Interview mit Eva Doxara, Leiterin der Volkshochschule Backnang e. V.
Volkshochschule Backnang | Wahl-Backnangerin | Technologie und Wissenschaft | Kursangebote
Wir sind heute hier bei der Leiterin der Volkshochschule Backnang e. V. Frau Eva Doxara, die mir gegenübersitzt.
backnang.online:
Frau Doxara, bitte stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.
Eva Doxara:
Vielen Dank für die Einladung! Ich komme ursprünglich aus Griechenland und lebe seit 2015 in Deutschland, seit 2018 in Backnang. Ich habe Germanistik studiert und bin seit rund zehn Jahren an Volkshochschulen tätig, vor allem als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache. An der VHS Backnang arbeite ich seit 2022. Im Januar 2024 habe ich die Leitung des Fachbereichs Sprachen übernommen, seit April 2026 leite ich die Volkshochschule als Nachfolgerin von Frau Eckert.
Meine Verbindung zu Deutschland besteht schon seit meiner Kindheit, weil ein Teil meiner Familie hier lebt. Während meines Studiums war ich außerdem für einige Monate an der Universität Tübingen. Dauerhaft nach Deutschland bin ich schließlich der Liebe wegen gekommen – mein Mann stammt aus Backnang. Inzwischen haben wir hier unsere Familie gegründet und fühlen uns sehr zu Hause.
backnang.online:
Ein bemerkenswerter Werdegang! Bis zu welchem Alter haben Sie in Griechenland gelebt?
Eva Doxara:
Bis zu meinem 32. Lebensjahr. Ich habe dort mein Studium abgeschlossen. Der Wunsch, in Deutschland zu leben, war aber schon länger da. Mein Mann hatte ebenfalls in Griechenland studiert und wollte als Ingenieur zurück in die Region Stuttgart. Deshalb fiel uns die Entscheidung leicht. Ehrlich gesagt war ich sogar die treibende Kraft hinter dem Umzug, weil mir die Region und die Kultur bereits vertraut waren. Als Germanistin fand ich dann schnell den Einstieg in die Arbeit an der Volkshochschule.
backnang.online:
Kann man Sie somit als Wahl-Backnangerin bezeichnen, die sich hier vollkommen zu Hause fühlt?
Eva Doxara:
Absolut! Ich habe hier meine Familie gegründet und mein Leben aufgebaut. Backnang bietet uns als Familie eine hohe Lebensqualität. Durch meine Arbeit an der Volkshochschule begegne ich Menschen ganz unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lebensgeschichten. Im Gespräch erfahren wir, was sie interessiert und welche Angebote sie sich wünschen. Diese Anregungen nehmen wir in unsere Programmplanung auf. Das macht die Arbeit für mich so abwechslungsreich und lebendig.
backnang.online:
Das erinnert mich an eine Begegnung mit einem älteren Professor aus Südamerika, der mit über 70 Jahren Deutsch lernte, um Goethe und Faust im Original lesen zu können.
Eva Doxara:
Das ist ein schönes Beispiel! Wer eine Sprache lernt, bekommt auch einen Zugang zur Kultur, zur Geschichte und zur Denkweise eines Landes. Das habe ich in meinen Sprachkursen immer wieder erlebt. Und die Geschichte zeigt auch: Fürs Lernen ist man nie zu alt.
backnang.online:
Im April haben Sie die Nachfolge von Frau Eckert angetreten. Wie gestaltete sich der Übergang von der Dozentenrolle hin zu Leitungs- und Repräsentationsaufgaben?
Eva Doxara:
Frau Eckert hat mich sehr gut eingearbeitet. Wir hatten schon im Fachbereich Sprachen eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Sie hat großartige Arbeit geleistet und die Volkshochschule über viele Jahre geprägt. Ihre Nachfolge anzutreten, bedeutet mir viel und bringt natürlich Verantwortung mit sich. Als Leiterin kümmere ich mich stärker um Organisation, Verwaltung und die Weiterentwicklung der VHS. Besonders wichtig bleibt mir dabei der persönliche Austausch – im Team und mit den Menschen, die zu uns kommen. Auch wenn ich selbst keine Kurse mehr unterrichte, arbeite ich intensiv an der Programmplanung mit und betreue weiterhin die Fachbereiche Beruf, Arbeit und Gesundheit.
backnang.online:
Als Leiterin prägen Sie nun auch das öffentliche Bild der Volkshochschule. Welchen Stellenwert besitzt die Öffentlichkeitsarbeit für Sie?
Eva Doxara:
Einen sehr hohen. Wir möchten zeigen, wie vielfältig unser Angebot ist, und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Deshalb sind wir bei Veranstaltungen wie dem Neubürgerempfang, dem Gänsemarkt oder dem Tag der offenen Tür dabei.
Auch in den sozialen Medien möchten wir sichtbarer werden und mehr Menschen erreichen. Dabei arbeiten wir eng mit dem VHS-Verband und regionalen Partnern zusammen.
Das persönliche Gespräch ist mir besonders wichtig. Wir haben deshalb unsere Öffnungszeiten so angepasst, dass Interessierte auch nachmittags vorbeikommen und sich beraten lassen können.
backnang.online:
Sie präsentieren das neue Programmheft auf dem Wochenmarkt.
Eva Doxara:
Genau, das gehört einmal pro Semester fest dazu. Wir sind auch beim Kinderfest dabei und veranstalten gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg das Arzt-Patienten-Forum mit Vorträgen zu medizinischen Themen. Bei diesen Gelegenheiten bin ich meistens selbst vor Ort. Ich freue mich, wenn Menschen uns ansprechen, Fragen stellen oder Ideen mitbringen.
backnang.online:
Das persönliche Gespräch rangiert bei Ihnen somit an erster Stelle?
Eva Doxara:
Ja, das persönliche Gespräch ist mir besonders wichtig. Ob jemand einen Sprachkurs sucht, seine IT-Kenntnisse erweitern möchte oder sich für Gesundheit und Ernährung interessiert: In einem Gespräch können wir gemeinsam herausfinden, welches Angebot passt. Wer schon weiß, welchen Kurs er besuchen möchte, soll sich unkompliziert anmelden können. Wer noch Fragen hat, bekommt bei uns eine persönliche Beratung.
backnang.online:
Wie definieren Sie Ihr Qualitätsmanagement konkret?
Eva Doxara:
Qualität beginnt bei gut qualifizierten Dozentinnen und Dozenten. Gemeinsam besprechen wir, was die Teilnehmenden im Kurs lernen sollen und wie der Unterricht gestaltet wird. Unsere Angebote sollen außerdem leicht zugänglich und bezahlbar sein. Auch Menschen, die länger keinen Kurs besucht haben, sollen sich bei uns willkommen fühlen. Nach den Kursen schauen wir uns die Rückmeldungen der Teilnehmenden genau an. Auch Online-Bewertungen und Hinweise unserer Partner helfen uns, die Angebote zu verbessern und herauszufinden, was in der Region noch fehlt.
backnang.online:
Die Vorkenntnisse der Kursteilnehmer fallen naturgemäß unterschiedlich aus. Wie gehen Sie mit diesem Spektrum um?
Eva Doxara:
Wir schauen auf die Voraussetzungen, die jemand für den jeweiligen Kurs mitbringt. Eine Person kann zum Beispiel gerade erst anfangen, Deutsch zu lernen, und gleichzeitig viel berufliche Erfahrung oder ein abgeschlossenes Studium mitbringen. Deshalb ist es wichtig, Menschen nicht nur nach ihren Kenntnissen in einem einzelnen Bereich zu beurteilen. Alle bringen unterschiedliche Erfahrungen und Stärken mit. Genau das macht die Arbeit an der Volkshochschule so bereichernd.
backnang.online:
Wäre ein rein digitales Kursangebot für die Zukunftsfähigkeit der VHS denkbar?
Eva Doxara:
Für unsere VHS sehe ich die Zukunft in einer Verbindung aus Kursen vor Ort und digitalen Angeboten. Die persönliche Begegnung gehört für mich zur Volkshochschule dazu. Online-Kurse sind aber eine wichtige Ergänzung, gerade für Berufstätige oder Menschen mit familiären Verpflichtungen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen können wir zusätzliche Angebote ermöglichen. Dazu gehören auch kostenfreie Online-Veranstaltungen zur Verbraucherbildung. Entscheidend ist, dass Interessierte das Format wählen können, das zu ihrem Alltag und ihren Bedürfnissen passt.
backnang.online:
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie bei der Weiterentwicklung des Programms?
Eva Doxara:
Wir möchten verschiedene Themen stärker miteinander verbinden, zum Beispiel Sprachkurse und kulturelle Angebote. Außerdem bauen wir unser Programm für Familien und Erwachsene aus. Für die kommenden Sommerferien planen wir Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die flexibel wochenweise gebucht werden können.
backnang.online:
Im aktuellen Programmheft fällt die geplante Besichtigung des „HyLab“ ins Auge. Spiegelt sich darin eine verstärkte Zuwendung zu technischen und innovativen Themen wider?
Eva Doxara:
Ja, und das Interesse daran ist erfreulich groß! Wir möchten den Menschen Einblicke in neue Entwicklungen geben und Technik und Wissenschaft verständlich und erlebbar machen. Bevor wir ein neues Angebot aufnehmen, prüfen wir, ob es zu unserem Bildungsauftrag passt. Anschließend klären wir mit den Partnern, wie es umgesetzt werden kann. Solche Angebote möchten wir künftig weiter ausbauen.
backnang.online:
Angesichts allgemeiner Sparzwänge in öffentlichen Institutionen – ist die Volkshochschule Backnang von solchen Konsolidierungsmaßnahmen ebenfalls betroffen?
Eva Doxara:
Der Spardruck beschäftigt derzeit viele öffentliche Einrichtungen und auch uns. Trotzdem blicke ich zuversichtlich nach vorn. Wir müssen sorgfältig planen und mit den verfügbaren Mitteln verantwortungsvoll umgehen. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass auch viele Menschen und Familien stärker auf ihre Ausgaben achten müssen. Eine Weiterbildung muss für sie bezahlbar bleiben. Beides zusammenzubringen, ist eine wichtige Aufgabe.
backnang.online:
Befürchten Sie personelle Sparmaßnahmen innerhalb der Volkshochschule?
Eva Doxara:
Mein Ziel ist es, solche Maßnahmen zu vermeiden. Unser Team leistet sehr gute Arbeit, und ich möchte es vollständig halten. Deshalb arbeiten wir daran, ein attraktives Programm anzubieten, das nachgefragt wird und für gut besuchte Kurse sorgt.
backnang.online:
Welches Leitbild verfolgen Sie für die Zukunft der Volkshochschule Backnang?
Eva Doxara:
Ich wünsche mir, dass die Menschen in Backnang und der Umgebung unsere Volkshochschule als einen offenen Ort erleben, an dem sie Neues lernen, anderen begegnen und sich weiterentwickeln können.
Dabei steht die Qualität unserer Angebote für mich im Mittelpunkt. Dazu gehören gut qualifizierte Dozentinnen und Dozenten, eine persönliche Beratung und Kurse, in denen die Teilnehmenden etwas lernen, das sie weiterbringt. Ihre Rückmeldungen helfen uns, unser Programm laufend zu verbessern.
Wir verbinden bewährte Angebote mit neuen Themen, etwa Künstlicher Intelligenz. Wir möchten verständlich zeigen, welche Möglichkeiten solche Technologien bieten und wie man sie kritisch und sinnvoll nutzen kann. Auch digitale Prüfungsformate werden künftig schrittweise dazukommen.
Mein Ziel ist, dass die Menschen wissen: Bei der VHS finde ich ein hochwertiges Angebot, das zu meinen Interessen und meinem Alltag passt – in jedem Lebensabschnitt.
Redaktion backnang.online | BJ. Lattner