist das, was ich vorher meinte, sowas dürfen wir in unserem Land nicht zulassen. Wir sollten auch diese Vorteile erkennen und diese als Ansporn nehmen und diese wichtigen Dinge auch für unsere Zukunft erhalten. Arbeiten wir gemeinschaftlich an unserer Zukunft.
backnang.online:
Ich bitte Sie um Ihr Schlusswort.
Dr. Jens Steinat:
Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich die Aufgabe habe, unseren Wahlkreis in Stuttgart zu vertreten, mache das mit Demut und großem Engagement und freue mich wirklich über die Aufgabe. Und danke allen, die mich dabei unterstützen, und möchte auch immer mein Ohr anbieten, wenn es Fragen, Probleme oder Nöte gibt. Es ist mir wichtig, dass wir in Austausch gehen und da möchte ich auch als der direkt gewählte Abgeordnete dafür einstehen, dass ich da wirklich auch für alle Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis der Abgeordnete bin und auch diese Beschwerden und Probleme zur Kenntnis nehme und versuche, mich dafür einzusetzen.
backnang.online:
Herr Dr. Steinat, ich danke Ihnen für das Gespräch.
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Redation | backnang.online: BJ. Lattner