Alle sechs Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an Sepsis
AOK-Versicherte im Rems-Murr-Kreis 2024 in ärztlicher Behandlung
375 AOK-Versicherte im Rems-Murr-Kreis 2024 in ärztlicher Behandlung – schnell tritt oft unterschätzte Todesgefahr ein.
Kommt es durch einen rostigen Nagel zu einer blutenden Verletzung, gelangen gefährliche Keime in die Wunde. Ein solches Bild haben viele Menschen vor Augen, wenn sie an eine Sepsis beziehungsweise Blutvergiftung denken. Und was versteht die Medizin darunter? Dr. med. Ralph Bier, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg, klärt auf: „In Wirklichkeit ist Sepsis ein Zustand, bei dem das eigene Immunsystem außer Kontrolle gerät und beginnt, die eigenen Organe zu zerstören – aus einer simplen Blasenentzündung, einer Lungenentzündung oder einer entzündeten Wunde heraus.“ Eine Sepsis birgt damit eine sehr reelle, jedoch oft unterschätzte Todesgefahr. 2024 befanden sich 375 Versicherte der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr im Rems-Murr-Kreis offiziell in ärztlicher Behandlung. 44 Prozent der Betroffenen waren über 75 Jahre alt.
Hohe Sterblichkeit
In Deutschland stirbt rund alle sechs Minuten ein Mensch an Sepsis. Jährlich gibt es mindestens 85.000 Todesfälle. Weltweit erkranken jedes Jahr schätzungsweise 50 Millionen Menschen an Sepsis. Rund 11 Millionen sterben daran. Das entspricht einer Person alle drei Sekunden.
Entscheidend für die Überlebenschancen ist schnelle medizinische Hilfe. „Für jede Stunde, die eine Behandlung später einsetzt, steigt das Sterberisiko um bis zu sieben Prozent. Wer innerhalb der ersten Stunde behandelt wird, hat eine Überlebenschance von 90 Prozent. Wer fünf Stunden wartet, hat nur noch 60 Prozent“, betont Dr. Bier. Wichtig ist darum: Eine Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall und muss umgehend ärztlich behandelt werden!
Es kann jeden treffen
Sepsis kann aus jeder Infektion entstehen, auch aus einer Erkältung, einem Harnwegsinfekt oder einer OP-Narbe. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Neugeborene sowie Menschen mit Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem.
Eine schnelle Atmung, Verwirrtheit, fleckige Haut und extremes Krankheitsgefühl sind ernstzunehmende Warnzeichen. Sie werden jedoch häufig zu spät erkannt, weil sie den Symptomen anderer Erkrankungen ähneln.
Auch nach einer überstandenen Sepsis können Beschwerden zurückbleiben. Drei von vier Menschen, die eine Sepsis überleben, tragen bleibende Schäden davon: Gedächtnisstörungen, Muskelschwäche, chronische Erschöpfung oder Depressionen – das sogenannte Post-Sepsis-Syndrom. Erst 2012 wurde es als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben. „Rund 55 Prozent der Sepsis-Überlebenden entwickeln bereits im ersten Jahr nach der Erkrankung eine erhöhte psychische Belastung. Mehr als 70 Prozent berichten über schwere Beeinträchtigungen durch das Post-Sepsis-Syndrom – oft, ohne zu wissen, dass ihre Beschwerden mit der damaligen Infektion zusammenhängen“, so Dr. Bier.
Vorbeugende Maßnahmen
Viele Sepsis-Fälle sind vermeidbar. Konsequente Händehygiene, Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sowie das frühe Behandeln von Infektionen können die Entstehung einer Sepsis verhindern. Die WHO schätzt, dass eine konsequente Umsetzung vorbeugender Maßnahmen die Sterblichkeit um bis zu 50 Prozent senken könnte.
Quelle: AOK – Die Gesundheitskasse Ludwigsburg-Rems-Murr Pressestelle
Redaktion backnang.online