Interview mit Angelika Roth und Maike Scholl vom der Backnanger Landfrauen
Neuausrichtung des Vereins | Vernetzung | Klischees | Frauen, verbündet euch
Wir sind heute auf dem Backnanger Stiftshof und mir gegenüber sitzen Angelika Roth und Maike Scholl
backnang.online:
Frau Roth, Frau Scholl, bitte stellen Sie sich zu Beginn kurz vor.
Angelika Roth:
Sehr gerne. Mein Name ist Angelika Roth. Ich lebe, wohne und arbeite seit zehn Jahren in Backnang, bin in den Fünfzigern und engagiere mich im Vorstandsteam der städtischen Landfrauen.
Maike Scholl:
Ich bin Maike Scholl, Mitte 30 und wohne schon mein ganzes Leben in Backnang. Beruflich absolviere ich gerade eine Weiterbildung zur Wildnispädagogin – mir liegt die Natur und das Draußensein sehr am Herzen. Gemeinsam mit Angelika gehöre ich zum Leitungsteam der Landfrauen. Ich habe einen Mann und zwei Kinder. Bei uns fließen Familie, Beruf und Vereinsarbeit wunderbar ineinander über.
Angelika Roth:
Ich lebe allein, meine Tochter steht schon auf eigenen Beinen. Das Leben in einer überschaubaren Kleinstadt wie Backnang schätze ich sehr. Man kennt sich, begegnet sich immer wieder und kann sich enorm gut vernetzen. Das ist auch die ideale Basis für unsere Vereinsarbeit.
backnang.online:
Seit wann sind Sie aktiv dabei und was zeichnet die neue Generation der Landfrauen in Backnang aus?
Angelika Roth:
Wir sind seit Anfang 2024 dabei und wurden am 8. März 2024 offiziell als Vorstandskandidatinnen gewählt. Dem ging eine zweijährige Vorbereitungsphase voraus. Die vorherige Generation der Landfrauen hatte sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und traf sich eher im privaten Kreis zum Kaffee. Wir sind angetreten, um den Verein neu auszurichten und wieder sichtbar in die Stadtgesellschaft zu tragen.
backnang.online:
Die Landfrauenbewegung hat eine lange Tradition. Wie ordnet sich Backnang da ein?
Angelika Roth:
Der Verband hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg formiert und ist heute von den Orts- bis zum Bundesverband stark aufgestellt. Landfrauen haben eine echte Stimme in Deutschland. In Backnang gab es früher Klassiker wie den Stand auf dem Weihnachtsmarkt mit selbstgemachter Marmelade. Wir schätzen diese Wurzeln, beschränken uns aber bewusst nicht mehr darauf. Im Verein liegt die kleinste Keimzelle der Demokratie. Wenn das Miteinander im Kleinen nicht funktioniert, kann auch die Gesellschaft nicht funktionieren.
backnang.online:
Man sagt den Landfrauen nach, sie stünden vor allem für hervorragendes Essen und Trinken. Ist das ein Klischee oder die Wahrheit?
Maike Scholl:
Das ist definitiv kein Mythos! Die Erfahrung zeigt einfach, dass bei den Landfrauen fantastisch gebacken und gekocht wird. Das ist lebendige Tradition.
Angelika Roth:
Bei unseren monatlichen Treffen kochen wir allerdings nicht selbst, sondern lassen uns lieber in den vielfältigen Gastronomiebetrieben Backnangs verwöhnen. Ob Linsen mit Spätzle, Kartoffelsalat oder regionale Küche – wir verbinden Genuss mit Geselligkeit und unterstützen damit die lokale Gastronomie.
backnang.online:
Auf Ihrer Website betonen Sie Begriffe wie Vernetzung, Bildung und Gemeinschaft. Was bedeuten diese Werte konkret für Sie?
Angelika Roth:
Vernetzung bedeutet für uns, dass Frauen sich verbinden und austauschen – genau wie Männer das schon immer tun. Es tut gut, vor Ort eine starke Anlaufstelle zu haben. Bildung verstehen wir im weitesten Sinne: Es geht nicht um Schulwissen, sondern um Horizonterweiterung im Miteinander. Jedes Treffen, jeder Vortrag und jede Unternehmung bringt neue Impulse. Und Gemeinschaft ist der Kitt, der Menschen zusammenhält. Es gilt der Grundsatz: Alles Private ist auch politisch.
backnang.online:
Wie bringt sich der Verein aktiv in das gesellschaftliche Leben von Backnang ein?
Angelika Roth:
Wir setzen gezielte Zeichen. Zum Beispiel haben wir uns im Rahmen der „Orange Days“ am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen engagiert. Wir haben einen passenden Kinofilm gezeigt, Orangen als Symbol der Solidarität verteilt und Beratungsstellen für Opfer von Gewalt eingebunden.
Maike Scholl:
Die Fachberaterinnen waren vor Ort, um aufzuklären und Hilfsangebote vorzustellen. Solche Themen sind uns ein wichtiges Anliegen.
backnang.online:
Ein zentrales Thema bei Frauenrechten ist der Schutz vor häuslicher Gewalt. Welchen Bezug haben Sie zum lokalen Frauenhaus?
Angelika Roth:
Wir sind selbst keine professionelle Anlauf- oder Beratungsstelle, aber wir stehen vollkommen solidarisch an der Seite aller Frauen und unterstützen die Arbeit des Frauenhauses moralisch und durch Aufklärungsarbeit.
backnang.online:
Wie organisieren Sie das Vereinsprogramm und wie viele Mitglieder zählen Sie aktuell?
Maike Scholl:
Bei unseren Stammtischen sammeln wir Ideen, verteilen Aufgaben auf verschiedene Schultern und gestalten so gemeinsam unser Halbjahresprogramm. Das Angebot ist dynamisch und wächst organisch.
Angelika Roth:
Aktuell haben wir zwischen 50 und 60 Mitglieder. Das ist eine wunderbare Mischung aus treuen Frauen der älteren Generation und Neueinsteigerinnen der letzten zwei Jahre. Zwar liegt der Schwerpunkt derzeit bei Frauen ab 50, wir möchten aber auch jüngere Frauen ansprechen.
backnang.online:
Welchen Platz haben Männer bei den Landfrauen?
Angelika Roth:
Männer sind als fördernde Mitglieder herzlich willkommen – wir diskriminieren niemanden! Sie dürfen gerne Vereinsbeiträge zahlen und zu unseren öffentlichen Veranstaltungen mitkommen. Bei der Jahreshauptversammlung haben sie allerdings kein Stimmrecht.
Maike Scholl:
Wenn bei Ausflügen oder Abenden-Veranstaltungen noch Plätze frei sind, sind selbstverständlich Männer willkommen.
backnang.online:
Wie erfahren Interessierte von Ihren Angeboten?
Maike Scholl:
Hauptsächlich über unsere gedruckten Programm-Flyer, Mundpropaganda, Berichte in Medien sowie über unsere Website.
backnang.online:
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Backnanger Landfrauen?
Angelika Roth:
Ich wünsche mir, dass wir weiterhin sichtbar bleiben, uns gesellschaftlich einbringen und Frauen gegenseitig stärken.
Maike Scholl:
Ich hoffe, dass wir noch mehr engagierte Mitglieder gewinnen, die auch bereit sind, Verantwortung im Vorstand zu übernehmen – zum Beispiel bei der Kassenführung oder Schriftführung. Wenn sich die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen, macht es allen noch mehr Freude! Mehr Frauen heißen schlichtweg mehr Spaß!“
backnang.online:
Welche Botschaft möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern zum Abschluss mitgeben?
Angelika Roth:
Mein Appell lautet ganz klar: Frauen, verbündet euch!
Maike Scholl:
Dem schließe ich mich an: Kommt zu uns, bringt euch ein – denn gemeinsam bewegen wir mehr und haben vor allem eine tolle Zeit zusammen!
backnang.online:
Ich bedanke mich für dieses sehr nette und intensive Gespräch. Danke schön.
Redaktion backnang.online | BJ. Lattner