Der Balken im eigenen Auge – Pistorius will mit starker Armee Moskau abschrecken
Leserbrief von Friedrich Gehring
Minister Pistorius rezitiert mit seiner Militärstrategie die Desinformationen der Zeitenwendepolitik. Trump schrieb zutreffend am 16.3.2023 als Kritik an Bidens „proxy battle“ (Stellvertreterkrieg) in der Ukraine: „The greatest threat (…) today is not Russia. It's (…) ourselves and some (…) people that represent us“ (Die größte Bedrohung heute ist nicht Russland.
Es sind … wir selbst und einige … Leute, die uns repräsentieren). Nun beweist er selbst, dass dies stimmt. Dennoch will Pistorius ihn nachahmen und Deutschland zur größten Miltärmacht Europas machen. Mit diesem Plan kann er Putin nicht abschrecken. Dieser kann mit seinen nicht abfangbaren Oreschnikraketen ukrainische Waffenfabriken auslöschen ebenso wie die deutschen, die bald für die Ukraine produzieren sollen. Auch 460.000 deutsche Soldaten werden da zum sinnlosen Bauernopfer. Russland muss im übrigen auch nicht abgeschreckt werden, es hat den Warschauer Pakt nicht nach Westen ausgedehnt. Die Nato dagegen hat sich bedrohend nach Osten erweitert. Durch den Verzicht auf den Natobeitritt der Ukraine wäre der Krieg im April 2022 zu beenden gewesen.
Kriegstüchtigkeitswahn siegte aber über Friedenstüchtigkeit. Das sollte uns warnen. Russland müsste gar nicht aufrüsten, wenn im Juni keine erstschlagfähigen US-Atomraketen bei uns aufgestellt würden. Der rüstungsfixierte Minister Pistorius zeigt nun mit dem Finger auf Putins Aufrüstung. Die Psychologie nennt dies die Projektion der eigenen Sünden auf gebastelte Feindbilder.
Der geniale jüdische Militär- und Gesellschaftskritiker Jesus von Nazareth hat dazu ein drastisches Bildwort geprägt für eine Gegenkultur: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann magst du zusehen, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst“ (Mt 7,5). Er warnt: „Wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen“ (Mt 26,52). Dies heißt aktuell: Wer zuerst atomar bombt, stirbt als zweiter. Der baldige 8. Mai muss Anstoß sein, der irrealen Bedrohtheitshysterie zu wehren. Hochbetagte Reservisten sollten sich an diesem Tag von Schulstreikenden an das erinnern lassen, was sie verdrängen. Die Kirchen müssen die Auferstehung ihres genialen Gründers dadurch bezeugen, dass sie nicht mehr atomare Rüstung abnicken, sondern selbstkritisch neu systemrelevant werden.
Leserbrief: Friedrich Gehring, Backnang