10 Jahre IBB-Stelle im Rems-Murr-Kreis
Unabhängige Anlaufstelle für psychisch erkrankte Menschen feiert Jubiläum
Seit 2015 bietet die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle niedrigschwellige Unterstützung, stärkt Teilhabe und trägt zur Qualitätsentwicklung in der psychiatrischen Versorgung bei
Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle (IBB-Stelle) im Rems-Murr-Kreis feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Seit einem Jahrzehnt ist sie eine verlässliche, niedrigschwellige und unabhängige Anlaufstelle für psychisch erkrankte Menschen und deren Angehörige. Das Landratsamt Rems-Murr-Kreis würdigt anlässlich des Jubiläums die Arbeit der IBB-Stelle und dankt allen Beteiligten für ihr kontinuierliches ehrenamtliches Engagement.
Gesetzlicher Auftrag mit trialogischem Ansatz
Mit dem Psychisch-Kranken-Hilfegesetz, das in Baden-Württemberg zum 1. Januar 2015 in Kraft trat, wurde die Einrichtung solcher Beratungsstellen auf der Ebene der Stadt- und Landkreise festgelegt. Die IBB-Stellen beraten psychisch kranke Menschen und deren Angehörige zur Wahrnehmung ihrer Rechte und Interessen, vermitteln und unterstützen bei Beschwerden und Konflikten und informieren über das lokale Unterstützungssystem.
Die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig und setzen sich trialogisch zusammen: Psychiatrieerfahrene, Angehörige psychisch kranker Menschen und Personen mit fachlichem Hintergrund. Auch die beiden Patientenfürsprecherinnen für psychisch kranke Menschen des Rems-Murr-Kreises sind Teil der IBB-Stelle.
Stefanie Böhm, Dezernentin für Jugend, Soziales und Bildung des Rems-Murr-Kreises, betont: „Die IBB-Stelle ist aus unserer psychiatrischen Versorgungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Sie bietet Menschen einen unabhängigen Ort, an dem ihnen zugehört wird. Gleichzeitig liefert sie wertvolle Rückmeldungen, die helfen, Unterstützungsangebote weiterzuentwickeln und die Versorgung im Landkreis zu verbessern."
Orientierung in einem vielfältigen Hilfesystem
Die psychiatrische Angebotslandschaft im Rems-Murr-Kreis ist vielfältig: von stationärer und teilstationärer Behandlung über ambulante fachärztliche und psychotherapeutische Versorgung, den Sozialpsychiatrischen Dienst, psychosoziale Beratungsangebote, Tagesstätten und Rehawerkstätten bis hin zu ambulant betreuten und stationären Wohnangeboten sowie Selbsthilfe- und Angehörigengruppen. Diese Vielfalt ist eine Stärke – kann für Betroffene und Angehörige jedoch auch unübersichtlich sein.
Hier setzt die IBB an: Sie informiert über passende Hilfen, unterstützt beim Verstehen von Zuständigkeiten und zeigt Wege auf, wie Unterstützung erreicht werden kann. Die IBB begleitet Ratsuchende dabei, ihre Anliegen zu sortieren, nächste Schritte zu planen und – wenn gewünscht – Kontakte zu geeigneten Stellen aufzunehmen. Als Mitglied im Gemeindepsychiatrischen Verbund des Rems-Murr-Kreises ist die IBB-Stelle sehr gut mit allen wichtigen Akteurinnen und Akteuren des psychiatrischen Unterstützungssystems vernetzt.
Unabhängige Beschwerdestelle – konstruktives Feedback erwünscht
Ein zentraler Baustein der IBB ist die Möglichkeit, Erfahrungen und Beschwerden zu äußern – vertraulich, respektvoll und lösungsorientiert. Konflikte oder Unzufriedenheit entstehen oft in Situationen, in denen Menschen besonders verletzlich sind oder sich nicht ausreichend verstanden fühlen. Die IBB nimmt diese Rückmeldungen auf, unterstützt bei der Klärung und wirkt – sofern gewünscht und möglich – vermittelnd zwischen Betroffenen, Angehörigen, Einrichtungen und Leistungsträgern. Dabei ist der Anspruch, Anliegen ernst zu nehmen, Möglichkeiten aufzuzeigen und zu einer Lösung beizutragen, die für alle Beteiligten tragfähig ist.
Selbstbestimmung und Teilhabe stärken
Die IBB-Stelle steht für einen modernen, personenzentrierten Ansatz in der psychosozialen Versorgung. Sie stärkt Selbstbestimmung und Teilhabe, indem sie Betroffene darin unterstützt, ihre Rechte wahrzunehmen, Entscheidungen nachvollziehen zu können und sich im Hilfesystem sicherer zu bewegen.
Impulse für kontinuierliche Qualitätsentwicklung
In den vergangenen zehn Jahren hat die IBB-Stelle zahlreiche Gespräche geführt, Ratsuchende begleitet und Konflikte bearbeitet. Wiederholt hat sie Hinweise gegeben, wo im Versorgungssystem Informationslücken, Verständigungsprobleme oder strukturelle Hürden bestehen. Damit trägt die IBB-Stelle nicht nur im Einzelfall zur Entlastung bei, sondern setzt auch wichtige Impulse für Qualitätsentwicklung und eine bessere Abstimmung zwischen den Angeboten.
Stefanie Böhm sieht die IBB daher als wichtige Partnerin in der Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten psychiatrischen und gesundheitlichen Versorgung: „Eine leistungsfähige Angebotslandschaft braucht neben Behandlung und Betreuung auch eine unabhängige Stelle, die zuhört, vermittelt und Rückmeldungen systematisch aufnimmt. Das ist gelebte Beteiligung – und ein wesentlicher Beitrag zu einer verlässlichen Versorgung im Landkreis.”
Kontakt IBB-Stelle Rems-Murr-Kreis | Telefon: 07195 9777345 (Anrufbeantworter) | Mobil: 01590 4409800 | E-Mail:
Telefonische Erreichbarkeit: Montag bis Freitag, 9:00 - 17:00 Uhr
Sprechstunden nach Vereinbarung in den Räumen der IBB, Schloßstraße 32 in Winnenden, oder an anderen Orten möglich.
Quelle: Landratsamts Rems-Murr-Kreis
Redation | backnang.online