Vor Weihnachten 1875
Im Dezember vor 150 Jahren in Backnang – Teil 1
Es nahte die Weihnachtszeit. Auch 1875 war das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel interessant. Verschiedene Geschäfte bewarben ihre Produkte mit Anzeigen in der Zeitung Murrthal-Bote. Kaufmann J. Schöllhammer bot an: „Zu passenden und nützlichen Weihnachtspräsenten erlaube ich mir eine große Auswahl in seidenen, Zanella- und Alpaca-Regenschirmen höflichst zu empfehlen und sichere bei guter Waare die billigsten Preise zu.“ Kaufmann David Stelzer bot Filzschuhe und Stiefeletten an. Die originale Schreibweise mag für uns heute ungewohnt anmuten: „Mein Lager in fertigen Schuhwaren ist auch für diesen Winter aufs Beste sortirt, und empfehle Herrenstiefel und Stiefeletten, für Damen Lasting-, Seehund-, Kidt- und Kalblederstiefelchen.“ Kidleder ist ein weiches Ziegenleder.
Rudolf Beutler, der das Geschäft von J. G. Winter übernommen hatte, pries an: „Passend zu Weihnachtsgeschenken bringe ich in empfehlende Erinnerung: eine große Auswahl in fertigen Schürzen für Kinder und Erwachsene in Seide, Moiree, Lüstre, Rips, Zeugle mit und ohne Leibchen, Baschlik für Kinder und Erwachsene, Hauben, Kopfshawls und Kopftücher, wollene und baumwollene Kinderkittel und Kinderröckchen, Taille-Tücher, Westen, Manns- & Frauen-Unterhosen, Unterleibchen & Shäwlchen, seiden Levantinetücher, Halskrausen mit seidenen Schleifen, seidene und wollene Herren-Cachenez in weiß, grau und bunt, Chemisetten, Manschetten, Krausen am Stück in schwarz und weiß ec.; ferner eine große Parthie wollener & halbwollener Kleiderstoffe, die ich, um schneller zu räumen, zu bedeutend herabgesetzten Preisen abgebe.“ Viele Begriffe sind heute nicht mehr gebräuchlich. Die Mode wandelte sich wie die Begriffe dafür. Der Baschlik war im 19. Jahrhundert durch die Kombination von Kopfbedeckung und Schal im Winter sehr beliebt. Den Shawl kennt man heute eher in der eingedeutschten Fassung Schal. Ein Cachenez war ursprünglich eine die Nase bedeckende Maske (cache-nez), im 19. Jahrhundert aber ein zum Schutz gegen Kälte um den Hals gewickeltes Tuch. Chemisette war eine Art Hemd ohne Ärmel und Rücken und wurde von Damen unter dem Oberteil und von Herren unter dem Frack getragen.
Buchbinder J. Stroh bot vor Weihnachten Fotografien der Stadt Backnang aus dem Atelier von F. Brandseph in Stuttgart in Visitenkartenformat an.
Natürlich war Weihnachten die Zeit des Süßwerks. J. Pfleiderer verkaufte Lebkuchen und „Sprengerlen“. Carl F. Pfizenmayer bot reinen Honig an. Louis Dorn hatte „Schnitzbrod, Basler Lebkuchen, Sprengerlen und verschiedenes feines Backwerk.“ Er verkaufte auch Hefe und „feinstes Sprengerlenmehl, sowie alle andern Sorten Mehl billigst“.
Konditor Gebhardt an der Sulzbacher Brücke hatte Schokolade von Waldbauer im Sortiment, ebenso aber auch Champagner, während Küfer Haar „guten Zwetschgenbranntwein“ anbot.
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Redaktion backnang.online | Klaus Loderer