Kommentar zur Gemeineratssitzung 23. April 2026
Leserbrief von Gemeinderat Dr. Steffen Balz
Folgend möchte ich meine Eindrücke aus der öffentlichen Sitzung vom 23.04.2026 schildern.
Über die Umstände, den Ausbau der B14 betreffend, wurde sehr intensiv und lange diskutiert. Ich meine, die Räte hatten natürlich jedes Recht, Einwände zu erheben, Bedenken zu äußern und Vorschläge zu machen. Letztlich ist es meiner Meinung nach so, dass es zu den Zeiten der geplanten Vollsperrungen der B14 zu massiven Problemen kommen wird. Die Verantwortlichen haben jedoch die Sperrungen auf Ferienzeiten bzw. verkehrsärmere Zeiten gelegt und zeigen ihr Bemühen, die Beeinträchtigungen im Rahmen zu halten. Trotzdem werden die gesamten Jahre bis zur Fertigstellung verkehrlich herausfordernd, auch durch innerstädtische Umleitungen.
Aus meinem beruflichen Hintergrund kann ich sagen, es ist wie bei einer Zahnoperation: es ist unangenehm aber danach ist es besser und man ist erleichtert. Meine konkrete Nachfrage nach dem Lärmschutzwall im Bereich der Robert Kaess Siedlung wurde absolut zufriedenstellend beantwortet. Manche Coreferate und Danksagungen, u.A. aus der Mitte des Plenums, sagen nicht viel aus und kosten unmäßig viel Zeit.
Ein für mich wichtiger Teil war die Befassung mit der Erhöhung des Zuschusses an das Bandhaus Theater. Im Vorfeld hatte ich mich mit der Theaterszene in Backnang befasst. Es gibt noch das bekannte Galli Theater und die Kabarettabende, organisiert von dem unermüdlichen Charley Graf, der, nach den seligen Zeiten der Gruschtelkammer e. V., nunmehr eine neue Heimat im Merlin gefunden hat. Auch Kabarett: eine einmalige Erweiterung des Backnanger Kulturangebots.
Mit einer Repräsentantin des Galli Theaters hatte ich gesprochen und erfahren, dass diese Institution keinerlei Zuwendungen erhält. Allerdings tragen auch sie zum kulturellen Angebot der Stadt bei und würden sich natürlich über einen Zuschuss freuen.
Kurzum: mein Gerechtigkeitsempfinden war aktiviert. Ich denke, dass alle Theater gleich behandelt werden sollten. Jedenfalls konnte mir niemand schlüssig erklären, warum das Bandhaus Theater von uns Allen mitgetragen wird, während andere Institutionen leer ausgehen.
Hier wird meine Fraktion wohl noch tätig werden. Jedenfalls wurde das Thema kontrovers diskutiert. Der Kollege Hettich (CDU) mahnte zur gerechten Behandlung der Vereine, die ebenfalls kulturell-gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. Interessant war auch sein Punkt mit der sehr unterschiedlichen Auslastung des Bandhaus Theaters. Darauf stieg ich ein und empfahl, das Programm der vergangenen Jahre auf mehr oder weniger Frequenz bringende Aufführungen zu durchforsten, da das Argument, das Theater bringe der umliegenden Gastronomie Umsatz, von den Befürwortern der Zuschusserhöhung immer wieder angeführt wird. Das verstand der Amtsleiter, Herr Ellrott, falsch oder er wollte es bewusst falsch verstehen, so dass er mir antwortete, das Amt würde natürlich nicht in die Freiheit der Kunst eingreifen. Mein Appell war aber nicht an Herrn Ellrott sondern an Frau Putzmann gerichtet. Beim Gang zur Pinkelpause sah ich im Foyer Herrn Ellrott und Frau Putzmann in herzlicher Umarmung. Natürlich duzt man sich auch. Und ja, ich weiß, Umarmungen sind heutzutage üblich. Stellt sich trotzdem die Frage, ob für einen Amtsleiter, der unser aller Geld verteilt, etwas mehr professionelle Distanz angebracht wäre. Die Verbrüderung zwischen der Hand, die gibt und jener, die nimmt, sehe ich zumindest als schwierig an.
Letztes Thema in öffentlicher Sitzung war der sog. Bauturbo. Ein neues Gesetz, das jetzt Anwendung finden könnte, um Prozesse zu beschleunigen und Bürokratie zu verschlanken. Eigentlich eine gute Idee, aber mit Tücken. Einerseits schmilzt ihre Einspruchsfrist zusammen wenn in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Andererseits werden die Vorschriften für das, was gebaut werden soll, gelockert. Das weicht natürlich bisher gelebte Praxis auf. Hier wurde auch kontrovers diskutiert. Meine Fraktion stimmte gegen die Anwendung dieses Bauturbo in Backnang, da wir zu viele Haken an der Sache fanden und uns der Aussage eines Ratskollegen anschlossen, der sagte: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“.
Soweit mein Kommentar. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Leserbrief: Gemeinderat Dr. Steffen Balz