Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern in Allmersbach am Weinberg
Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern in Allmersbach am Weinberg

„Aspach im Herzen“ – Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff im Gespräch

Herzblut | Heimatverbundenheit | Kompetenz | Bürgernähe 

Ein Gespräch über tief verwurzelte Heimatverbundenheit, nachhaltige Ortsentwicklung, große Infrastrukturprojekte und die Herausforderungen kommunaler Finanzen.

backnang.online: 
Wir sind heute hier im Wengertschützenhäusle in Allmersbach am Weinberg. Mir gegenüber sitzt Frau Welte-Hauff, Bürgermeisterin von Aspach. Frau Welte-Hauff, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Sabine Welte-Hauff: 
Ja, sehr gerne. Ich bin Sabine Welte-Hauff, 61 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Ich bin in Aspach geboren und aufgewachsen, hier zur Schule gegangen und war anschließend in Backnang auf der Schule. Nach dem Abitur habe ich die Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin absolviert. Danach war ich drei Jahre beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis im Umweltschutzamt tätig, bevor ich 1991 zur Gemeinde Aspach gewechselt bin. Dort habe ich das Bauamt übernommen und war über zwei Jahrzehnte lang Bauamtsleiterin. Seit 2018 bin ich Bürgermeisterin der Gemeinde Aspach. Meine Amtszeit läuft nun aus und ich kandidiere für eine zweite Runde.

Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff
Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff

backnang.online: 
Dann kennen Sie Aspach ja praktisch von Ihren allerersten Gehversuchen an. Von den ersten Atemzügen an – sind Sie auch in Aspach geboren?

Sabine Welte-Hauff: 
Hausgeburt in Aspach, in der Kernerstraße!

backnang.online: 
Das ist stark! Sie kennen die Kommune also in- und auswendig. Ist das ein großes Pfund als Bürgermeisterin?

Sabine Welte-Hauff: 
Es ist für mich tatsächlich von ganz großem Vorteil. Ich kenne die Menschen und die Örtlichkeiten. Wenn es gewisse Themen gibt, weiß ich ganz genau, bei wem ich den Anfang des roten Fadens finde, kann Vernetzung betreiben und auch bei kritischen Themen einen guten Einstieg finden. Ich kann auf Augenhöhe direkt in Gespräche einsteigen. Mich freut es auch sehr, dass diese Verbindungen über all die Jahre bestehen geblieben sind und ich auf diese Weise hier agieren kann.

backnang.online: 
Das heißt also, Sie sind Bürgermeisterin mit Herzblut?

Sabine Welte-Hauff: 
Auf jeden Fall! Durch und durch – Aspach im Herzen.

backnang.online: 
Und die Bürgerinnen und Bürger ebenfalls?

Sabine Welte-Hauff: 
Auf jeden Fall, das gehört alles dazu!

backnang.online: 
Also das große Paket: Landschaft, Menschen und Gemeinschaft.

Sabine Welte-Hauff: 
Genau. Wenn ich Aspach beschreiben muss, nutze ich gerne drei Attribute: Aktiv. Attraktiv. Aspach. Mit dieser Alliteration verbinde ich alles. Aktiv, weil wir eine tolle Bürgerschaft haben, tolle Unternehmen, Landwirte, Winzer und über 50 Vereine und Organisationen. Wir haben Stiftungen, Sponsoren und ein wunderbares Miteinander. Und attraktiv: Wir sitzen hier oben und schauen hinunter nach Allmersbach am Weinberg und ins Backnanger Tal – da sieht man sofort, was ich mit Attraktivität meine. Das macht Aspach aus!

backnang.online: 
Finden Sie, dass es ausreicht, wenn eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister eineinhalb Stunden im Monat für eine Bürgersprechstunde reserviert?

Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff in Aspach- Großaspach Hohrot im Gespräch
Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff in Aspach- Großaspach Hohrot im Gespräch

 

Sabine Welte-Hauff: 
Ich mache meine Bürgersprechstunde täglich – immer und auch am Wochenende. Ich bin in der Gemeinde unterwegs, bei sämtlichen Veranstaltungen, ich kaufe im Ort ein. Ich bin ständig ansprechbar und auf Augenhöhe erreichbar. Als ich meine Amtszeit angetreten habe, ist meinen Kindern aufgefallen: Wenn ich samstags vom Einkaufen zurückkomme, brauche ich mindestens ein bis zwei Stunden länger, weil ich mich sehr gerne direkt vor Ort mit den Bürgern austausche. Ich möchte nicht nur ein Angebot zu einer festen Zeit machen. Die Menschen wissen, dass sie mich jederzeit und überall ansprechen können.

backnang.online: 
Nun haben Sie eine Flächengemeinde. Wie viele Ortsteile gehören eigentlich zu Aspach?

Sabine Welte-Hauff: 
Wir haben die vier Ortsteile Großaspach, Allmersbach am Weinberg, Rietenau und Kleinaspach sowie insgesamt 20 Höfe und Weiler. Das sind 3.549 Hektar Fläche und ungefähr ein Drittel davon ist Wald. Wir haben rund 60 Kilometer Straßen, 80 Kilometer Feldwege und etwa 75 Kilometer Wasserleitungen, die uns verbinden. Da kann man sich vorstellen, was so eine Flächengemeinde im Aufgabenbereich bewegen muss.

backnang.online: 
Wir sitzen hier an einem Ort, an dem Sie auch Trauungen unter freiem Himmel vornehmen können. Wie kam es dazu?

Sabine Welte-Hauff: 
Wir hatten seither nur unser klassisches Trauzimmer im Rathaus. Zunehmend gab es aber bei den umliegenden Kommunen Angebote für Trauungen im Freien. Da haben wir uns überlegt: Das wollen wir auch! Wo finden wir einen wunderschönen Platz? Den haben wir hier beim Wengertschützenhäusle gefunden. Seit ungefähr einem Jahr haben wir die Genehmigung. Unsere Standesbeamtin hat alle Hände voll zu tun – sie muss inzwischen sogar regulieren, sodass vorrangig Aspacher hier heiraten können, weil die Anfrage von außerhalb so groß ist.

backnang.online: 
Ein wichtiges Thema ist Wasser. Mir ist aufgefallen, dass das Brunnenwasser von Aspach nach Burgstall gepumpt wird. Ist das nicht ein hoher Aufwand?

Sabine Welte-Hauff: 
Wir haben hier eine interkommunale Wasserkonzeption, die Nordost-Württembergische Wasserversorgung (NOW). Sechs Kommunen, ein Stadtwerk und drei Zweckverbände sind dabei. Alle bringen ihr Wasser nach Burgstall ins Wasserwerk. Dort werden täglich 6,9 Millionen Liter Frischwasser bereitgestellt und in die jeweiligen Kommunen zurückgeführt. Wir liefern sehr viel Wasser, da wir viele Quellen und Tiefbrunnen haben. Aktuell sind wir dabei, unsere Eigenwasserleitungen weiter auszubauen. In Rietenau setzen wir einen großen, 10 Meter höheren Hochbehälter um. Insbesondere in Allmersbach am Weinberg ist der Wasserdruck im zweiten Stock manchmal noch ein Thema – da hilft der neue Hochbehälter im Schönenbühl, auch für die Löschwasserbevorratung.

backnang.online: 
Wie ist Ihr Konzept beim Thema Nachverdichtung und Baulücken?

Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff und Bürgerinnen und Bürgern in Aspach-Fürstenhof

 

Sabine Welte-Hauff: 
Ich pflege einen sehr ressourcenschonenden Umgang. Im Jahr 2023 haben wir ein kleines Baugebiet am Stegmühlenweg mit zehn bis elf kommunalen Bauplätzen ausgewiesen. Ich gehe nicht groß auf Vorratshaltung. Wir müssen rechtzeitig Flächen ausweisen, damit junge Familien Perspektiven haben. Wir berücksichtigen dabei alle vier Ortsteile der Reihe nach. Bei unserem neuen Projekt in der Jahnstraße wollen wir barrierefreie, altersgerechte Wohnungen anbieten. Wir merken nämlich, dass ältere Bürgerinnen und Bürger ihre Häuser mit Garten gerne abgeben würden, ihnen aber kleinere, altersgerechte Wohnungen im Ort fehlen. Wenn wir dieses Angebot schaffen, können junge Familien die Bestandsgebäude übernehmen. So verhindern wir, dass wir immer neue Baugebiete auf der grünen Wiese ausweisen müssen.

backnang.online: 
Und wie steht es um die Gewerbegebiete?

Sabine Welte-Hauff: 
Ich denke auch hier kommunal und interkommunal. Mit der Stadt Backnang sind wir am interkommunalen Gebiet Lerchenäcker beteiligt – Aspach hält dort 40 % Anteil an den 42 Hektar Industrie- und Gewerbefläche. In den Ortsteilen gibt es immer wieder Umnutzungen und Nachverdichtungen. Durch die Neuverlegung beziehungsweise die neue Fahrspur der B 328 erhoffen wir uns zudem eine kleine Gewerbefläche von ca. 4 Hektar im Anschluss an das Gewerbegebiet Forstboden, um die lokale Nachfrage abzudecken.

backnang.online: 
Aktuell gibt es erhebliche Einschränkungen durch die Sperrung der B 328 zwischen Backnang und Aspach. Wie ist der Stand bei der Sanierung der Klöpferbachbrücke?

Sabine Welte-Hauff: 
Die Klöpferbachbrücke ist eine Kreisbrücke aus dem Jahr 1936. Sie ist im Untergrund marode und der Landkreis hat einen Ersatzneubau angekündigt. Eine Sanierung ist nicht mehr möglich. Die alte Brücke muss komplett raus und in 5,50 Metern Tiefe müssen neue Gründungen gesetzt werden. Wir planen seit ein bis zwei Jahren gemeinsam mit dem Landkreis. Die Maßnahme wird etwa zehn bis zwölf Monate dauern. Aufgrund der engen Ortslage gibt es kaum Arbeitsraum. Wir prüfen derzeit Fertigbauteile und hoffen auf eine Behelfsbrücke für Fußgänger, damit der Ortskern und unser Einzelhandel erreichbar bleiben. Sobald der Landkreis die Brückendecke fertiggestellt hat, übernimmt die Gemeinde den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen, die Anpassung der Randflächen sowie Sanierungsarbeiten an den Wasser- und Abwasserleitungen unter der Hauptstraße.

backnang.online: 
Beim Thema Wald wirken Sie sehr pragmatisch. Sie setzen darauf, dass die Fachkräfte vor Ort oft am besten Bescheid wissen.

Waldbegehung der Kreuzhalde mit den Forstamt Rems-Murr-Kreis | © BJ. Lattner

 

Sabine Welte-Hauff: 
Unsere Handwerker und Bürger sind oft die besten Experten vor Ort. Beim Baugebiet Kreuzhalde im Wald ziehen wir beispielsweise Gräben, damit das Wasser nicht blitzartig abläuft, sondern stehen bleibt und den Bäumen im heißen Sommer Feuchtigkeit spendet. Herr Bek als Oberförster und Herr Bay als Baggerfahrer ergänzen sich da perfekt – der eine bringt das Fachwissen mit, der andere setzt es pragmatisch um. Auch Bäume im Straßenraum sind mir wichtig. Wir gehen dazu über, Baumgruppen zu pflanzen statt Einzelbäumen, da diese schattenspendender und überlebensfähiger sind.

backnang.online: 
Wie steht es um die Finanzlage der Gemeinde Aspach?

Sabine Welte-Hauff: 
Auch wir gehören zu den Kommunen mit einem strukturellen Defizit im Ertragshaushalt – bei uns liegt es aktuell bei etwa - 2,4 Millionen Euro bei einem Gesamthaushalt von ca. 25 Millionen Euro. Aber wir stehen trotzdem gut da, weil wir in den letzten Jahren sehr viel in die Tiefbau-Infrastruktur investiert haben: Kläranlagenerweiterung, Wasserversorgung, Breitbandausbau und Nahwärmenetze. Diese Basis ist zukunftssicher. Anstehende Vorhaben im Hochbau, wie bei den Schulen oder der Feuerwehr, gehen wir nun moderat an. Ohne Fördermittel vom Land lässt sich das allerdings nicht bewältigen. Bei den Steuern hat sich der Gemeinderat ausgesprochen, nach der Grundsteuerreform sowie bei der Gewerbesteuer vorerst keine Erhöhungen vorzunehmen, um Familien und Unternehmen nicht noch weiter zu belasten.

backnang.online: 
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat?

Sabine Welte-Hauff: 
Wir pflegen einen sehr konstruktiven Stil. Der Gemeinderat ist das Hauptorgan der Gemeinde. Wir diskutieren sachbezogen, manchmal auch hart in der Sache, aber wir verstreiten uns nicht. Wir brauchen den Dreiklang aus Bürgern/Vereinen/Unternehmen, dem Gemeinderat und der Verwaltung. Nur so bleibt eine Gemeinde nicht stehen. Parteipolitik spielt bei uns im Gemeinderat glücklicherweise kaum eine Rolle.

backnang.online: 
Frau Welte-Hauff, bitte geben Sie uns Ihr Schlusswort.

Sabine Welte-Hauff:
Ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch. Ich kandidiere erneut, weil ich die Kraft, die Erfahrung und große Lust habe, die Aufgaben dieser Gemeinde in den kommenden acht Jahren weiterzuführen – gemeinsam mit der Bürgerschaft, den Vereinen, der Wirtschaft und dem Gemeinderat. Ich sehe der Zukunft mit großer Zuversicht entgegen!

backnang.online: 
Frau Welte-Hauff, ich wünsche Ihnen weiterhin einen fairen Wahlkampf auf Augenhöhe und alles Gute. Vielen Dank für das Gespräch!

Sabine Welte-Hauff: 
Vielen Dank!

Redaktion backnang.online BJ. Lattner

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