Gemeinsam Gesundheitsversorgung im Rems-Murr-Kreis zukunftsfest gestalten
Kommunale Gesundheitskonferenz setzt wichtige Impulse für eine gute und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung im Landkreis
Am 15. Oktober 2026 kam die Kommunale Gesundheitskonferenz des Rems-Murr-Kreises unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Landrat Dr. Richard Sigel, zum 13. Mal zusammen. Diskutiert wurden in dem Fachgremium aus Ärztinnen und Ärzten, Klinikvertretern, Pflegefachkräften, Krankenkassen und Verwaltung aktuelle Gesundheitsthemen.
Basisbericht zur gesundheitlichen Situation der Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis:
Das Gesundheitsamt hat erstmals einen Basisbericht zur gesundheitlichen Situation der Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis veröffentlicht. Der Bericht bündelt Daten zu Bevölkerungsentwicklung und Lebensbedingungen, zur medizinischen und pflegerischen Versorgung, zum Gesundheitszustand sowie zur Kindergesundheit. „Der neue Basisbericht liefert uns eine wichtige Grundlage, um gesundheitliche Bedarfe frühzeitig zu erkennen und unsere Angebote gezielt weiterzuentwickeln. Zugleich müssen wir angesichts des demografischen Wandels, der Herausforderungen für unsere Kliniken und zunehmender Hitzebelastungen gemeinsam dafür sorgen, dass die Menschen im Rems-Murr-Kreis auch künftig gut, wohnortnah und verlässlich versorgt sind.“, so Landrat Richard Sigel.
Zentrale Handlungsfelder Sicherung ambulanter Versorgung, Weiterentwicklung Pflegestrukturen sowie Kindergesundheit
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Altersstruktur der Bevölkerung: Im Jahr 2025 waren 7,3 Prozent der Menschen im Rems-Murr-Kreis 80 Jahre oder älter, der Landeswert liegt bei 6,7 Prozent. Nach der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung kommen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter in den Jahren 2036 und 2037 voraussichtlich rund 48 Menschen ab 65 Jahren, derzeit sind es 39. Der höchste Wert wird damit bereits Mitte der 2030er-Jahre erwartet; bis 2045 sinkt er der Vorausberechnung zufolge leicht auf rund 47. Damit gewinnen wohnortnahe Angebote der medizinischen Versorgung, Pflege, Beratung und Unterstützung für ein möglichst selbstständiges Leben im Alter weiter an Bedeutung.
Auch zur Kindergesundheit liefert der Bericht wichtige Hinweise. Bei den Einschulungsuntersuchungen 2022/23 hatten 92,1 Prozent der Kinder die Vorsorgeuntersuchungen U3 bis U6 lückenlos wahrgenommen; im Landesdurchschnitt waren es 94,0 Prozent. Bei Kindern mit vorgelegtem Impfnachweis lag die Impfquote gegen Masern bei 95,6 Prozent. Damit wird die für einen Gemeinschaftsschutz gegen Masern angestrebte Quote von mindestens 95 Prozent erreicht. Die FSME-Impfquote betrug 28,3 Prozent und lag damit unter dem Landeswert von 31,8 Prozent. Da der Rems-Murr-Kreis ein FSME-Risikogebiet ist, bleiben Informationen zum Zeckenschutz und zur individuellen STIKO-Impfempfehlung besonders relevant.
Der Bericht benennt als zentrale Handlungsfelder eine kleinräumige und soziallagenbezogene Planung, die Sicherung der ambulanten Versorgung, die Weiterentwicklung von Pflege- und Unterstützungsstrukturen sowie die Stärkung von Prävention, Kindergesundheit und Impfschutz. Der Basisbericht wird im Rahmen der Sitzung des Sozialausschusses am 23.11.2026 veröffentlicht und steht dann auch über das Bürgerinformationsportal des Landratsamts zur Verfügung.
Daueraufgabe: Qualität der medizinischen Versorgung dauerhaft sichern:
Ein zentrales Thema bleibt weiterhin die medizinische Versorgung im Kreis. Herr Dr. Christian Schliep, Klinikleiter des Rems-Murr-Klinikums Winnenden, berichtete über die konkreten Folgen der jüngsten Krankenhaus- und Notfallreform, die auch den Rems-Murr-Kreis und die Rems-Murr-Kliniken vor enorme Herausforderungen stellten. Zur Krankenhausreform, die unter anderem die von Kliniken angebotenen Leistungen neu regeln wird, kommt ab 2027 noch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu Gunsten der gesetzlichen Krankenkassen, welches Kliniken wirtschaftlich stark belastet, indem zum Beispiel die Kontrollen durch den Medizinischen Dienst verschärft werden. Ein Lichtblick könnte hingegen die 2027 in Kraft tretende Notfallreform sein, die Entlastung für Klinik-Notaufnahmen verspricht. Hier stehen Rückmeldungen seitens der Politik zu konkreten Effekten noch aus.“ Gemeinsames Ziel von Kreis und Kliniken müsse es sein, Qualität und Erreichbarkeit der medizinischen Versorgung dauerhaft zu sichern, hieß es in der Sitzung.
Ausblick: Gesund vernetzt und Hitzeaktionsplan
Wie eine bedarfsgerechte Versorgung vor Ort durch vernetzte und niedrigschwellig zugängliche Angebote gestärkt werden kann, zeigt auch das Projekt „Gesund vernetzt – Gesundheitskompetenz kreisübergreifend stärken“. Es umfasst zwei Bausteine: ein niedrigschwelliges psychosoziales Beratungsangebot in Alfdorf, Kaisersbach, Durlangen, Spraitbach und Gschwend sowie den Aufbau einer digitalen Übersicht über soziale und gesundheitliche Angebote im Rems-Murr-Kreis und im Ostalbkreis. Dieses unterstützt Fachkräfte und die Bevölkerung dabei, passende Angebote zu finden.
Unter den immer heißeren Sommertemperaturen leiden insbesondere Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke. Als Baustein des Klimaanpassungskonzeptes des Landkreises erstellt das Landratsamt bis Mai 2027 ein Hitzeaktionsplan. Dieser formuliert Handlungsempfehlungen für u. a. Kindergärten, Grundschulen, Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser, um zukünftigen Hitzesommern besser begegnen zu können.
Quelle: Landratsamts Rems-Murr-Kreis
Redaktion backnang.online