Vor dem „Ochsen“ zahlreiche Fahrräder und Menschenmenge | © Stadtarchiv Backnang

Ein Jahrmarkt im Dezember 1875

Vor 150 Jahren in Backnang – Teil 2

Backnang im Jahr 1875 – das war eine aufstrebende Industriestadt im Königreich Württemberg vier Jahre nach der Gründung des Deutschen Reichs. In Berlin regierte Wilhelm I. als deutscher Kaiser, in Stuttgart König Karl von Württemberg. Zum 1. Juli 1875 wurde die Mark in Württemberg eingeführt und ersetzte die Guldenwährung. Zwei Großprojekte verwandelten die Stadt in eine riesige Baustelle. Die Eisenbahnstrecke und der Bahnhof wurden gerade gebaut. Als städtisches Bauprojekt entstanden das Wasserreservoir beim künftigen Bahnhof und eine neue Zuleitung. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1875 hatte Backnang 5.626 Einwohner, davon 2.910 Männer und 2.716 Frauen.

Der Dezember 1875 begann mit einem Jahrmarkt. Wir erfahren aus der in Backnang dienstags, donnerstags und samstags erscheinenden Zeitung „Der Murrthal-Bote“: „Der gestrige Jahrmarkt war trotz der kalten Witterung ziemlich lebhaft besucht, obwohl zu bemerken war, daß sich die rechte Kaufslust, wie in früheren Jahren noch nicht eingestellt hat und bei den Einkäufen sehr sparsam zu Werke gegangen wurde. Durch den gegenwärtigen starken Hausirhandel ist auch jedermann Gelegenheit geboten, besonders auf dem Lande, seine Waaren im Hause zu kaufen, wenn auch oft unter schwindelhafte Anpreisung, Aufsäßigkeit und Betrügerei seitens der Hausirer, was in jetziger Zeit auf die Frequenz der Jahrmärte auch bedeutenden Einfluß übt. Auf dem Viehmarkt war keine zahlreich Zufuhrt zu sehen. Schwere fette Ochsen fehlten gänzlich. Fettes Vieh fand raschen Absatz und hielten sich die Preise auf ihrer Höhe. In Fuhrochsen und magerem Vieh war der Handel flau und wurde wenig gehandelt, denn bei den hohen Stroh- und Futterpreisen will sich der Landmann nicht mit Vieh überstellen.“ Soweit der Bericht in der Backnanger Zeitung „Der Murrthal-Bote“ vom 9. Dezember 1875. Der Viehmarkt wurde damals auf dem heutigen Schillerplatz abgehalten.

Von Schweinen und Kohle
Die damals wichtige Rolle Backnangs für den regionalen Viehhandel erkennt man auch aus der Ankündigung Carl Schwabs aus Künzelsau „Meinen werthen Kunden zur Nachricht, daß ich bis nächsten Samstag den 18. Dezember mit einer Parthie norddeutscher Schweine im Gasthaus z. Ochsen hier anwesend bin und setze solche zu äußerst billigen Preisen dem Verkauf aus.“ Das Gasthaus zum Ochsen befand sich im Gebäude Schillerstraße 41. Man kann davon ausgehen, dass die Schweine lebendig anwesend waren – vermutlich aber nicht im Gasthof sondern entweder in der benachbarten Ochsenscheuer oder auf der für Märkte genutzten, heutigen Eduard-Breuninger-Straße.

Schmied Hermann Kurz hatte das Steinkohlengeschäft von J. Fr. Höchel übernommen und kündigte an: „Mein eifrigstes Bestreben wird es sein, in Schmiede-, Ruhr- und Saarkohlen die besten Qualitäten in billigen Preisen zu liefern.“

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Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer