Rems-Murr-Kreis setzt sich für sichere Überholabstände zu Radfahrenden ein
Neue Aufklärungskampagne soll Bewusstsein im Außerortsbereich stärken
Der Rems-Murr-Kreis verfolgt das Ziel, den Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege im Alltag und in der Freizeit signifikant zu erhöhen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Thema Sicherheit im Radverkehr. Neben dem Ausbau der Radinfrastruktur setzt das Landratsamt deshalb auch auf Informations- und Sensibilisierungskampagnen.
Mit seiner neuen Aufklärungskampagne will der Rems-Murr-Kreis darauf aufmerksam machen, welche Überholabstände zu Radfahrenden die Straßenverkehrsordnung (StVO) vorschreibt. Ziel ist es, gefährliche Überholmanöver mit zu geringem Abstand zu reduzieren und das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden zu stärken.
„Mehr Sicherheit im Straßenverkehr beginnt mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Mit unserer Aufklärungskampagne wollen wir das Bewusstsein für sichere Überholabstände schärfen und ein respektvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden auf unseren Straßen fördern. Denn nur wer sich beim Radfahren sicher fühlt, steigt auch regelmäßig aufs Rad – hier wollen wir mit unserer Kampagne ansetzen", betont Landrat Dr. Richard Sigel.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) befährt regelmäßig Strecken im Rems-Murr-Kreis mit einem sogenannten OpenBikeSensor – einem am Fahrrad befestigten Messgerät, das die Überholabstände des Kfz-Verkehrs aufzeichnet. Auf Grundlage von knapp 9.500 aufgezeichneten Überholvorgängen wurden besonders kritische Streckenabschnitte im Kreisgebiet ermittelt. Die Ergebnisse zeigen: Vor allem außerhalb von Ortschaften wird der vorgeschriebene Überholabstand von zwei Metern sehr häufig nicht eingehalten. Das führt zu gefährlichen Situationen und einem starken Unsicherheitsgefühl bei Radfahrenden. Deutlich geringer fällt der Überholabstand zudem aus, wenn ein Schutzstreifen für Radfahrende vorhanden ist. Doch auch hier gilt: Ein Schutzstreifen ist keine eigene Fahrbahn – der Mindestabstand von zwei Metern muss beim Überholen eingehalten werden.
„Ein angemessener Abstand beim Überholen von Radfahrenden durch den Kfz-Verkehr ist essenziell für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Unsere Messungen mit dem OpenBikeSensor im Rems-Murr-Kreis zeigen, dass außerorts 80 Prozent aller Überholvorgänge nicht den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung entsprechen. Eine Sensibilisierung für sichere Überholabstände ist daher dringend notwendig", ergänzt Andreas Schwager (ADFC Rems-Murr).
In mehreren Kommunen im Rems-Murr-Kreis werben bereits Banner des ADFC für den Mindestabstand von 1,5 Metern innerorts. Die neue Kampagne des Landkreises ergänzt dies nun im Außerortsbereich: Während der Fahrradsaison wurden sieben Hinweisschilder an besonders auffälligen Streckenabschnitten aufgestellt. Die Standorte wurden auf Grundlage der Messdaten des ADFC ausgewählt. Da die Schilder nur temporär aufgestellt werden, können die Standorte in Zukunft wechseln – so wird an immer neuen Strecken Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen.
Bereits während der ersten Testphase im Jahr 2026 wird der ADFC die Überholvorgänge auf den ausgewählten Strecken erneut mit OpenBikeSensoren erfassen. Zum Jahresende 2026 soll die Kampagne ausgewertet werden – dabei fließen neben den Messdaten auch die Erfahrungen und das Sicherheitsempfinden der Radfahrenden ein.
Das Thema Sicherheit beim Überholvorgang ist dem Rems-Murr-Kreis schon seit Jahren ein Anliegen. So sind beispielsweise seit 2019 Hinweiskleber an allen Dienstfahrzeugen des Landratsamtes angebracht, die an den Mindestabstand innerorts erinnern. Darüber hinaus plant das Landratsamt, über seine Social-Media-Kanäle auf das Thema Sicherheit im Radverkehr und auf bereits laufende Maßnahmen aufmerksam zu machen.
Quelle: Landratsamts Rems-Murr-Kreis
Redation | backnang.online