Hans-Joachim Renz, vor der Orgel in der Backnanger Stiftskirche | BJ. Lattner
Hans-Joachim Renz, vor der Orgel in der Backnanger Stiftskirche | BJ. Lattner


Interview mit dem Bezirkskantor Hans-Joachim Renz

Werdegang | Kirchenmusik | Sanierung der Stiftskirchen-Orgel | Zukunftsperspektiven

Die Orgel ist ein lebendiges Instrument

Wir sind heute hier an der Orgel in der Backnanger Stiftskirche, mir gegenüber sitzt Hans-Joachim Renz, Bezirkskantor für den gesamten Kirchenbezirk Backnang.

backnang.online: 
Herr Renz, Sie sind bereits seit 1996 als Organist und Kantor an der Evangelischen Stiftskirche Backnang tätig. Wie hat bei Ihnen alles angefangen?

Hans-Joachim Renz: 
Da ich ihn Kirchberg an der Murr aufgewachsen bin, stamme ich direkt aus der Region. Die Kirchenmusik wurde mir quasi in die Wiege gelegt: Mein Vater war nebenamtlicher Organist und Chorleiter, meine Mutter leitete den Beerdigungschor, meine Tante baute eine große Kinderchorarbeit auf und mein Onkel leitete den Posaunenchor – alles ehrenamtlich. Ich war schließlich der Erste in der Familie, der diesen Weg hauptberuflich eingeschlagen hat. 
Nach der Grundschule ging ich in Backnang auf das Max-Born-Gymnasium. Schon als Schüler war ich darum regelmäßig in der Stiftskirche zu Gottesdiensten und Konzerten. Damals dachte ich mir bereits: „Das wäre eine wunderschöne Wirkungsstätte für mich.“ Nach dem Zivildienst und dem Studium der Kirchenmusik in Trossingen sowie einem Praktikum in Schwäbisch Hall bewarb ich mich auf die ausgeschriebene Stelle in Backnang. Als die Zusage kam, war die Freude riesig. Seit Oktober 1996 bin ich nun hier – mittlerweile seit fast 30 Jahren.

backnang.online: 
Wie gestalten sich Ihre Aufgaben zwischen der Stiftskirche und dem Kirchenbezirk?

Hans-Joachim Renz: 
Meine Stelle teilt sich auf: Zu 60 Prozent bin ich Organist und Kantor an der Stiftskirche, die übrigen 40 Prozent entfallen auf meine Funktion als Bezirkskantor für den gesamten Kirchenbezirk Backnang. Zu den Aufgaben als Bezirkskantor gehören Verwaltungsarbeiten, die Fachberatung für Gemeinden und Pfarrer sowie die Betreuung und Ausbildung von nebenamtlichen Organisten und Chorleitern.

backnang.online: 
Kirchenmusik wird oft vor allem mit klassischen Orgelklängen verbunden. Wie breit ist Ihr Repertoire tatsächlich?

Hans-Joachim Renz | © BJ. Lattner
Hans-Joachim Renz | © BJ. Lattner

 

Hans-Joachim Renz: 
Sehr breit! Neben der klassischen Chor- und Orgelliteratur von Schütz, Bach und Händel bis hin zur Romantik mit Mendelssohn, Brahms oder Reger gehört die Popularmusik ganz selbstverständlich dazu. Bei Konfirmationen, Jugendgottesdiensten, im Gospelchor oder bei Kindermusicals setzen wir regelmäßig auf Jazz, Pop und bei Gospelkonzerten und großen Kindermusicals auf vollständige Bandbesetzungen mit E-Piano, Schlagzeug, E-Bass, Gitarre und Saxophon.

backnang.online: 
Ein wichtiges Thema in Ihrer Gemeinde ist die bevorstehende Sanierung der Orgel. Wo liegt das Problem?

Hans-Joachim Renz: 
Das Instrument ist von 1958, also knapp 70 Jahre alt. Das darin verarbeitete Leder an den Blasebälgen und Dichtungen wird im Laufe der Jahrzehnte spröde und rissig. Das führt zu spürbarem Windverlust und Pfeifgeräuschen. Handeln wir nicht, ist die Orgel irgendwann nicht mehr spielbar.

backnang.online: 
Wie sehen Kostenrahmen und Zeitplan aus?

Hans-Joachim Renz: 
Wir sprechen von einem sechsstelligen Betrag, den wir komplett über Spenden finanzieren müssen. Da spezialisierte Orgelbauer lange Wartelisten haben, rechnen wir mit einer Umsetzung um das Jahr 2029. Wir sammeln dafür bereits intensiv über Benefizveranstaltungen – etwa ein geplantes Konzert für Querflöten und Harfen in Kooperation mit der Jugendmusik- und Kunstschule.

backnang.online: 
Vor welchen Herausforderungen steht die Kirchenmusik in den kommenden Jahren?

Hans-Joachim Renz: 
Die gewohnten Strukturen verändern sich. Es wird schwieriger, Menschen langfristig an wöchentliche Chorproben zu binden, und es fehlen vor allem Männerstimmen. Sehr gut funktionieren dagegen zeitlich begrenzte Projektchöre, etwa im Gospel- oder Worship-Bereich. Auch bei Kinderchören müssen wir mit Blick auf den Ausbau von Ganztagsschulen neue Wege finden, um die Nachwuchsarbeit zu sichern.

backnang.online: 
Welche Bedeutung hat das Gotteshaus selbst für diese Arbeit?

Hans-Joachim Renz: 
Die Stiftskirche ist und bleibt ein zentraler Ort des Glaubens und der Kultur. Mir ist wichtig zu betonen: Sie ist keine gewöhnliche Konzerthalle. Die Musik, die hier erklingt – egal in welchem Stil –, soll spirituelle Räume öffnen und letztlich zur Ehre Gottes geschehen. 

backnang.online: 
Herr Renz, herzlichen Dank für das Gespräch!

Link zum Konzert mit Querflöte und Harfe in die Stiftskirche St. Pankartius am 7. November 2026

Redaktion: backnang.online | BJ. Lattner 

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