Reformationstag 2026 in der Stiftskirche
Licht statt Grusel
Am Sonntag, 1. November 2026, wird in der Stiftskirche um 10:00 Uhr das Reformationsfest gefeiert. Im Mittelpunkt steht eine Liedpredigt über Martin Luthers berühmtes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“, das wie kaum ein anderes für die Botschaft der Reformation steht. Grundlage der Predigt ist die Frage, was Menschen heute angesichts von Unsicherheit, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen Halt und Orientierung geben kann. Dabei wird Luthers Lied nicht als Kampfgesang verstanden, sondern als Ausdruck von Vertrauen, Freiheit und Hoffnung.
Der Reformationstag erinnert an ein Ereignis, das Europa nachhaltig verändert hat. Nach der Überlieferung veröffentlichte Martin Luther am Vorabend von Allerheiligen 1517 seine 95 Thesen in Wittenberg. Der Termin war bewusst gewählt: Zum Allerheiligenfest kamen zahlreiche Pilger in die Stadt. So erreichte seine Kritik an Missständen in Kirche und Gesellschaft eine besonders große Öffentlichkeit.
Fast 510 Jahre später steht der 31. Oktober erneut im Spannungsfeld öffentlicher Aufmerksamkeit. Für viele Menschen ist das Datum heute vor allem mit Halloween verbunden. Kürbisse, Kostüme und Gruselpartys prägen das Bild in Geschäften und sozialen Medien. Der Reformationstag droht dagegen oft in den Hintergrund zu geraten.
Gerade deshalb lohnt sich die Frage: Was kann der Reformationstag im Jahr 2026 leisten? Ist er ein Tag zum Gruseln in der dunklen Herbstzeit? Oder ein Tag, an dem das Licht der Reformation neu aufleuchtet? Die Reformatoren wollten Menschen von Angst und Bevormundung befreien und sie ermutigen, selbst zu denken, Fragen zu stellen und auf Gottes Zusage zu vertrauen. In einer Zeit, in der viele gesellschaftliche Debatten von Verunsicherung, Polarisierung und dem Verlust von Vertrauen geprägt sind, bleibt diese Botschaft überraschend aktuell.
Auch die Stiftskirche steht für diesen Gedanken. Sie ist nicht nur ein historischer Ort des Glaubens, sondern ein Raum, in dem Menschen bis heute nach Orientierung, Gemeinschaft und Hoffnung suchen. Die Liedpredigt über „Ein feste Burg“ erinnert daran, dass die Reformation nicht zuerst eine Feier vergangener Geschichte ist. Sie ist eine Einladung, das Vertrauen auf Gottes Gegenwart mitten in den Herausforderungen der Gegenwart neu zu entdecken.
So wird der Reformationstag in der Stiftskirche zu mehr als einer historischen Erinnerung: zu einem Fest des Lichts gegen die Angst, der Hoffnung gegen die Resignation und der Freiheit des Glaubens gegen alles, was Menschen klein macht.
Reformationsgottesdienst mit Liedpredigt „Ein feste Burg ist unser Gott“
Sonntag, 1. November 2026, 10:00 Uhr | Stiftskirche Backnang
Quelle: Stiftskirchengemeinde Backnang Pfarrer Thorsten Volz
Redaktion backnang.online